17. März 2016

Glanzstück der 70er

Thorsten Kribbers Leidenschaft für Mercedes-Benz reifte als Kind in der S-Klasse seiner Eltern. Mehr als drei Jahrzehnte später erfüllt sich der Unternehmer seinen Jugendtraum – einen eleganten 300 SEL, Baujahr 1972.

Thorsten Kribber erlebt in seinem Traumauto magische Momente. Wenn sein W 109 mit dem 3,5 Liter großen V8-Motor lässig vor sich hin blubbernd über die Landstraße gleitet, vergisst der 43-Jährige die Welt um sich herum. „Ich fühle mich dann zurückversetzt in andere, ruhigere Zeiten“, sagt er. Das Fahrvergnügen wird begleitet von einer Aura des Respekts, den der Sternenkreuzer mit dem glänzenden Chrombug hervorruft. „Wenn ich an einer Ampel stehe oder bei einem Café vorfahre, erntet mein 300 SEL bewundernde Blicke. Das kitzelt schon etwas Besitzerstolz wach“, so Kribber.

W 109: Fahren wie im Chefsessel

Außerhalb von Darmstadt ist der Geschäftsführer von Kribber International, einem erfolgreichen Vertrieb für Haarkosmetikprodukte, mit seinem Schmuckstück am liebsten im nahen Odenwald unterwegs. „Luft- statt konventioneller Stahlfederung, Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Radio und Lenkradautomatik waren 1972 Luxus und sind heute noch bei Touren übers Land echte Wohlfühlfaktoren“, sagt Kribber. Rote Ledersitze so bequem wie die Couch eines englischen Herrenzimmers vollenden den Fahrkomfort in der Limousine, in der Kribber bis zu fünf Personen mitnehmen kann.

Der Mercedes W 109 von hinten.
In Nostalgie schwelgen: Der Mercedes-Benz 300 SEL 3.5 lässt vergangene Zeiten wieder aufleben.

Liebe auf den ersten Blick

Neben der üppigen Serienausstattung trug vor allem die Scheinwerferreinigungsanlage als besonderes Detail dazu bei, dass Kribber sich in den Wagen verliebte. Dieses Extra wurde beim W 109 erst im April 1972 – wenige Monate vor Produktionsende – eingeführt. Die elegant geschwungenen Wischer sorgen daher nur an einigen hundert Fahrzeugen der Baureihe für klare Sicht. Seltenheitswert besitzt auch die Historie des Wagens, der im Originalzustand in Kribbers Hände gelangte. „Mir war wichtig, einen unverbastelten W 109 zu bekommen“, so Kribber. Als er den Wagen 2013 kaufte, war dieser nach dem Tod des Erstbesitzers über 25 Jahre lang nicht bewegt worden. Der 300 SEL hatte in einer Tiefgarage in Nürnberg ein einsames Dasein gefristet. „Als ich das Schätzchen aus dem Dornröschenschlaf erweckte, war mir klar, dass ich ein Vielfaches des Kaufpreises in die Restaurierung würde stecken müssen“, berichtet Kribber.

Wagenbesitzer Thorsten Kribber ist stolz auf sein Schmuckstück. Auto und Fahrzeugführer stammen beide aus dem Jahr 1972.
Schöner Zufall: 1972 wurde nicht nur der 300 SEL, sondern auch Thorsten Kribber geboren – ein weiterer Grund für sein enges Verhältnis zu dem Klassiker.

Gefühlt wie neu

„An der Ampel erntet der 300 SEL bewundernde Blicke.“
Thorsten Kribber
Eine Herausforderung während der fast zweijährigen Restaurierung war die Ersatzteilbeschaffung. „Alles, was Daimler an Originalteilen für meinen Oldtimer zu bieten hatte, habe ich über die Mercedes-Benz Niederlassung Darmstadt bestellt – so auch den letzten für einen W 109 noch verfügbaren Kotflügel“, sagt Kribber. Große Bauteile wie Motor, Getriebe und Achsen ließ er von Firmen mit speziellem Oldtimer-Know-how instand setzen. Nach einem letzten Motorcheck war der W 109 im Sommer endlich fahrbereit. „Als ich in dem Wagen aus der Werkstatt rollte, wusste ich: Der Aufwand hat sich gelohnt“, so Kribber. „Sollte ich einer neuen Klassikerversuchung erliegen, darf es beim nächsten Mal aber ruhig ein besser erhaltener Oldtimer sein, mit dem ich schneller zur Zulassungsstelle fahren kann“, schmunzelt er.

Eine gute Quelle: Thorsten Kribber erhielt von Manfred Wesp Originalteile für den 300 SEL.
Wichtige Quelle: Manfred Wesp (links), der in der Mercedes-Benz Niederlassung Darmstadt Klassiker-Kunden betreut, versorgte Thorsten Kribber mit Originalteilen für den 300 SEL.

Fotos: © Jens Pussel