15. November 2016

Der Architektur-Künstler
Mies van der Rohe

Er war einer der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Der gebürtige Aachener Ludwig Mies van der Rohe (1886–1969) schuf zwischen 1910 und 1965 eine Vielzahl von Fotomontagen und Collagen, die die Gestaltungsprinzipien seiner Architektur verdeutlichen. Das Ludwig Forum in Aachen zeigt weltweit erstmals in diesem Umfang diese besonderen Arbeiten.

Moderne Tragstrukturen aus Stahl, großflächig verglaste Fassaden, die freien Einblick ins Innere des Gebäudes gewähren: Die künstlerische Leitlinie von Ludwig Mies van der Rohe, einem der bedeutendsten Architekten der Moderne, zeichnete sich durch Minimalismus, Funktionalität und klare Formen aus. Seine Lieblingsmaterialien waren Stahl, Glas und Beton. Berühmt wurde der gebürtige Aachener durch die Formel „Weniger ist mehr“. Viele Ikonen der klassischen Moderne entstammen seiner Schaffenskraft: die Crown Hall in Chicago, die Neue Nationalgalerie oder der Entwurf für ein Glashochhaus in Berlin, um nur einige zu nennen. Im März dieses Jahres wäre Ludwig Mies van der Rohe 130 Jahre alt geworden.

Skizzen des Schaffensprozesses

Zwischen 1910 und 1965 schuf er eine Vielzahl von Collagen und Fotomontagen, die die Gestaltungsprinzipien seiner Architektur verdeutlichen. Diese meist großformatigen Arbeiten sind weit mehr als skizzenhafte Begleiter des architektonischen Entstehungsprozesses: Sie sind eigenständige Kunstwerke, die die Vision Mies van der Rohes zeigen. Im Kontext moderner und zeitgenössischer Kunst präsentiert die vom Aachener Ludwig Forum für Internationale Kunst konzipierte Ausstellung „Mies van der Rohe. Die Collagen aus dem MoMA“ zahlreiche Leihgaben aus dem New Yorker Museum of Modern Art. In ihrem Umfang ist die Ausstellung einzigartig. Insgesamt sind es rund 50 Arbeiten. Sie werden begleitet und kommentiert von ausgewählten Werken der klassischen Moderne und einigen zeitgenössischen Künstlern wie Thomas Ruff, Sarah Morris, Christian Odzuck, Julia Weißenberg, Iñigo Manglano-Ovalle und Mischa Kuball, die sich in ihren Werken auf Mies van der Rohe beziehen.

Die Collage zeigt eine Fabrikhalle.
Die Collage von Mies van der Rohe zeigt eine amerikanische Fabrikhalle, in der zur Zeit des Zweiten Weltkriegs Flugzeuge gebaut wurden, die Bomben über Deutschland abwerfen sollten.
Mies van der Rohe in seinem Chicagoer Büro.
Mies van der Rohe in seinem Chicagoer Büro. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1963.

Kaum eine bildnerische Technik reflektiert die ästhetischen Prinzipien, den Zeitgeist und das Lebensgefühl der Moderne wie die der Collage beziehungsweise Montage. Schon früh kamen Collage und Fotomontage auch in der Architektur zur Anwendung. Mies van der Rohe nutzte diese neuen Bildtechniken, um seine künstlerischen Ideen zum Neuen Bauen in Wettbewerben, Ausstellungen und Zeitschriften zu visualisieren. Die ausgewählten Werke spielen eine Rolle als Entwurfsillustrationen für eine potenzielle zukünftige Architektur. Die Bedeutung der Collagen geht aber weit über eine Begleiterrolle des Entwurfsprozesses hinaus. Gerade weil sie völlig frei, ohne den Zwang architektonischer Funktionalität, mit visionären Raumkonstellationen spielen können, sind sie autonom und gewähren so einen tiefen Einblick in den konzeptionellen und künstlerischen Schaffensprozess. Sie zeigen die Grundidee, aus der sich die besondere Architektur Mies van der Rohes ableitet.

Collage von Mies van der Rohe.
Eine Innenansicht eines Gebäudes. Zu sehen ist die für Ludwig Mies van der Rohe typische minimalistische Architektur und seine gerne eingesetzten großflächig verglasten Fassaden.

Chronologisch und kontextuell

Die Ausstellung spannt einen zeitlichen Bogen. Der reicht von einem Entwurf für das Bismarck-Denkmal am Rhein (1910) über seine visionären Entwürfe für Glashochhäuser in Berlin (1922) bis hin zu seinen späten Werken aus den 1960er-Jahren. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den fließenden Grenzen zwischen bildender Kunst und Architektur: Mies van der Rohe integrierte in fast allen Collagen Reproduktionen von Werken befreundeter oder geschätzter Künstler. Dazu gehören beispielsweise Arbeiten von Paul Klee, Wilhelm Lehmbruck, Georges Braque und Aristide Maillol. Ausgewählte Exponate einiger dieser Künstler werden ebenfalls in der Ausstellung gezeigt.

Mies van der Rohe hat in einer Collage einen Ausschnitt eines Kandinsky-Bildes verwendet.
Auch ein Ausschnitt dieses Bildes von Wassily Kandinsky taucht in einem Mies-van-der-Rohe-Werk auf.
Das Bild zeigt eine Collage, die zur Mies van der Rohe Ausstellung gehört.

Ludwig Forum Aachen

Öffnungszeiten

Di., Mi., Fr. 12–18 Uhr
Do. 12–20 Uhr
Sa., So. 11–18 Uhr
An Feiertagen 11–18 Uhr
Montags geschlossen
Geschlossen: 24.12., 25.12., 31.12., Fettdonnerstag, Karnevalssonntag und Rosenmontag

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