25. Juli 2017

Mercedes-Benz:
Die Erfolgs-Formel

Mercedes-Benz hat vielen Rennserien den Stempel aufgedrückt. Das gilt in den letzten Jahren auch für die Königsklasse des Rennsports, die Formel 1.

Die Formel-1-Weltmeisterschaft wird seit 1950 ausgetragen und oft als Königsklasse des Automobilsports bezeichnet: Sie erhebt den Anspruch, die höchsten Anforderungen aller Rennserien zu stellen – an Fahrzeuge, Fahrer, Konstrukteure, eigentlich an alle Beteiligten. Dementsprechend groß ist die Faszination der Formel 1, die rund um den Globus Fans und Zuschauer elektrisiert. Viel Spaß mit einem Abstecher auf die Rennstrecken dieser Welt.

Born in the USA

Bevor Mercedes-Benz im Jahr 1995 in die Formel 1 zurückkehrte, erfolgte das Engagement bei den Indianapolis 500, kurz Indy 500. Die „500 Meilen von Indianapolis“ sind ähnlich spektakulär wie die Formel 1 und zählen zu den ältesten und prestigeträchtigsten Hochgeschwindigkeitsrennen im Motorsport. An einigen Stellen wirken sie wie aus der Zeit gefallen: Bei der Siegerehrung gibt es traditionell Buttermilch, und die Ziellinie besteht aus Ziegelsteinen, was bis 1935 für die gesamte Strecke galt. Der Wettkampf selbst wird seit 1911 ausgetragen und verlangt auf seinen 200 Runden (rund 805 Kilometer) Technik und Fahrern das Äußerste ab.

Mercedes-Benz kehrte mit dem Penske-Mercedes PC 23 nach langer Pause in die spektakuläre Rennserie zurück. Mit Mercedes-Benz als neuem Sponsor lieferte das Ingenieurbüro Ilmor in rekordverdächtigen zehn Monaten den neuen Stock-Block-Motor für das IndyCar. Die Motoren dürfen nur zwei Ventile pro Zylinder aufweisen, die durch Stoßstangen über eine einzige Nockenwelle im Motorblock betätigt werden.

Blick auf das Indy-500-Rennen 1994 mit dem führenden Penske-Mercedes PC23 von Al Unser jr.
Mit der Startnummer 31 holte Al Unser jr. 1994 gleich im ersten Rennen mit dem Penske-Mercedes PC23 völlig überlegen den Sieg.

Die sogenannten ChampCars der US-amerikanischen CART-Serie bringen ihre beste Leistung auf den heimischen Renn-Ovalen mit überhöhten Kurven. Der völlig neu konstruierte Achtzylinder-Turbomotor des PC 23 nutzte jedoch eine Lücke im Reglement, da er mit höherem Ladedruck betrieben werden durfte: Das brachte dem 703 Kilogramm leichten Penske-Mercedes ein Leistungsplus von rund 147 kW (200 PS) gegenüber der Konkurrenz. Der siegreiche PC 23 von Al Unser jr. bewältigte den Kurs mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 258,9 km/h.

Das Penske-Mercedes IndyCar PC 23 mit der Startnummer 3 wurde von Paul Tracy pilotiert.

Nach diesem Rennen änderte man sofort das Reglement, und so blieben die Indy 500 von 1994 der einzige Renneinsatz des V8-Motors. Ab 1995 trat Mercedes-Benz in der CART-Serie in allen 17 Läufen des Jahres mit dem neu entwickelten 2,65-Liter-V8-Turbo-Motor an. Al Unser jr. wurde 1995 im Penske-Mercedes PC 24 Vizemeister, mit 412 km/h hält er nach wie vor den Höchstgeschwindigkeitsrekord.

IndyCar Penske-Mercedes in der Boxengasse bei den 500 Meilen von Indianapolis 1994
Penske-Mercedes IndyCar PC23
  • Baujahr: 1994
  • Zylinder: V8
  • Hubraum: 3.429 cm3
  • Leistung: 1.024 PS / 753 kW
  • Höchstgeschwindigkeit: 412 km/h
Rot-weißer McLaren-Mercedes MP 4/10 von oben auf Rennstrecke
Der MP 4/10 der Saison 1995 markiert den Beginn der Partnerschaft von McLaren und Mercedes-Benz.

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Vierter Platz in der Konstrukteurswertung, Mika Häkkinen Siebter in der Fahrerwertung: Die Zusammenarbeit von McLaren und Mercedes-Benz startete mit dem MP 4/10 in der Nähe von São Paulo erfolgreich in die Formel-1-Saison 1995 und erwies sich als dauerhaft.

