22. Februar 2017

Ins Netz gegangen

Mal eben für ein Taschengeld nach Barcelona oder am Traumstrand von Miami entspannen – klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Das Internet macht’s möglich. Im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin sprechen Daniel Krahn und Daniel Marx, Gründer des erfolgreichen Portals urlaubsguru.de, darüber wie man Reiseschnäppchen findet, warum günstig nicht gleich schlecht ist und worauf man beim Onlinebuchen achten sollte.

Alles begann auf einem Balkon an einem lauen Sommerabend in Unna. Dort saßen zwei alte Schulfreunde beim Grillen zusammen und schwelgten in Urlaubserinnerungen. Davon gab es viele, denn sowohl Daniel Marx als auch Daniel Krahn hatten ein Händchen dafür, herauszufinden, wie man viel Urlaub für wenig Geld macht. Nachdem sie immer wieder von Freunden und Bekannten nach ihrem Geheimnis gefragt wurden, begannen sie, alle Reiseschnäppchen, die sie aus dem Netz gefischt hatten, auf ihrer eigenen Website zu veröffentlichen. Als das Projekt erfolgreicher wurde, kündigten beide ihre sicheren Jobs. Heute gehört Urlaubsguru zu den größten unabhängigen Reise-Internetseiten Deutschlands. Marx und Krahn sind die CEOs der UNIQ GmbH, ihr Unternehmen beschäftigt mittlerweile rund 140 Mitarbeiter. Für ihre Leistungen wurden sie 2016 als Bürger des Ruhrgebiets geehrt.

Viel Reise für wenig Geld – das ist eure Geschäftsidee. Muss man sich da keine Sorgen machen, in einer „Kaschemme“ zu landen?

Krahn: Nein, unter den angebotenen Hotels gibt es viele mit fünf Sternen. Wir empfehlen keine Unterkünfte, die auf Bewertungsplattformen wie Holidaycheck oder Trip Advisor eine Weiterempfehlungsrate von weniger als 80 Prozent haben. Hier lohnt es sich übrigens, aufs Detail zu achten. So kann es sein, dass eine Unterkunft einfach nur schlechter abschneidet, weil das Restaurant nicht so toll ist. Habe ich jedoch vor, öfter außerhalb zu essen, kann mir das egal sein. Ich empfehle, die Bewertungstexte genau anzuschauen, daraus lässt sich viel herauslesen und man hat die Möglichkeit, die Kritikpunkte mit den eigenen Erwartungen abzugleichen.

Bei euch kann man zwischendurch auch unglaubliche Schnäppchen wie einen Flug nach Barcelona oder Mailand für einen Euro entdecken. Wie funktioniert das?

Marx: Es gibt manchmal Flüge, die noch nicht ausgebucht sind. Bevor man sie halb leer fliegen lässt, ist es für die Airline immer noch sinnvoller, ein Schnäppchen rauszuhauen. Wir von Urlaubsguru sehen uns da als Vermittler zwischen den Airlines oder Hotels und denen, die günstig verreisen wollen. Wir spüren Leerstände auf und präsentieren sie auf urlaubsguru.de zu einem guten Preis. Eine klassische Win-win-Situation also.

„Manchmal müssen wir uns selbst kneifen, um zu realisieren, was wir da auf die Beine gestellt haben.“Daniel Krahn, Co-Gründer und Geschäftsführer

Die Urlaubsguru-Gründer Daniel Marx und Daniel Krahn im Interview, zwei Reise-Profis mit Erfolg
Daniel Krahn (l.) und Daniel Marx haben die Plattform Urlaubsguru gegründet.
Es gibt eine Masse an Angeboten im Internet. Woran erkennt man wirkliche Reiseschnäppchen?

Marx: Man sollte unbedingt nach der Inklusivleistung des Angebotes schauen, um versteckte Kosten zu vermeiden, zum Beispiel, ob bei den Flügen die Kosten für das Gepäck mit inbegriffen sind. Bei Kreuzfahrten kommt es vor, dass die Trinkgelder an Bord nicht im Angebot enthalten sind, so können aus 4.000 schnell mal 5.000 Euro werden. Es lohnt sich also immer, das Kleingedruckte zu lesen und sich nicht zu voreilig von einem vermeintlichen Schnäppchen verführen zu lassen, wenn man auf eigene Faust im Netz unterwegs ist.

