26. Mai 2017

Martin Luther erleben

2017 ist Lutherjahr. Weltweit wird an Martin Luther und die Geschichte der Reformation erinnert. Ein zentraler Schauplatz ist Augsburg. Bands, Kunst und Schauspiel: In der Friedensstadt finden mehr als 100 Veranstaltungen und Führungen statt, die von wichtigen Stationen der Reformation erzählen.

Bei Umfragen gilt er als einer der bekanntesten Deutschen. Und auch schon zu Lebzeiten hatte Martin Luther viele Anhänger oder Follower, wie man heute sagen würde. Seiner Berühmtheit hatte er es vor 500 Jahren zu verdanken, dass er dem Ketzertod entkam. „Das hat man sich damals im Grunde nicht getraut“, schildert Götz Beck, Tourismusdirektor bei Regio Augsburg Tourismus. „Zu groß war seine Fangemeinde.“

Heimliche Flucht Martin Luthers

Ein Jahr nach der Veröffentlichung seiner 95 Thesen am 31. Oktober 1517 wurde der Mönch aus Wittenberg zum Reichstag nach Augsburg zitiert. Nachdem der römische Kardinal Cajetan ihn dort drei Tage lang zum Widerruf seiner Ablassthesen zu bewegen versucht hatte, floh Martin Luther kurzerhand heimlich nachts aus Augsburg, den möglichen Tod auf einem Scheiterhaufen in Rom vor Augen. Er sollte unversehrt bleiben, ebenso wie seine damals umstrittenen Thesen. Ein Jahr nach seiner Fluchtaktion begann die Augsburger Druckerei, mehr als eine Million Exemplare Luther´scher Flugschriften zu vertreiben. Die Reformation war in vollem Gang. Augsburg und Luther: Das ist ein sehr spezielles Kapitel in der Geschichte der Fuggerstadt und auch der Reformation in Deutschland.

Martin Luther nagelt seine 95 Thesen an die Tür.
Das Gemälde zeigt den Theologen Martin Luther, wie er seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg nagelt.

Geschichte live erleben

Das Streitgespräch im Fuggerhaus zwischen Cajetan und Martin Luther spielen in diesen Tagen Schauspieler nach. Hoch geht es her im Augsburger „Fugger und Welser Erlebnismuseum“, wenn Martin Luther auf die Fuggerei schimpft, auf ihren Ablasshandel und den Zinswucher. Besser als jede Erzählung es könnte, erleben Besucher hautnah und live diesen historischen Moment vor 500 Jahren, als sich Martin Luther nicht dazu bewegen lässt, von seinen Thesen abzulassen. Sie begegnen edel gewandeten Patriziern und mitten unter ihnen: Luther. Hierbei handelt es sich nur um eine von mehr als 100 Veranstaltungen sowie Führungen, die im Reformationsjahr in Augsburg stattfinden.

Die Friedensstadt wird im Lutherjahr 2017 - wie viele weitere zentrale Reformationsstätten weltweit auch - zu einer großen Bühne zentraler Stationen in der Reformation. „Vier Mal war Augsburg die bedeutendste Stadt in der deutschen Reformationsgeschichte“, so Beck. „Das erste Mal, als Luther bei dem Verhör durch Cajetan in den Fuggerhäusern 1518 den Widerruf seiner Thesen verweigert. Das zweite Mal, als Philipp Melanchthons Augsburger Bekenntnis, die Confessio Augustana, 1530 vor dem Kaiser und den Kurfürsten des Reiches verlesen wurde. Das dritte Mal, als der Augsburger Religionsfrieden 1555 das Prinzip des Cuius regio, eius religio besiegelte. Das lateinische Sprichwort bedeutet, dass der jeweilige Landesherr die Konfession seiner Untertanen bestimmen darf. Und schließlich 1999, als in St. Anna die Gemeinsame Erklärung der Rechtfertigungslehre unterzeichnet wurde – dies war eine Sternstunde der Ökumene.“

Schauspieler spielt Philipp Melanchthon im Lutherjahr in Augsburg
Bei der Stadtführung „Martin Luther, Melanchthon und die Confessio Augustana“ verkörpert ein Schauspieler den Philipp Melanchthon. Der war neben Martin Luther eine treibende Kraft der Reformation.