Das Triebwerk des MP 4/10 trug die Bezeichnung MB FO 110D V10 und entstand in Zusammenarbeit mit dem britischen Motorenlieferanten Ilmor aus Brixworth, an dem Mercedes-Benz seit 1995 zu 40 Prozent beteiligt war. Der Hubraum wurde – in nur viereinhalb Monaten – infolge des geänderten technischen Reglements auf drei Liter verkleinert. Es ist das einzige Aggregat im Formel-1-Feld, das von Grund auf neu konzipiert und konstruiert wurde. Die scharfen Regeländerungen sollten mehr Sicherheit bringen.

Die Saison 1995 markierte den Start von McLarens Partnerschaft mit Mercedes-Benz.

Im Profil: Mika Häkkinen

Mika Häkkinen war bereits im Alter von sechs Jahren im Kartsport aktiv und wurde zu einem der erfolgreichsten Formel-1-Fahrer. Häkkinen debütierte 1991 in der Formel 1 und absolvierte dort bis 2001 161 Rennen, von denen er 20 gewann. 1998 und 1999 wurde er mit McLaren-Mercedes Weltmeister. Nach einer Rennpause fuhr Häkkinen von 2005 bis 2007 im Team AMG-Mercedes in der DTM und war auch zum ersten Mal Werbeträger für Mercedes-Benz. Als Jugendlicher besuchte Häkkinen übrigens eine Zirkusschule, die er als gelernter Akrobat verließ.

McLaren-Mercedes Formel 1 MP 4/10
  • Baujahr: 1995
  • Zylinder: V10
  • Hubraum: 2.997 cm3
  • Leistung: 699 PS / 514 kW
  • Höchstgeschwindigkeit: 350 km/h
David Coulthard im MP 4/15 siegt 2000 beim Formel-1-Rennen von Silverstone
Britischer Heimsieg: Der Schotte David Coulthard gewinnt den Großen Preis von Großbritannien im Jahr 2000 auf einem McLaren Mercedes MP4/15.

Das Duell der Doppelweltmeister

Michael Schumacher und Mika Häkkinen waren beide bereits Doppelweltmeister, als es in der Formel-1-Saison 2000 erneut zum Duell der Ausnahmefahrer kam. Am Ende hatte Schumacher mit deutlichem Vorsprung die Nase vorn, Häkkinen konnte jedoch im internen Duell seinen aufstrebenden jüngeren Teamkollegen David Coulthard hinter sich lassen. Der Schotte fuhr im McLaren-Mercedes MP4/15 mit der Startnummer 2 auf den dritten Platz in der Gesamtwertung. Im österreichischen Spielberg feierte das Duo Häkkinen/Coulthard einen Doppelsieg.

Das Chassis des McLaren-Mercedes MP4/15 besteht aus rund 4.000 Teilen, von denen nur knapp 20 Prozent vom Vorgängermodell MP4/14 übernommen werden konnten.

Der MP4/15 hat im Vergleich zum Vorjahres-Rennwagen eine flachere Frontnase, der Kopfschutz an den Cockpitseiten fällt größer aus. Auch die Heckpartie fällt flacher ab, was durch den um zwei Zentimeter kürzeren Motor möglich wird. Das neue Siebengang-Getriebe hat McLaren selbst entwickelt. Lohn der Entwicklungen und Mühen: Vizeweltmeister in der Konstrukteurs- und Fahrerwertung.

Mit dem MP4/15 gelingt McLaren-Mercedes in der Saison 2000 die Vizemeisterschaft in der Konstrukteurswertung.

Im Profil: David Coulthard

Der damals erst 23-jährige David Coulthard gibt 1994 beim Großen Preis von Spanien als Ersatz für Ayrton Senna seinen Einstand in der Formel 1. 1995 fährt er seinen ersten Sieg ein, seit 1996 startet er mit Mika Häkkinen im Team McLaren-Mercedes. Beim Grand Prix von Australien 1997 gelingt Coulthard der erste Formel-1-Sieg für Mercedes-Benz seit 1955. Mit 36 WM-Punkten belegt Coulthard in der Saison 1997 schließlich den vierten Platz der Gesamtwertung. Am Ende gehen zwischen 1994 und 2008 246 Grand-Prix-Rennen in der Formel 1 auf Coulthards Konto, davon 13 Siege. Größter Erfolg: der Gewinn der Vizeweltmeisterschaft 2001 im Nachfolgermodell McLaren-Mercedes MP4/16.

McLaren-Mercedes MP4/15 von David Coulthard auf Rennstrecke
McLaren-Mercedes Formel 1 MP4/15 (2000)
  • Baujahr: 2000
  • Zylinder: V10
  • Hubraum: 2.997 cm3
  • Leistung: 806 PS / 593 kW
  • Höchstgeschwindigkeit: 350 km/h
Juan Pablo Montoya im Cockpit beim Großen Preis von Deutschland 2005
Juan Pablo Montoya überzeugte mit extrem guter Fahrzeugbeherrschung, kompromissloser Fahrweise und seiner mentalen Stärke.

