17. Juli 2017

Gekommen,
um die Welt zu erobern

Coole Caps, Kimonos, Hoodies und Bomber – Hauptsache, immer schön lässig – das ist der neue Style von Augsburg. Zumindest wenn es nach den drei Gründern des Streetwear-Labels Heaters geht. Burak Küçük, Josua Janda und Jonathan Kreuzer wollen mit ihren Kollektionen jedoch nicht nur ihre Heimatstadt erobern, sondern die ganze weite Welt.

Wie man ein Trend-Label kreiert? Josua Janda und Jonathan Kreuzer wissen das, schließlich sind die beiden Kommunikationsdesigner und Inhaber der Augsburger Werbeagentur I*AM. Dritter im Heaters-Bunde ist Burak Küçük, der Strategic & International Management studiert hat. Im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin spricht der 29-Jährige über das Erfolgskonzept.

Opening-Party: Beim Eröffnungs-Event wurde das Start-up von zahlreichen Getränkeherstellern gesponsert; darunter war auch die Augsburger Gin-Marke August. Für die passende Musik sorgten DJs vor Ort, die Live-Sets spielten.
Heaters Logo
Wie kommen drei junge Männer auf die Idee, in Augsburg ein Modelabel zu gründen?

Es war mehr eine Fügung als eine Idee. Unser gemeinsames Faible für Streetwear und der Wunsch, Kunst und Design mit Mode zu vereinen, führten bei uns im vergangenen Jahr zu dem Entschluss, eine eigene Marke aufzubauen. Entsprechendes Wissen und Erfahrung bringen Josua Janda und Jonathan Kreuzer als Geschäftsführer der Agentur „I*AM Design & Communication“ mit. Ich selbst hatte mich schon länger mit der Idee eines eigenen Streetwear-Labels beschäftigt und das als Anlass genommen, meine Masterarbeit über die Gründung eines solchen Labels zu schreiben. Wir denken, es gibt im Leben für alles seine Zeit. Jetzt ist die Zeit für Heaters.

Aber Designer ist keiner von euch!?

Nein, wir haben einen Businessplan entworfen und dann nach einer Designerin gesucht, die zu uns und unseren Ideen passt. Fündig geworden sind wir bei Lisa McQueen. Daraus ist dann unsere Kollektion „Heaters Chapter I by Lisa McQueen“ entstanden. Allein der Name ist einfach schon ziemlich cool! Auch für Lisa war es die erste Kollektion.

Die ihr in Augsburg geshootet habt?

Genau, wir haben mit zwei weiblichen Models aus München geshootet und drei Jungs. Bei den Jungs war es uns wichtig, dass wir echte, spannende Typen haben, sie sollten nicht zu glatt sein. Einer der Jungs ist der bekannte Augsburger Fashion-Blogger Thomas Lischka, der sich im Netz sorry_not_fame nennt und allein bei Instagram über 72.000 Follower hat. Als Location diente der Glaspalast in Augsburg, ein Industriedenkmal, das früher mal eine mechanische Baumwollspinnerei und Weberei war. Augsburg hat eine lange Textiltradition, uns gefiel diese Verbindung von Vergangenheit und Zukunft.

Wo lagen die größten Schwierigkeiten beim Gründungsprozess?

Für ein Start-up ist es zu Beginn immer schwer. Wir hatten in der Entwicklungsphase natürlich auch unsere speziellen Probleme, die es galt so einfach und schnell wie möglich zu lösen. Das Wichtigste ist, als Team zu agieren und alle Entscheidungen gemeinsam zu treffen. So hatten wir in kürzester Zeit auf alle Fragen die richtige Antwort. Es hört aber mit dem Release nicht auf, sondern geht weiter. Da wir ganz neu im Geschäft sind, taten wir uns natürlich mit dem Thema Produktion manchmal schwer. Aber auch da haben wir tolle Partner gefunden, auf die wir uns verlassen können. Nach langem Überlegen entschieden wir uns für Portugal als Produktionsland. Dort arbeiten wir nun mit einer familiengeführten Textilproduktion zusammen. Wir waren auch selbst vor Ort, um uns ein eigenes Bild von der Produktion zu machen. Porto ist immer wieder eine Reise wert, da passt einfach alles.

„Das perfekte Outfit für CLA wäre? Unser merlotfarbener Satin-Bomber.“Burak Küçük

Das Team hinter Heaters: Jonathan Kreuzer, Josua Janda und Burak Küçük
Das Team hinter dem Streetwear-Label Heaters (von links): Jonathan Kreuzer (36), Josua Janda (31) und Burak Küçük (29).
Die Selbstständigkeit birgt ja auch Risiken. Was treibt dich an, es trotzdem zu wagen?

