19. Mai 2017

„Mission South“
nach Gambia

Berlin und Banjul trennen 8.000 Kilometer. Doch die Freunde vom MotorCircus machten sich mit ihren Oldtimer-Motorrädern auf den Weg nach Westafrika. Ihre „Mission South“ brachte Spenden für ein kleines Krankenhaus in der Nähe der Hauptstadt Gambias und war für die Berliner Biker ein außergewöhnliches Abenteuer.

Bikes, Dust and Rock ’n’ Roll – so lautet das Motto des MotorCircus in Berlin. Deren Mitglieder pflegen das wahre Abenteuer und kultivieren ihr individuelles Lebensgefühl als Biker. Begnadete Schrauber, die ihre bis zu 60 Jahre alten Oldtimer-Motorräder liebevoll umbauen. Überzeugte Botschafter für Motorradkultur, die auf ihren Touren Freundschaft ausleben. Engagierte Helfer, die mit der „Mission South“ Gutes tun.

Die Gruppe des MotorCircus Berlin auf ihren Motorrädern in einer Wüstenlandschaft.
Martin Lemcke, Marko Kramer, Christoph Köhler und Ronald Zehrfeld (von links) vom MotorCircus Berlin auf dem Weg nach Gambia.

Ein Hospital für 45.000 Patienten

„Wir sind auch alle Familienväter“, sagt Martin Lemcke. „Und dann gehen dir Bilder von den Kindern in Afrika nicht mehr aus dem Kopf – vor allem, wenn du weißt, mit wie wenig du etwas für diese Menschen bewegen kannst.“ Wenn Lemcke von der Arbeit der Ärzte in der ASB-Klinik nahe Banjul berichtet, spürt man, wie sehr sie ihm am Herzen liegt. „Du erlebst direkt, welche Bedeutung diese Gesundheitsversorgung für die armen Bevölkerungsschichten hat“, so der Teammeister im Service von Mercedes-Benz Berlin. Für 45.000 Patienten ist die Klinik die einzige Anlaufstelle.

Spenden für „Ärzte helfen“

So fühlen sich die Freunde dem humanitären Engagement verpflichtet, nachdem Christoph Köhler und Marko Kramer 2008 bei einer Afrikareise die prekäre Gesundheitsversorgung der armen Bevölkerung in Banjul gesehen und ein Jahr später den Verein „Ärzte helfen“ gegründet hatten. Mit der „Mission South“ leitete der MotorCircus jetzt ein neues Kapitel der Hilfe für die Menschen in Gambia ein. Eine große multimediale Präsenz gewann Sponsoren und generierte Spenden für „Ärzte helfen“. Auch nach der Rückkehr werden weiter Spenden eingeworben.

Spaß, Abenteuer, Selbsterfahrung

Für den Roadtrip nach Westafrika sattelten Christoph Köhler, Marko Kramer, Martin Lemcke und Ronald Zehrfeld sowie Kameramann Thorsten Jarek ihre Zweizylinder-Boxermaschinen. Die Reise per Motorrad war ein intensives Erlebnis. Spaß, Abenteuer, Selbsterfahrung. Eine mentale Bereicherung. „Man erfährt Afrika im wahrsten Sinne des Wortes – mit den Menschen, der Kultur, der Landschaft und den Naturgewalten“, sagt Martin Lemcke. „Und man erkennt, was wirklich wichtig ist im Leben.“ Er hatte schon 2010 im Rahmen einer geführten Rallye eine alte Mercedes-Benz E-Klasse als Spende nach Gambia gefahren. Eine gute Vorbereitung, mit den besonderen Bedingungen und der Anstrengung der Motorradtour jedoch nicht zu vergleichen.

„Die Kinder dort sind immer fröhlich und lebensbejahend.“
Martin Lemcke
Afrika, das verheißt Sonne und Wärme. Die „Mission South“ aber startete in Nordmarokko bei Regen und schweren Unwettern, zwei Grad Kälte und Hagelschauern. „Das Wasser stand in den Stiefeln. Wir schafften in zwei Tagen nur 300 Kilometer.“ Also spontan eine Routenänderung, weiter östlich fuhr man weiterhin frierend über den Atlas. Das Hochgebirge, trist wie eine Mondlandschaft, offenbarte faszinierende Aussichten in die Wüste. Und dann in einer Kasbar im Nirgendwo trafen die Berliner auf den arabischen Wirt, der gut Deutsch sprach. „Er erzählte, dass er von jedem ausländischen Gast zwei neue Wörter in dessen Sprache lernt.“

Merzouga, die größte Düne in der Sahara
Die großen Dünen von Merzouga in der Sahara sind ein einzigartiges Naturerlebnis.

