26. Juli 2018
Events | Bremen

Bremen Oldtimer Classics
Klassiker begeistern

Diese Modelle wecken echte Emotionen. Das beweisen die Bremen Oldtimer Classics seit 20 Jahren. Was macht die Klassiker-Rallye so reizvoll? Und wie findet der Fan das richtige Fahrzeug, um vielleicht im nächsten Jahr selbst mitzufahren? Das Mercedes-Benz Niederlassungsmagazin hat sich vor Ort umgehört.

An einem Samstag im Jahr gehört der historische Marktplatz in Bremen ganz den Autos. Lack und Chrom blitzen, es riecht nach altem Leder und Öl. 180 Fahrzeuge unterstreichen den Stellenwert der Bremen Oldtimer Classics in der Szene. Aus dem ganzen Norden und darüber hinaus reisen die Teams an. Dicht an dicht stehen Marken aus aller Welt und Modelle aus über fünf Jahrzehnten. Der Stern vom Erfinder des Automobils ist überproportional vertreten. Mittendrin Uli Müller und Beifahrer Marc Pralle. Sie haben bei dem Traumwetter das Verdeck ihres Mercedes-Benz 170 S Cabriolet A aufgeklappt. Die Veranstaltung in Bremen ist für Fahrer und Co-Pilot ein Pflichttermin. „Definitiv eine der schönsten Oldtimer-Rallyes! Hier herrscht immer eine entspannte Atmosphäre. Du siehst interessante Autos, triffst Gleichgesinnte, kannst fachsimpeln.“ Müllers 170er entspricht mit seinen geschwungenen Kotflügeln, den frei stehenden Scheinwerfern, verchromten Stoßstangen, hohem Kühlergrill und detailreichem Interieur dem Idealbild eines Klassikers. Bei diesem Anblick ist das Publikum echt begeisterungsfähig. „Ich freue mich, wenn interessierte Zuschauer den Wagen anschauen und mit Fragen zu mir kommen.“

Impressionen der Bremen Oldtimer Classics 2018

Bremen Oldtimer Classics 2018 Start Marktplatz
Auf dem Marktplatz lockt der Start der Bremen Oldtimer Classics viele Zuschauer an. Hier rollen Uli Müller und Marc Pralle auf die Startrampe.

„170er fahren ist eine eigene Welt“

Mercedes Fan Uli Müller genießt in der Alltagsmobilität zwar Sportlichkeit, Komfort und Sicherheit der heutigen Modelle mit ihren innovativen elektronischen Systemen. Doch seine Leidenschaft gehört den Klassikern. „170er fahren ist eine eigene Welt. Es ist Auto pur, reine Mechanik. Die Technik zeigt, welche großartigen Automobile damals schon entwickelt wurden.“ Im Laufe der Zeit hat der frühere Unternehmer eine kleine Sammlung aufgebaut. Mit einem Stern legte er vor zehn Jahren den Grundstein. „Mein Vater ist schon Mercedes-Benz gefahren. Daran erinnert mich mein 170 S. Und die Form hat mir damals so gut gefallen.“ Mit seinen 68 PS ist das Cabriolet eher der Typ zum entspannten Cruisen. Die Technik Baujahr 1950 basiert auf einer Vorkriegskonstruktion, ist aber sehr zuverlässig. Auch eine Strecke wie die 250 Kilometer der Bremen Oldtimer Classics absolviert der Wagen ohne Probleme. „Natürlich merkt man, dass solche alten Automobile nicht so komfortabel wie die heutigen sind“, sagt Müller. Seine Autokollektion vereint ganz unterschiedliche Typen. Da gibt es neben dem eleganten Mercedes auch sportlich-harte Engländer oder kompakte Wirtschaftswunderautos. Mit Devotionalien aus den 1930er- bis 1950er-Jahren wie einer alten Zapfsäule richtet sich der 62-Jährige jetzt eine private Lounge für seine Oldtimer ein.