Eine Frage der Aerodynamik

Der McLaren-Mercedes MP4-20 mit der Startnummer 10 wurde von Juan Pablo Montoya gesteuert. Der Kolumbianer beendete die Saison 2005 mit 60 Punkten und als Vierter in der Fahrerwertung, obwohl er wegen einer Verletzung für zwei Rennen ausfiel. Seinen ersten Sieg für McLaren-Mercedes holte Montoya beim Britischen Grand Prix in Silverstone. Die interne Gesamtwertung ging jedoch klar an seinen Teampartner Kimi Räikkönen, der mit sieben Siegen und 112 Punkten Vizeweltmeister wurde.

Das fast komplett überarbeitete Design unterscheidet den McLaren-Mercedes MP4-20 deutlich von seinen Vorgängern. Das neue Aerodynamik- und Fahrwerks-Setup beinhaltet einen schmaleren Diffusor und einen weiter zur Fahrzeugmitte hin verschobenen Heckflügel. Der kürzere Radstand verbessert die Reifen-Performance. Die „Hörner“ sind ein weiteres Aerodynamik-Feature und sitzen direkt hinter dem oberen Lufteinlass über dem Fahrer. Diese Flügel verringern den Abtriebsverlust durch die neue Aerodynamik.

Zur Saison 2006 gab es erneut weitgehende Änderungen: Die bulligen V10-Motoren wurden durch die kleineren 2,4-Liter-V8-Motoren abgelöst. Für McLaren-Mercedes bedeutete es zudem den Abschied von den Farben Grau und Schwarz.

Der McLaren-Mercedes MP 4-20 wurde 2005 von Juan Pablo Montoya pilotiert, der in der Gesamtwertung den vierten Platz belegte.

Im Profil: Juan Pablo Montoya

Juan Pablo Montoya wurde 1975 in Bogotá geboren, begann seine Motorsport-Karriere 1981 im Alter von sechs Jahren im Kartsport und debütierte 2001 in der Formel 1. Sein Vater Pablo Montoya und sein jüngerer Bruder Federico Montoya waren ebenfalls Automobil-Rennfahrer. Montoya startete 94-mal zu einem Formel-1-Rennen, erzielte 13 Pole-Positions und konnte sieben Grand Prix gewinnen. Für das Team McLaren-Mercedes war er neben Kimi Räikkönen 2005 und 2006 im Einsatz. Ende 2016 debütierte Montoya in der höchsten NASCAR-Division, wo er 276 Starts absolvierte und bis 2013 aktiv war. Im Anschluss startete er für Penske in der IndyCar Series, wo er 2015 Gesamtzweiter wurde.

  • Baujahr: 2005
  • Zylinder: V10
  • Hubraum: 2.997 cm³
  • Leistung: 933 PS / 686 kW
  • Höchstgeschwindigkeit: 350 km/h

Endlich wieder ein Team

Nach 55 langen Jahren tritt 2010 in der Königsklasse erstmals wieder ein Formel-1-Team unter dem Namen Mercedes an, genauer gesagt unter dem offiziellen Namen „Mercedes Grand Prix Petronas“, kurz „Mercedes GP Petronas“. Überraschungscoup: Rekordweltmeister Michael Schumacher ist als Fahrer mit an Bord. Der Kerpener hatte 2006 seine Formel-1-Karriere für beendet erklärt und feiert nun beim Rennen in Bahrain sein Comeback. Zweiter Fahrer wird Nico Rosberg. Dem 25-Jährigen traut man gute Platzierungen zu – wie sich herausstellt, erfüllt er diese Erwartungen.

Michael Schumacher in seinem Formel-1-Wagen der Saison 2010 beim freien Training in Suzuka
Michael Schumacher feierte 2010 zur Freude vieler Fans nach drei Jahren sein Comeback in der Formel 1.

Der MGP W01 der Saison 2010 ist der erste Silberpfeil der Neuzeit und wurde am 25. Januar 2010 zusammen mit dem neuen Werksteam im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart vorgestellt. Seine erste Ausfahrt hatte der Bolide bei den Wintertests in Valencia, seine erste Saison endete mit einem beachtlichen vierten Platz in der Konstrukteurswertung für das Team Mercedes GP Petronas. Das interne Fahrer-Duell mit Schumacher entscheidet Rosberg klar für sich.

Das Mercedes AMG Petronas F1 Team ging aus dem britischen Rennstall Brawn GP hervor, an dem die Daimler AG seit 2009 die Mehrheit hielt. Offizieller Sitz des Teams ist die Daimler Zentrale in Stuttgart, das Team operiert aber aus dem englischen Brackley.