Wer kann besonders vom Onlinebuchen profitieren?

Krahn: Je flexibler und schneller man ist, desto günstiger kann man reisen. Deswegen ist das Angebot insbesondere für junge Leute, die als Backpacker unterwegs sind, attraktiv. Mit ein paar Tricks kann aber jeder vom Angebot profitieren. So sollte man sich bei der Reiseplanung immer ein paar Dinge überlegen: Muss es zum Beispiel unbedingt der nächstgelegene Abflughafen sein? Besser ist es zu schauen, in welchem Bundesland die Sommerferien noch nicht begonnen haben, und von dort zu fliegen. Auch ein Blick rüber in die Niederlande kann helfen, wesentlich günstigere Flüge zu finden. Preiswerter wird es auch, wenn man Flüge mit Stopover nicht von vornherein ausschließt. Wer ganz clever ist, nutzt die Zeit beim Zwischenstopp für einen kleinen Sightseeingtrip. In diesem Fall sollte man sich allerdings vorab über die Visaregeln des jeweiligen Landes informieren.

Habt ihr sonst noch einen Geheimtipp für alle, die spontan und flexibel sind?

Krahn: Manche Airlines bieten zu einem sehr attraktiven Preis das sogenannte Blind Booking an, also das Buchen eines Fluges, bei dem man nicht genau weiß, wohin es geht. Gegen einen gewissen Aufpreis hat man die Möglichkeit, einige Ziele auszuschließen. Einige Destinationen lassen sich aber auch schon anhand des Abflugplans des gewählten Flughafens ausschließen. Man muss sich nur darüber informieren. Grundsätzlich sollte man sich immer im Klaren sein, dass bei den Reiseschnäppchen meist nur ein sehr begrenztes Kontingent vorhanden ist. Schnell zu sein, spart viel Geld.

Apropos bezahlen: Wie steht es um Geldtransfers im Internet, worauf sollte man da achten?

Marx: Wichtig ist natürlich, dass die Daten über eine SSL-Verbindung übertragen werden. Diese erkennt man daran, dass in der URL-Zeile des Browsers am Anfang der Webadresse „https“ statt „http“ steht. Grundsätzlich sollte man Geldbeträge nur an Unternehmen zahlen, die bekannt und seriös sind. Auch seitens der Banken gibt es Sicherheitsmaßnahmen, so kann man zum Beispiel Lastschriften innerhalb von sechs Wochen wieder zurückbuchen.

Was tun, wenn man sich trotzdem nicht so recht traut?

Krahn: In unserer Zentrale betreuen und beraten wir. Und wir bieten an, den Buchungsvorgang gemeinsam durchzugehen. Dieses „An-die-Hand-Nehmen“ beruhigt viele Kunden und ist für sie kostenlos. Weil das Angebot sehr gut ankommt, werden wir Anfang März in Unna das erste Ladenlokal eröffnen. Dort wird es, wie in unserer Zentrale, Virtual-Reality-Brillen geben. So können unsere Kunden ihr Urlaubsziel schon vor der Buchung hautnah erleben.

Die besten Reiseschnäppchen werden vom Urlaubsguru auch auf Facebook geteilt
Urlaubsguru
  • Konzept: Auf www.urlaubsguru.de werden Reiseschnäppchen veröffentlicht, die das Team im Netz entdeckt hat. Gebucht wird dann beim jeweiligen Anbieter, auf dessen Seite man über einen Link weitergeleitet wird. Durch das sogenannte Affiliate-Marketing erhalten die Betreiber von urlaubsguru.de eine Provision von ihren Partnern. Um unabhängig zu bleiben, werden jedoch auch Schnäppchen empfohlen, für die keine Provision gezahlt wird.
  • Vielfalt: Die UNIQ GmbH ist mittlerweile international erfolgreich, mit der österreichischen Version von Urlaubsguru und in dreizehn weiteren Ländern als Holidayguru. Hinzu kommen Portale wie Schnäppchenfee, Mein Haustier oder Prinz sportlich.
  • Erfolg: 25 Millionen Seitenbesucher 2016, mehr als 5,7 Millionen Facebook-Fans – das Start-up unterhält mit Urlaubsguru mittlerweile eine der größten Reise-Webseiten Deutschlands. Und das, obwohl Marx und Krahn ihr Unternehmen ganz ohne Fremdkapital gründeten.