Sehenswert: Martin Luther ist überall

Die St.-Anna-Kirche, die Lutherstiege oder die Fuggerhäuser in Augsburg: Im Lutherjahr 2017 führt die Regio Augsburg Tourismus GmbH zu diesen und weiteren Stätten der Reformation. Gäste erleben zahlreiche Veranstaltungen rund um das Reformationsjubiläum. Entstanden ist ein buntes Veranstaltungsprogramm unter dem Motto: „Mutig bekennen, friedlich streiten“, das Touristen und Besucher aus aller Welt mitnimmt auf die Spuren Martin Luthers.

Über 200 Künstler und über 50 Spielorte verwandeln die Augsburger Innenstadt am 24. Juni in die facettenreiche Lange Kunstnacht.
Ein buntes Programm erwartet die Besucher der Augsburger Innenstadt am 24. Juni, wenn über 200 Künstler und über 50 Spielorte zur Langen Kunstnacht einladen.

Das Fest und die Lange Nacht der Freiheit

Ein Höhepunkt des Reformationsjahres in Augsburg ist der 24. Juni. Zwischen Annahof und Rathausplatz feiert die Stadt an diesem Tag das große Fest der Freiheit. Auf drei Bühnen treten Bands, Solisten und Chöre auf. Ab 19 Uhr verwandelt sich die Friedensstadt dann dank über 200 Künstlern und über 50 Spielorten in die Lange Nacht der Freiheit. Bis tief in die Nacht sind Museen, Kirchen, Konzertsäle und Hinterhöfe für die facettenreiche Stadtinszenierung geöffnet. Kunstschaffende aus Augsburg, der Umgebung und aller Welt tragen mit rund 100 musikalischen und literarischen Vorstellungen zur Langen Kunstnacht bei. Zum Abschluss findet am nächsten Tag ein großer Festgottesdienst auf dem Rathausplatz statt.

Martin Luther und der Kurzweil viel

Wer sich historische Orte der Reformation anschauen möchte, dem ist eine der vielen regelmäßigen Stadtführungen zu empfehlen. Zum Beispiel die Stadtführung „Martin Luther und der Kurzweil viel“. Sie beginnt an der Tourist-Info am Rathausplatz und führt an die wichtigsten Lutherstätten in der Reformationsstadt Augsburg. Die Sprachgewalt des Reformators wird durch Sprichwörter, Redewendungen und Originalzitate von Martin Luther lebendig. Der Kostenbeitrag liegt bei 10 Euro, ermäßigt 8,50 Euro. Interessierte melden sich unter Telefon 0821/5 0207-21 an.

Das Fugger und Welser Erlebnismuseum bietet im Lutherjahr viele Veranstaltungen.
Im „Fugger und Welser Erlebnismuseum“ gibt es das ganze Jahr über Workshops, Führungen sowie Aufführungen zu Martin Luther.

Nachts im Museum

Zum Reformationsjubiläum bietet das „Fugger und Welser Erlebnismuseum“ ganzjährig spezielle Führungen und Workshops für Erwachsene, Kinder und Jugendliche zum Themenspektrum Luther kontra Fugger an. Dass es auch dort durchaus kontrovers zugeht, belegen die Titel der öffentlichen Führung „Luther und der Kapitalismus – Von Monopolbildung und Zinswucher“ oder der Familienführung „Der Hecht im Karpfenteich – Luther in Augsburg“. Ablasshandel, Zinswucher und Monopole der Augsburger Fugger und Welser, Höchstetter und Co. wurden damals zwischen Nordsee und Tirol, Elsass und Wien allerorten erregt diskutiert. Am 20. Mai lädt das Museum von 19 bis 24 Uhr zudem zu einer besonderen Aufführung. Gäste erwarten zeitgenössische Musik und Schauspieleinlagen sowie Führungen, die sich der Zeit widmen, in der Luther die Augsburger Handelshäuser kritisiert. Der Eintritt hierzu ist frei.