Mit dem Mercedes AMG F1 GP W01 trat Mercedes in der Saison 2010 zum ersten Mal wieder mit einem Team unter eigenem Namen in der Formel 1 an.

Ein halbes Jahrhundert zuvor beherrschten die Silberpfeile von Mercedes den Rennsport. Der Premierensieg beim Großen Preis von Frankreich war 1954 das erste Kapitel zu einer grandiosen Erfolgsgeschichte, die in großen Teilen von Juan Manuel Fangio geschrieben wurde. Der Argentinier, Jahrgang 1911, wurde der erste Formel-1-Weltmeister für Mercedes-Benz und verteidigte im Folgejahr seinen Titel. Kurz darauf zog sich Mercedes-Benz aus dem Rennsport zurück. Das Comeback ließ 55 Jahre auf sich warten.

Michael Schumacher im Mercedes AMG F1 GP W01 beim Großen Preis von China 2010
Mercedes AMG F1 GP W01
  • Baujahr: 2010
  • Zylinder: V8
  • Hubraum: 2.400 cm3
  • Leistung: 760 PS / 559 kW
  • Höchstgeschwindigkeit: > 350 km/h

Zweikampf der Giganten

Formel 1 – das sind Emotionen, Motorsport in Reinform und Rennen auf des Messers Schneide. Fans auf der ganzen Welt fiebern den Renn-Wochenenden entgegen und erleben hautnah, wie Legenden geboren werden. Ein Fahrer, der bereits Rennsport-Geschichte geschrieben hat, ist Lewis Hamilton. Der Weltmeister von 2008 wechselte zur Saison 2013 zu MERCEDES AMG PETRONAS und übernahm den Platz von Michael Schumacher. Dort lieferte der Brite sich auf dem F1 W04 ein hochspannendes internes Duell mit Nico Rosberg. Dieser Zweikampf erreichte in der vergangenen Saison 2016 seinen Höhepunkt – und endete, als Rosberg auf der FIA-Pressekonferenz anlässlich seines Titelgewinns seinen Rücktritt als Formel-1-Fahrer bekannt gab.

Mit dem Petronas F1 W04 ging Lewis Hamilton 2013 in seine erste Saison für Mercedes und fuhr auf den vierten Gesamtrang.

Der neue Wagens stellte eine verfeinerte Entwicklungsstufe des F1 W03 von 2012 dar. Die Heckpartie des F1 W04 ist sehr kompakt entworfen, um die aerodynamischen Möglichkeiten voll ausschöpfen zu können. Die Stufennase des Vorgängers entfällt, sie ist jetzt von einer strömungsgünstigen Blende verdeckt.

Für Lewis Hamilton begann mit dem W04 eine echte Erfolgsgeschichte: Schon in Malaysia erzielte er den dritten Platz – die erste Podest-Platzierung für sein neues Team. In China startete Hamilton beim darauffolgenden Rennen zum ersten Mal als Mercedes Pilot von der Pole-Position. Es folgten weitere Platzierungen auf dem Podest und in Ungarn sein erster Sieg für MERCEDES AMG PETRONAS. Mit 189 Punkten wurde Hamilton letztlich Vierter im Gesamtklassement und setzte sich intern gegen Rosberg (171 Punkte) durch.

Formel-1-Wagen von Lewis Hamilton beim Rennen in Monaco
In der Saison 2013 musste sich Lewis Hamilton in Monaco seinem Teamkollegen Nico Rosberg geschlagen geben, der – ebenfalls im Petronas F1 W04 – das Rennen für sich entscheiden konnte.

Mit 360 Punkten verbesserte sich das Team 2013 deutlich gegenüber dem Vorjahr und verbuchte drei Siege sowie acht Pole-Positions und eine schnellste Rennrunde. Beim Großen Preis von Monaco feierte Nico Rosberg den zweiten Grand-Prix-Sieg seiner Karriere – und das genau 30 Jahre nachdem sein Vater Keke Rosberg dort gewonnen hatte. Diese Ergebnisse ließen für die folgenden Jahre hoffen. Und tatsächlich – von 2014 bis 2016 dominierten die Formel-1-Silberpfeile die Konkurrenz. Sie trugen Lewis Hamilton zu zwei Weltmeistertiteln, Nico Rosberg zu einem.

Mit dem Petronas F1 W04 fuhr Lewis Hamilton in der Saison 2013 auf den vierten Gesamtrang.
Mercedes AMG Petronas F1 W04
  • Baujahr: 2013
  • Zylinder: V8
  • Hubraum: 2400 cm3
  • Leistung: 750 PS / 550 kW
  • Höchstgeschwindigkeit: > 350 km/h
Kilometer
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