Ich habe schon als Student gemerkt, dass ich mich für keine der Karrieren interessiere, für die sich meine Kommilitonen begeistern konnten. Nicht im geringsten. Ich bin der Meinung, dass wir von den Hochschulen teilweise zu einseitig erzogen wurden. Karriere. Karriere. Karriere. Kleine und mittlere Unternehmen, Konzerne – das war mir zu langweilig. Ich machte mich aber auch nicht gleich selbstständig, sondern wollte wissen, ob es für mich wirklich so schlimm ist, irgendwo angestellt zu sein. Es wurde schnell klar: Ja, ist es. Du fängst als Wurm an und musst dir jeden Tag Gedanken darüber machen, wie du aufsteigst. Nun mache ich mir jeden Tag Gedanken darüber, wie wir mit Heaters weiter aufsteigen.

Inwieweit hat euch euer Background geholfen, die Marke Heaters zu lancieren?

Ich sag mal, wir wissen, wie man gutes Marketing macht. Bei unserer Store-Eröffnung, die Anfang Juni stattfand, haben wir ein Pre-Opening gemacht, zu dem wir zahlreiche wichtige Blogger und Influencer aus ganz Deutschland eingeladen haben. Für die Blogger gab es Goodie-Bags, außerdem war ein Fotograf vor Ort, um Content für Facebook und Instagram zu generieren. Eine Stunde später war dann die offizielle Eröffnung – sowohl vor Ort als auch online.

Beschreib uns den Heaters-Style ...

Wir machen viel im Oversized-Look, denn das tragen wir auch persönlich gerne. Manches ist durchaus speziell. Wir bedienen Nischen, aber es gibt auch schlichtere Teile wie unsere Essential-Shirts, die jeder tragen kann. Wir haben besondere Schnitte und Looks, natürlich haben wir das Rad nicht neu erfunden, aber wir machen was Eigenes. Wir bringen Kunst und Mode zusammen. Bei uns gibt es nichts von der Stange, sondern Qualität. Das hat natürlich auch seinen Preis, aber wir wollen, dass die Leute bei uns bewusst einkaufen.

Wen wollt ihr mit eurer Mode erreichen?

Schon eher jüngere Leute, im Prinzip aber alle, die Spaß an cooler Streetwear haben. Unser Sortiment ist groß: Kimonos, Caps, T-Shirts und Bomberjacken – nur Hosen, Taschen und Schuhe bieten wir bisher noch nicht an. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendwann einen großen Schuhhersteller, der mal Lust auf eine Kooperation mit uns hätte …

Josua fährt ja einen Mercedes-Benz CLA, was wäre der perfekte Heaters-Look für eine kleine Spritztour?

Das perfekte Outfit für einen lauen Sommerabend im CLA wäre unser merlotfarbener Satin-Bomber mit dem hinten aufgestickten Herkules.

Herkules?

Das ist das Wahrzeichen der Maximilianstraße und der Treffpunkt für junge Menschen an lauen Sommernächten hier in Augsburg. Aber zurück zum Outfit: Den Merlot-Bomber würde ich auf jeden Fall mit einer schwarzen Hose und schwarzen Birkenstock kombinieren.

Welche Rolle spielt Augsburg für euch?

Eine große, denn es taucht immer wieder mal bei dem einen oder anderen Kleidungsstück auf. Zum Beispiel haben wir den Herkules digitalisiert und ihn auf ein paar Artikel unserer Kollektion aufgestickt.

Habt ihr Vorbilder in Sachen Fashion?

Wichtige Persönlichkeiten in unserem Segment sind Kanye West mit „YEEZY“ oder Jerry Lorenzo mit „Fear of God“. Aber auch Label wie Supreme, die ein Urgestein der Streetwear-Szene sind, prägen und inspierieren uns.

Wo wollt ihr mit Heaters hin?

Wir wollen unser Angebot natürlich erweitern, sammeln bereits Ideen und machen uns Gedanken darüber, wie „Chapter II“ aussehen wird. Dabei zieht sich die Idee eines Gemeinschaftsprojekts wie ein roter Faden durch die Philosophie der Marke, weshalb die Schnitte zukünftiger Kollektionen weiterhin in enger Zusammenarbeit mit Mode-Designern aus unserem Umfeld entwickelt werden sollen. Wir bekommen täglich Anfragen für verschiedenste Kooperationen, darüber waren wir zu Beginn selbst überrascht. Aber das zeigt uns, dass wir mit „Chapter I“ voll ins Schwarze getroffen haben. Um unsere Marke zu etablieren und Kunden nicht zu überfordern, sind unsere Kleidungsstücke bisher zum Großteil sehr schlicht. In Zukunft wollen wir hier etwas lauter werden. Auf jeden Fall wollen wir im Streetwear-Game mitmischen – und wir wollen internationalen Erfolg!