03. November 2016

Eifel-Nostalgie

Was kurvt da die engen Serpentinen hinauf? Es ist ein Mercedes-Benz 300 SE, eine sogenannte „Königsflosse“. Der seltene Klassiker war nur ein Highlight der Oldtimer-Rallye „Kaiser-Karl-Classic“.

Das Verdeck auf oder doch besser zu? Josef Schumacher und Enkelin Jacqueline Czubayco haben sich entschieden. Die Sonne strahlt bei angenehmen spätsommerlichen 23° Celsius. Also rein mit dem Originalverdeck. Jetzt noch die rote Persenning darüber und mit den Druckknöpfen fixieren – und fertig. Der silberfarbene Mercedes-Benz 190 SL, Baujahr 1955, funkelt im Morgenlicht wie ein Schmuckstück. Was heißt hier wie? Er ist ein Schmuckstück. Kein Wunder, dass er bei der 17. Auflage der „Kaiser-Karl-Classic“ die Startnummer eins tragen darf.

Wie in den vergangenen Jahren auch, startet der sportlich-touristische Rallye-Cup von der Mercedes-Benz Niederlassung in Aachen. Zum Eröffnungsritual des Eifel-Klassikers gehört neben einem gemeinsamen Frühstück natürlich auch die Fahrerbesprechung. Die übernimmt Gerd Fleischhauer vom MSC-Aachen e.V. – der Motorsportclub ist der Veranstalter der Oldtimer-Rallye. Es geht um Zeit- und Stempelkontrollen und um Hinweisschilder, auf die die Fahrer achten sollen. Dann geht es zu den Fahrzeugen. In zwei Reihen stehen sie auf dem Gelände der Niederlassung. Jedes hat seine eigene Geschichte, jedes weckt andere Erinnerungen: vielleicht an einen Sonntagsausflug mit Eltern und Großeltern, an einen Filmklassiker aus den 60ern oder 70ern, an Fotos mit Farbstich aus dem Familienalbum und und und.

Auf schmalen und kurvenreichen Straßen zum Nürburgring

Die Motoren werden gestartet. Das ist der Moment, wo Vorfreude und Faszination zusammenkommen. Es ist ein großes Getöse mit leisen und lauten Stimmen, mit tiefem Tuckern und kurzem Aufheulen, wenn ein Gaspedal getreten wird. Das Tagesziel der Rallye ist der Nürburgring, so viel ist klar. Auch, dass die Fahrer auf der Südschleife der legendären Rennstrecke drei Runden drehen werden. Doch welchen Parcours das Team des MSC-Aachen dieses Mal ausgetüftelt hat, wissen weder Fahrer noch Beifahrer. Sicher ist zu diesem Zeitpunkt nur so viel: Es werden kleine, kurvenreiche Nebenstrecken sein, die durch die wunderbaren Landschaften der Ardennen und der Vulkaneifel führen. Josef Schumacher und Enkelin Jacqueline Czubayco rollen mit ihrem 190 SL zum Startbogen. Jetzt erst bekommt das Team mit der Startnummer eins das Roadbook ausgehändigt. Dann geht es los ins nostalgische Eifel-Vergnügen.