19. Dezember 2016

Wintervergnügen
Glühwein genießen

Die Rezeptur des Augsburger-Christkindlmarkt-Glühweins ist ein streng gehütetes Familiengeheimnis – und das seit mittlerweile 60 Jahren. 1956 kam Rudolf Kunzmann auf die Idee, mit Zucker und Gewürzen versetzten Wein in Flaschen zu füllen und als Glühwein zu verkaufen. Heute führt sein Sohn Jürgen die älteste Glühweinkellerei Deutschlands. Ein Blick hinter die Kulissen.

1956 entwickelte Rudolf Kunzmann in seiner eigenen kleinen Ein-Mann-Weinkellerei in Augsburg das Rezept für fertig zubereiteten Glühwein. Er verfeinerte Wein mit Zucker und Gewürzen, füllte das Getränk in Flaschen ab und verkaufte diese an Gastronomen in der Region. Seither gilt das Unternehmen, das mittlerweile seinen Sitz in Dasing hat, als die älteste Glühweinkellerei Deutschlands. Denn zuvor gab es „Glühwein“ – Gästen wurde heißer Rotwein, Zucker und ein Teebeutel Glühweingewürz serviert – ausschließlich in Gaststätten.

Bußgeldbescheid als Beweis

Gastronomen und Weinhändler waren begeistert von der Idee Kunzmanns, die sich schnell herumsprach. Aber auch das Marktamt der Stadt Augsburg wurde auf den Weinexperten aufmerksam – und verhängte prompt ein Bußgeld wegen Verstoßes gegen das Weinrecht. Damals war es noch verboten, Rebensaft zu zuckern. Heute gilt dieser Bußgeldbescheid als Beweis für den ersten in Flaschen abgefüllten Glühwein in Deutschland. Das Weingesetz wurde übrigens kurze Zeit später geändert und Glühwein damit legal.

Seit 1995 leitet Jürgen Kunzmann das Familienunternehmen. Im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin erzählt er, wie sich die Glühweinproduktion in den vergangenen sechs Jahrzehnten verändert hat, wie das Heißgetränk am besten schmeckt und was den Augsburger-Christkindlmarkt-Glühwein so besonders macht.

Rudolf Kunzmann
Rudolf Kunzmann veränderte die „Glühwein-Welt“.
Herr Kunzmann, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Jubiläum!

Danke schön! 2016 ist ein besonderes Jahr für uns. Vor 60 Jahren war mein Vater der Erste, der fertigen Glühwein in Flaschen abgefüllt hat. Er war sich der Tragweite seiner Erfindung anfangs gar nicht bewusst. Sein Ziel war es eigentlich „nur“, die Herstellung zu vereinfachen. Ohne es zu wissen, hat er die Trinkgewohnheiten revolutioniert.

Nutzen Sie noch immer das Glühweinrezept Ihres Vaters?

Ja, das tun wir – allerdings nicht eins zu eins. Da sich die Qualität der Rohstoffe in den letzten Jahren enorm verbessert hat, hat sich natürlich auch unsere Glühweinrezeptur weiterentwickelt. Aber wir verwenden noch heute die gleiche Gewürzmischung wie mein Vater damals. Diese besteht unter anderem aus Zimtstangen, Orangen- und Zitronenschalen, Nelken, Koriander und Sternanis. Mehr wird aber nicht verraten! Außerdem verzichten wir nach wie vor auf Aromen. Das macht unseren Glühwein aus.

Was treibt Sie an?

Meine Vision war es immer, einen hervorragenden Glühwein anzubieten. 2009 haben wir eine neue Weinkellerei gebaut, und das war die Basis dafür, dass wir die Qualität unserer Heißgetränke noch weiter verbessern und Neues verwirklichen konnten. Wir waren beispielsweise die Ersten, die einen Bioglühwein im Angebot hatten und Glühweine aus rebsortenreinen Weinen herstellten. Unser Barrique-Dornfelder-Glühwein besteht aus Wein, der mindestens sechs Monate in einem Eichenholzfass gereift ist. Da war die Verkostung ein besonderer Genuss!

Eignen sich alle Trauben für die Herstellung von Glühwein?