Unbeschreibliche Weite unter den Sternen der Milchstraße

Es waren solche Begegnungen mit den Menschen, die die „Mission South“ des MotorCircus prägten. „Wir haben unterwegs immer die Nähe zu den Einheimischen gesucht. Allerdings tut man als Europäer gut daran, sehr zurückhaltend aufzutreten. Das macht den Kontakt zu den Menschen einfacher.“ Die meisten Erwachsenen begegneten dem Motorradtross freundlich – besonders wenn sie vom Charity-Gedanken der Aktion hörten. Vor allem Kinder freuten sich, die Europäer zu treffen. „Die Kinder haben dort materiell nur ganz wenig, aber sie sind immer fröhlich und lebensbejahend“, schildert Martin Lemcke. Treffen mit Tuareg, den Wüstensöhnen, bleiben ebenso in Erinnerung wie die prägnanten Gerüche, Geräusche und Gegebenheiten von Städten und Landschaften. „Du schlägst in der Sahara das Zelt auf und erlebst nachts eine unbeschreibliche Weite unter den Sternen und der Milchstraße. Ein imposantes Naturwunder.“ Sand aus der Sahara hat Martin Lemcke als Souvenir für seine dreijährige Tochter Hannah Carlotta mitgebracht.

Martin Lemcke auf seinem Motorrad
Die „Mission South“ war für Mensch und Maschine anstrengend. Dennoch war die Stimmung bestens.

10 bis 14 Stunden jeden Tag auf dem Motorrad zu fahren bedeutete eine echte Anstrengung. Die Reise durch Marokko, die Westsahara, Mauretanien und den Senegal nach Gambia war nicht ungefährlich. Viele Straßen sind nur Schotterpisten. Der Gegenverkehr nimmt selten Rücksicht. An den militärischen Kontrollposten heißt es „Ruhe bewahren“. Man hält sich besser konsequent an die Verbote von Alkohol und Drogen, weil drakonische Strafen drohen. Wer nachts in der Wüste kampiert, hofft, nicht von Banditen entdeckt zu werden. Das Klima schwankt zwischen gleißender Sonne, 50 Grad heißen Winden in der Wüste und subtropischer Schwüle bei über 40 Grad in der Steppe.

Dankbar für hochwertige medizinische Behandlung

Das Willkommen in Banjul war herzlich. Die Freunde vom MotorCircus spürten unmittelbar, dass die Hilfe dringend gebraucht wird. Mit nur 200 Euro, die „Ärzte helfen“ finanzieren, werden in der ASB-Klinik notwendige Operationen gesichert. Die Menschen, die sich sonst eine hochwertige medizinische Behandlung nicht leisten könnten, sind für die Arbeit des Hospitals unendlich dankbar. Martin Lemcke erzählt vom großen Andrang, wenn junge Mütter mit ihren Babys zu Untersuchungen kommen. „Sie haben die Kleinen herausgeputzt wie für eine Schönheitskonkurrenz.“ Auch den politischen Wandel in Gambia bekamen die Freunde direkt mit. Nach 22 Jahren Diktatur übernahm ein neuer, demokratisch gewählter Präsident sein Amt. Und die Menschen im Land hoffen auf einen friedlichen Neuanfang.

Ankunft in Banjul: Einheimische nahmen die Freunde vom MotorCircus in Empfang und umringten die Gruppe und die Motorräder.
Ankunft in Banjul: Einheimische nahmen die Freunde vom MotorCircus an der ASB-Klinik in Empfang.
Das Logo des Vereins Ärzte helfen
Ärzte helfen e.V.
  • Der Verein: 2009 gegründet mit dem Ziel, die medizinische Versorgung in Not leidenden Gebieten zu verbessern.
  • Projekt TEETH: Der Verein hat eine Zahnarztpraxis in der ASB-Klinik nahe Banjul, der Hauptstadt Gambias, eingerichtet und sichert den Betrieb mit Sach- und Geldspenden. Außerdem wird die Arbeit deutscher Transferärzte organisiert.
  • Spenden/Mitgliedschaft: Spenden kommen ohne Abzüge den Projekten zugute. Schon ab 25 Euro Jahresbeitrag kann man als Fördermitglied das Projekt TEETH unterstützen. Aktive Mitglieder zahlen 80 Euro pro Jahr.
  • Kontakt: Ärzte helfen e.V.
    www.aerzte-helfen.net