09. Juni 2016

Team, Taktik, Technik. Und Glück!

Pure Kraft, atemberaubende Geschwindigkeiten, dröhnender V8-Sound, hochkarätige Technik – in seinem Mercedes-AMG GT3 mischt Hubert Haupt auf der Rennstrecke ganz vorne mit. Im Interview spricht der Ex-DTM-Pilot über Ziele, Emotionen und Erfolge.

Das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring über die legendäre Nordschleife gilt als größtes und härtestes Autorennen der Welt. Ende Mai sind Sie für das AMG-Team BLACK FALCON angetreten. Wie lief es?

Das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring bin ich schon öfter gefahren, aber so etwas wie in diesem Jahr haben wir alle noch nicht erlebt: Etwa 50 Minuten nach dem Start hat es plötzlich begonnen zu hageln – in einigen Passagen war die Strecke regelrecht weiß. Nichts ging mehr und das Rennen wurde für mehrere Stunden unterbrochen. Nach dem Restart lief es sehr gut, zwischenzeitlich lagen wir auch immer mal wieder in Führung. Im Ziel war es dann der vierte Platz für uns, knapp hinter drei anderen Mercedes-AMG GT3. Natürlich ist es schade, dass es nicht ganz für das Podium gereicht hat, aber wir waren zumindest Teil eines historischen Vierfachsieges für Mercedes-AMG.

Welche Rennen stehen in dieser Saison noch an?

Ich starte in der Blancpain Endurance Series und werde Ende Juli beim 24-Stunden-Rennen von Spa antreten.

Wie nah an Ihre Grenzen bringt Sie ein 24-Stunden-Rennen?

Langstreckenrennen sind immer eine große Herausforderung für Mensch und Maschine. Man fährt sehr lange Stints und muss permanent die Konzentration hochhalten. In den Pausen muss man schnell regenerieren, um dann sofort wieder voll da zu sein – gerade in der Dunkelheit. Denn nachts werden zum Teil schnellere Zeiten gefahren als tagsüber, weil die Luft kühler ist und die Motoren mehr Leistung haben. Generell komme ich mit derartigen Anforderungen sehr gut klar. Ich treibe sehr viel Sport und ernähre mich gesund. Das garantiert natürlich nicht den Sieg, aber es trägt dazu bei. Am Ende sind Siege immer eine Mischung aus vielen Faktoren: Team, Taktik, Technik – und auch ein Quäntchen Glück.

2015 in Dubai war demnach die Mischung perfekt ...

Ja, beim 24-Stunden-Rennen in Dubai hat alles gepasst. Wir haben insgesamt 604 Runden absolviert. Das entspricht einer Distanz von über 3.200 Kilometern, die man – mal angesehen von Safety-Car-Phasen – im Renntempo zurücklegt. In unserem SLS AMG GT3 vom Team BLACK FALCON saßen außer mir noch Yelmer Buurman, Abdulaziz Al Faisal und Oliver Webb am Steuer.

Rennfahrer Hubert Haupt
Welche Emotionen durchströmen Sie, wenn Sie als Erster über die Ziellinie fahren?

Das ist ein purer Glücksmoment. Du weißt, jetzt ist es geschafft und nichts kann dir das mehr nehmen. Gerade im Motorsport darf man sich nie zu früh freuen: Auch in der letzten Runde kann noch alles passieren. In Dubai hatten wir am Schluss vier Runden Vorsprung. Da hieß es: Kühlen Kopf bewahren und ja nicht langsamer werden, denn dann verliert man seinen Rhythmus und macht vielleicht den einen dummen Fehler, mit dem man den sicheren Sieg wegwirft.

Wie sieht die Vorbereitung auf ein Langstreckenrennen wie das in Dubai aus?

