17. März 2016

Die Retter auf See

Seit über 150 Jahren hilft die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) Menschen, die an den deutschen Küsten von Nord- und Ostsee in Seenot geraten – rund um die Uhr und bei jedem Wetter. Die Seenotleitung Bremen koordiniert alle Einsätze.

Die Gründung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) am 29. Mai 1865 stand im Zeichen des untergegangenen Auswandererschiffes „Johanne“. Das Schiff erlitt am 6. November 1854 vor Spiekeroog an der ostfriesischen Nordseeküste Schiffbruch. 84 Menschen starben damals bei tosendem Wellengang. Dies war nach vielen schweren Schiffsunglücken an der Nordseeküste einer der Auslöser für den Ruf nach einem einheitlichen, unabhängigen deutschen Seenotrettungswerk auf privater Basis. Elf Jahre später waren seine Verfechter am Ziel. Anfangs waren jeweils acht oder zehn Ruderer in offenen Booten unterwegs, um Schiffbrüchige zu retten. Allein mit Muskelkraft stellten sie sich mutig der tosenden See entgegen. Heute steht den Seenotrettern eine hochmoderne Flotte aus Schiffen und Booten zur Verfügung. Die DGzRS gilt als einer der modernsten Seenotrettungsdienste der Welt.

Die DGzRS-Stationen an der deutschen Küste

DGzRS Stationen
Die Kreuzer der DGzRS sind bei Wind und Wetter im Einsatz. 1990 wurde die „NIS RANDERS“ in Dienst gestellt.
Volle Fahrt voraus: Die „NIS RANDERS“ wurde 1990 bei der DGzRS in Dienst gestellt. Sie ist in Maasholm an der Schleimündung stationiert. Benannt ist sie nach der literarischen Figur aus dem gleichnamigen Gedicht von Otto Ernst, die den Urtypen des deutschen Seenotretters charakterisiert.
DGzRS in Zahlen
Seenotrettung auf einen Blick
  • Seenotfälle 2015: 538 Gerettete, 2.091 Einsätze
  • Crew: 180 Festangestellte, 800 Freiwillige
  • Flotte: 20 Seenotretter, 40 Seenotrettungsboote
  • Finanzen: 38,6 Mio. € Aufwand 2014, 0 € Steuergelder
  • Website: www.seenotretter.de

DGzRS: Rund 82.000 Gerettete seit 1865

Allein 2015 wurden 538 Menschen gerettet oder aus drohenden Gefahren auf See befreit. Rund 82.000 Menschen verdanken den Seenotrettern seit Mitte des 19. Jahrhunderts schnelle Hilfe. Trotz aller technischer Weiterentwicklungen steht der unermüdliche Einsatz der Menschen damals wie heute im Mittelpunkt. „Die allermeisten der rund 1.000 deutschen Seenotretter sind ehrenamtlich tätig. Innerhalb weniger Minuten besetzen sie das Rettungsboot im Hafen und fahren raus aufs Meer“, erklärt Pressesprecher Christian Stipeldey. Dabei begeben sich die engagierten Helfer oft auch selbst in Gefahr. Nur etwa 180 von ihnen sind auf den größeren, rund um die Uhr besetzten Einheiten bei der DGzRS fest angestellt. Zwischen der Insel Borkum im Westen und der Pommerschen Bucht im Osten bilden 60 Rettungseinheiten auf 54 Stationen sinnbildlich den Leuchtturm der Sicherheit auf Nord- und Ostsee. Seit 1952 befindet sich die Zentrale der Seenotretter an der Werderstraße in der Bremer Neustadt. „Von hier aus werden alle Einsätze koordiniert“, erklärt Christian Stipeldey.

Ist bei einem Einsatz im ständigen Funkkontakt mit der Seenotleitung in Bremen: Vormann Gerd Schwips.
Perfekte Abstimmung: Vormann Gerd Schwips steht bei einem Einsatz im ständigen Funkkontakt mit der Seenotleitung in Bremen.

Zu den spektakulärsten Einsätzen der DGzRS gehörte die Rettung dreier Fischer in der Elbmündung vor Cuxhaven im Jahr 2014. „Wir finanzieren unsere Arbeit ausschließlich durch Spenden und freiwillige Beiträge.“ Christian Stipeldey, Pressesprecher„Ein Seenotrettungskreuzer erreichte die Männer, nachdem ihr Kutter gekentert war. Einer der Fischer hatte bereits mit dem Leben abgeschlossen“, erinnert sich der Pressesprecher. Alle drei Fischer wurden gerettet. Mit einer „Woche der Seenotretter“ hat die Gesellschaft im Jahr 2015 in Bremen und Bremerhaven ihren 150. Geburtstag begangen. Prominentester Besucher zu diesen Feierlichkeiten war Bundespräsident Joachim Gauck. Es wurden außerdem zwei neue Rettungsschiffe getauft. „Trotz allem bleibt es dabei: Wichtig ist, Notfälle zu vermeiden – denn der beste Einsatz findet gar nicht erst statt“, betont Christian Stipeldey.

Christian Stipeldey ist Pressesprecher bei der DGzRS.
Christian Stipeldey ist Pressesprecher der Seenotretter: „Der Einsatz der vielen Ehrenamtlichen beeindruckt mich immer wieder neu“, betont er.
Einsatzzentrale der DGzRS: Rund um die Uhr ist die Seenotleitung Bremen mit erfahrenen Nautikern und Funkern besetzt.
Einsatzzentrale: Die Seenotleitung Bremen ist rund um die Uhr mit erfahrenen Nautikern und Funkern besetzt.

Fotos: © DGzRS Die Seenotretter, © Thomas Steuer, © Helmut Hofer, © Sven Junge