06. April 2017

Rapper
mit Sinn für Klassik

Der Aachener Rapper Mohamed El Moussaoui – Künstlername MoTrip – hat sich im vergangenen Jahr auf weitgehend unbekanntes Terrain begeben. Deutsch-Rap und 250 Jahre alte Klassik – das klingt im ersten Moment nach einer gewagten Kombination. Doch das Crossover-Projekt war ein großer Erfolg. Auch deswegen wurde dem Künstler die Auszeichnung „Menschen 2016“ verliehen.

MoTrip ist anders: Er ist keiner jener Rapper, die durch Provokationen oder Beleidigungen auffallen. Vielmehr pfeift er auf das für einige seiner Kollegen typische Verhalten und bricht mit vorherrschenden Klischees. Der Aachener textet vielschichtig, gefühlvoll, feinsinnig. Dennoch weist seine Musik düstere Elemente auf. Mohamed El Moussaoui verarbeitet in ihr eigene Erfahrungen. Das kommt bei den Hip-Hop-Fans gut an.

Aktuell gehört der Aachener zu den erfolgreichsten deutschen Rappern, für viele ist er ein Vorbild. Für seine Arbeit wurde MoTrip bei der Gala „Menschen 2016“ in der Mercedes-Benz Niederlassung Aachen geehrt. Das macht ihn „verdammt stolz“.

Angelehnt an eine Mauer hält Rapper MoTrip ein Handy in der Hand und blickt in die Ferne.
Der Rapper MoTrip, mit bürgerlichem Namen Mohamed El Moussaoui, lebt mit seiner Familie in Aachen.

Rasanter Aufstieg innerhalb der Rap-Szene

Inspiriert von seinem älteren Bruder Hassan, der unter dem Künstlernamen Elmo selbst in der Musikszene bekannt ist, kommt Mohamed El Moussaoui als Jugendlicher mit Rap in Kontakt. Als 15-Jähriger beginnt er, eigene Texte zu schreiben. Sein großes Vorbild ist damals der Rapper Kool Savas, der ebenfalls aus Aachen stammt. Dass Herkunft und Heimat für den gebürtigen Libanesen wichtig sind, davon zeugt auch sein Künstlername: Der geht zurück auf das arabische Wort „MuTrip“, das „Künstler“ bedeutet. Als MoTrip fällt der junge Musiker in der Rapper-Szene auf, ist auf den Alben von Musikern wie Kool Savas, Fler, Cutheta, Silla sowie Joka zu hören, bevor sich im Jahr 2011 ein regelrechter Hype um ihn selbst entwickelt. Er wird unter Vertrag genommen, und 2012 erscheint sein Debütalbum „Embryo“ – es wird gleich ein Erfolg.

Am Bühnenrand rappt MoTrip, während Radzimir Debski das Konzerthausorchester Berlin dirigiert.
Rapper MoTrip und der polnische Dirigent Jimek stehen vor einem Treppengeländer im Konzerthaus Berlin.
Im prachtvollen Konzerthaus Berlin präsentierte MoTrip (l.) im September 2016 seine Songs in neuem Klang. Orchestriert hatte diese der polnische Dirigent Radzimir Dębski.
Der Rapper MoTrip steht vor einem Fenster, in dem sich ein Gebäude des Berliner Gendarmenmarkts spiegelt.
Mohamed El Moussaoui
  • Geboren/Herkunft: 7. März 1988 im Libanon
  • Aufgewachsen: Zusammen mit seiner Familie zog Mohamed El Moussaoui 1989 nach Aachen, wo er am Blücherplatz aufwuchs
  • Karriere: Als 15-Jähriger verfasste Mohamed El Moussaoui seine ersten eigenen Texte – inspiriert von seinem älteren Bruder. Gefördert von Rappern wie Kool Savas machte sich MoTrip nach und nach einen Namen in der Musikszene. Sein erstes Studioalbum „Embryo“ erschien im Jahr 2012, das zweite Album „Mama“ folgte 2015. Seine Single „So wie du bist“ erreichte Platz drei der deutschen Charts und wurde auf Youtube bisher rund 55 Millionen Mal abgerufen.
  • Website: www.motrip.de

Offen für musikalische Experimente

Im Jahr 2015 brachte MoTrip sein zweites und überaus erfolgreiches Album mit dem Titel „Mama“ auf den Markt. Das hielt sich nicht nur wochenlang in den Charts: Der Song „So wie du bist“ erreichte Platin-Status – den bekommen Alben, die mehr als 200.000 Mal verkauft werden. Auf diesem Erfolg ruhte sich der Rapper keineswegs aus: „Ich habe die Gelegenheit wahrgenommen, mit einem klassischen Orchester zu arbeiten. Das war schon lange mein Wunsch“, sagte MoTrip während der Gala „Menschen 2016“. Dabei ist er gar kein großer Klassik-Fan: „Mein Vorwissen beschränkte sich eigentlich auf alte Handy-Klingeltöne und die Titelmusik der Fußball Champions League.“„Mein Vorwissen beschränkte sich eigentlich auf alte Handy-Klingeltöne und die Titelmusik der Fußball Champions League.“Rapper MoTrip

Vivaldi-Experiment mit dem Westdeutschen Rundfunk

Das bekannteste Werk Vivaldis trägt den Titel „Die vier Jahreszeiten“. Mit El Moussaoui war es 2016 als Rap-Variante zu hören – zumindest in Ausschnitten. Initiiert vom Westdeutschen Rundfunk ließ sich der Musiker auf das Vivaldi-Experiment ein und schrieb das Lied „Auserwählt“ mit Variationen von Violin-Konzerten des großen Komponisten. Schüler aus dem gesamten Bundesgebiet waren aufgerufen, den Refrain zu rappen, sich dabei zu filmen und das Videomaterial einzureichen. „Ich habe einige Schulen besucht, zusammen mit den Kindern und Jugendlichen Songs geschrieben und Musik gemacht“, blickt der Rapper zurück. Den großen Abschluss des Projektes bildete ein gemeinsames Konzert in Köln mit dem WDR Funkhausorchester unter der Leitung von Dirigent Wayne Marshall.

Zum Abschluss des Vivaldi-Experiments des WDR gab es ein Konzert mit Rapper MoTrip und dem WDR Funkhausorchester, bei dem auch der Song „Auserwählt“ erstmals öffentlich zu hören war.

Von klassischen Musikern lernen

Zusammen mit dem polnischen Dirigenten Jimek, mit bürgerlichem Namen Radzimir Dębski, und den Musikern des Berliner Konzerthausorchesters trat El Moussaoui im September 2016 in der Hauptstadt auf. Dort präsentierte er von Jimek klassisch orchestrierte Songs seiner beiden Alben, die später unter dem Titel „Mosaik“ veröffentlicht wurden. „Während der Arbeit mit den Orchestern habe ich Timing, Geduld und Zusammenarbeit gelernt. Ich bin es ja eher gewohnt, alleine auf der Bühne zu stehen“, resümiert MoTrip die Erfahrungen aus den Crossover-Projekten. In Zukunft wolle er erst einmal wieder ohne klassische Begleitung auftreten. „Für die gemeinsame Zeit mit bis zu 80 Musikern auf einer Bühne bin ich sehr dankbar. Das war eine tolle Erfahrung und etwas ganz Besonderes für mich.“