Der Wein muss mit den Gewürzen harmonieren, sonst funktioniert es nicht. Ein Riesling ist beispielsweise nicht unbedingt geeignet, da er viel Säure enthält. Bei den Weißen funktionieren Chardonnay oder Müller-Thurgau sehr gut. Bei den Rotweinen zählt auf jeden Fall der Dornfelder zu meinen Favoriten. Er hat eine tiefrote, fast schwarze Farbe und auch sein Charakter passt perfekt zu den Glühweingewürzen. Auch aus einem Merlot lässt sich ein wunderbarer Glühwein kreieren.

„Für viele ist es, einfach nur Glühwein‘, doch nicht für uns. Mit unserer Leidenschaft grenzen wir uns klar vom Wettbewerb ab.“Natalie Kunzmann

Jürgen und Natalie Kunzmann
Jürgen und Natalie Kunzmann leiten in zweiter Generation das Dasinger Unternehmen.
Wann beginnt bei Ihnen die Glühweinproduktion?

Ab März beschäftigen wir uns mit der Fertigung für die kommende Saison. Das beginnt unter anderem mit dem Einkauf von Rohstoffen und unzähligen Verkostungen. Spätestens im August startet dann die Glühweinproduktion. Insgesamt stellen wir rund 3,5 Millionen Flaschen des Heißgetränks her. Verkauft wird es in Deutschland und in Österreich. Ich habe unseren Glühwein aber auch schon beim Skifahren in Kanada getrunken. Das war wirklich ein tolles Erlebnis. Beim ersten Schluck dachte ich, der schmeckt wie unserer – und tatsächlich war es ein Augsburger-Christkindlmarkt-Glühwein.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Die Ansprüche der Kunden verändern sich stetig und auch wir haben immer spannende Ideen. Aus unserem Bioglühwein sind mittlerweile vier verschiedene Produkte entstanden. Außerdem haben wir die komplette Herstellungskette auf Vegan umgestellt. Im Bereich der rebsortenreinen Glühweine haben wir für 2017 ein paar interessante Projekte geplant, die es in dieser Form bisher nicht gibt.

Ich nehme an, Sie wollen mir nicht sagen, um was es geht ...

Nein, das kann ich leider nicht (lacht).

Dann verraten Sie uns doch wenigstens, woran man im Supermarkt erkennt, ob man eine gute Flasche Glühwein in der Hand hält oder nicht.

Leider ist das nicht ganz einfach. Auf den Etiketten wird viel versprochen, was nicht gehalten wird. Allerdings sollte man wirklich auf den Preis achten, der ist oft ein gutes Kriterium. Kostet ein Liter Glühwein 99 Cent kann das einfach kein guter sein. In der Regel sind die teureren Glühweine die besseren.

Und wie schmeckt der Glühwein am besten?

Bitte den Glühwein nicht kochen, sondern nur erhitzen auf rund 65 Grad. Das ist die ideale Trinktemperatur. Außerdem nutzen wir Weingläser und keine Tassen. Einen guten Rotwein trinkt man schließlich auch aus dem Weinglas, so kann man den Tropfen viel besser riechen und sehen. Glühwein ist ein emotionales Produkt, das in einer hochemotionalen Zeit getrunken wird – ein Weinglas passt dazu viel besser, es ist eleganter und feierlicher.

Glühwein von der Weinkellerei Kunzmann
Die heißen Spezialitäten von Kunzmann gibt es in der Bügelflasche.
Die Weinkellerei von Kunzmann
Firmengruppe Kunzmann
  • Unternehmen: Unter dem Dach der Firmengruppe sind die Unternehmen Kunzmann Weinkellerei, Albertus Mineralbrunnen und Kela Natursäfte vereint.
  • Winterspezialitäten: Das Angebot reicht vom klassischen Augsburger-Christkindlmarkt-Glühwein über Bioglühweine und weitere Glühweinspezialitäten bis hin zu zahlreichen Punschsorten und den Klassikern Feuerzangenbowle sowie Förstertee.
  • Standort: Dasing bei Augsburg
  • Website: www.kunzmann-dasing.de