Durch mein regelmäßiges Kraft-Ausdauer-Training im milon-Zirkel habe ich eine sehr gute Grundfitness – insofern absolviere ich gar kein spezielles Work-out für ein Rennen. Was die mentale Vorbereitung angeht, profitiere ich davon, dass ich schon über 25 Jahre Rennerfahrung habe. Es fällt mir leicht, mich auf eine Aufgabe zu fokussieren. Während eines Rennwochenendes ist es dann wichtig, in den Trainingseinheiten schnell ein gutes Gefühl für die Strecke und das Fahrzeug aufzubauen. In Dubai ist das gar nicht so einfach. Du musst mit dem Klima klarkommen und es kann sein, dass Wüstensand über die Rennstrecke weht. Das ist tricky, aber dafür wird man anschließend mit Kamelen zur Siegerehrung gebracht.

25 Jahre Rennerfahrung – schleicht sich da irgendwann „Routine“ ein?

Motorsport ist für mich Faszination und Leidenschaft. Insofern wird es für mich nie Routine sein, ein großartiges Fahrzeug über eine Rennstrecke zu lenken. Der SLS AMG GT3 ist so ein Fahrzeug. Das Gleiche gilt für seinen Nachfolger, den Mercedes-AMG GT3. In diesen Autos spürst du, dass sie von Menschen entwickelt wurden, die selbst leidenschaftliche Rennfahrer sind. Was das Fahrgefühl angeht, ist der neue Mercedes-AMG GT3 eine fantastische Weiterentwicklung. Man baut sehr schnell Vertrauen auf, weil das Fahrzeug extrem präzise reagiert. So macht Rennfahren Spaß.

Auch privat fahren Sie Mercedes ...

Seit Kurzem bin ich der Besitzer eines nagelneuen schwarzen Mercedes-AMG CLA 45. Das Fahrzeug war der erste Preis in der AMG Customer Sports Championship, einem weltweiten Wettbewerb unter allen AMG Kundensportteams und -fahrern. Der Mercedes-AMG CLA 45 ist ein tolles Fahrzeug, das auf kompaktem Raum sehr viel Rennstrecken-Feeling vermittelt. Außerdem sieht der Wagen einfach klasse aus.

Nicht nur in Dubai haben Sie die Konkurrenz hinter sich gelassen. Gibt es Erfolge, die Ihnen besonders wichtig sind?

Wenn ich zurückblicke, haben die Rennen in der DTM immer einen besonderen Stellenwert für mich. Damals, Anfang der 1990er-Jahre, hatten die Fahrzeuge noch nicht so viel Mess- und Regeltechnik an Bord wie heute – es kam noch mehr auf das Gefühl des Piloten an. Dann erinnere ich mich natürlich besonders gern an meinen Sieg beim 24-Stunden-Rennen von Daytona. Das war 1999 und ich hatte vorher ein paar Jahre Rennsport-Pause gemacht. Daytona war ein tolles Comeback. Danach war ich wieder regelmäßiger in unterschiedlichen Serien aktiv und bin es bis heute.

Wie sind Sie dazu gekommen, Rennen zu fahren?

Die Begeisterung für Geschwindigkeit und Fahrzeuge ist bei mir vermutlich angeboren. Das mit den Rennen kam dann – wie bei den meisten Motorsportlern – über den Kartsport. Hier habe ich meine ersten Rennerfahrungen gesammelt. Für mich ist und bleibt das der beste Weg, um in jungen Jahren viel zu lernen.

Und was sagt Ihre Familie zu Ihrer Rennsportkarriere?

Die Familie ist ein wichtiger Rückhalt für mich. Meine Frau und meine Kinder wissen, dass ich beim Rennen nicht nur mit dem Herzen, sondern auch mit dem Kopf immer voll bei der Sache bin. Bei allem Ehrgeiz, der im Motorsport auch seine Berechtigung hat, bin ich nicht der Typ Rennfahrer, der sich oder sein Fahrzeug überschätzt und unnötige Risiken eingeht.

Fotos: © AMG Customer Sports, © die agentour GmbH, © Mercedes-Benz Niederlassung München, © www.huberthaupt.de