Bremen Oldtimer Classics 2018 Mercedes-Bent 170 S Cabriolet A Interieur
Das Interieur des Mercedes-Benz 170 S spiegelt mit viel Chrom, Leder und Holzapplikationen den Oberklassenstatus wider, den das Fahrzeug 1950 genoss.

Ziel in der Mercedes-Benz Niederlassung Bremen

Beim Event in Bremen lässt sich Genussfahrer Uli Müller von Co-Pilot Marc Pralle anhand des Roadbooks über die Strecke leiten. „Es ist eine gute Gelegenheit, im Konvoi durch unsere schöne Landschaft rund um Bremen zu fahren.“ Sportlichen Ehrgeiz überlässt das Team anderen. Doch auch dieses Element befriedigt die Veranstaltung. Für die Oldtimer-Sportler kommt es darauf an, Streckenabschnitte als Prüfung in einer vorgegebenen Zeit zu absolvieren. Trainierte Könner erkennt man an einer Genauigkeit im Zehntelsekundenbereich. Das Organisatorenteam wählt auch zur 21. Auflage der Bremen Oldtimer Classics eine attraktive Streckenführung. Die Fahrzeuge starten auf dem Marktplatz. Aus der Bremer Innenstadt rollt der Tross über kleine Straßen und grüne Alleen, durch schöne Dörfer und Städte. Das Ziel wartet dann in der Mercedes-Benz Niederlassung Bremen an der Henri-Dunant-Straße. Hier präsentieren sich die Oldtimer noch einmal in voller Schönheit. Mercedes-Benz ist dem Thema Classic besonders verbunden. So lädt die Bremer Niederlassung als Sponsor die Teilnehmer der Ausfahrt schon traditionell zum geselligen Abschluss und zur Siegerehrung ein.

Bremen Oldtimer Classics 2018 Ziel Mercedes-Benz Niederlassung
Nach der Ausfahrt durch die schöne Landschaft empfing die Mercedes-Benz Niederlassung Bremen die Teilnehmer der Bremen Oldtimer Classics.

Klassiker-Kauf braucht Expertise

André Weißmann ist als Chef der Oldtimer Galerie Bremen einer der profiliertesten Experten für klassische Automobile in Bremen und Initiator der Bremen Oldtimer Classics. Weißmann und Olaf Mönch zählen – unterstützt von Tanja Sörensen – zu den treibenden Kräften im Orgateam.

André Weißmann, 45 Oldtimer bildeten vor 20 Jahren in Vegesack das Teilnehmerfeld der ersten Bremen Oldtimer Classics. Heute sind es 180 Fahrzeuge. Woran liegt der Aufschwung?

Unsere Veranstaltung ist mit der allgemeinen Begeisterung für Oldtimer gewachsen. Immer mehr Fans sehnen sich nach dem ursprünglichen Autofahren ohne die ganze moderne Elektronik. Und das Design der Klassiker strahlt eine hohe Emotionalität aus. Das merkt man auch an den begeisterten Reaktionen der Zuschauer. Mit dem Projekt Schuppen Eins hat sich hier in Bremen ein echter Hotspot für Oldtimer entwickelt.

Was zeichnet Ihre Bremen Oldtimer Classics aus?

Unter den Teilnehmern hat sich schnell herumgesprochen, dass sie bei uns eine gut und mit viel Liebe organisierte Veranstaltung finden. Bei uns zählt die familiäre Atmosphäre unter Gleichgesinnten. Wir haben Teilnehmer, die seit der ersten Veranstaltung dabei sind. Man kennt sich, hat nette Kontakte und eine entspannte Zeit, kann fachsimpeln – und mit unserer Streckenführung entdeckt man immer neue, schöne Landstriche hier im Norden.

Man hört ständig von hohen Wertsteigerungen der Klassiker. Sind solche Fahrzeuge nicht zu schade, um damit zu fahren?

Im Gegenteil. Einen Klassiker muss man fahren, damit er keine Standschäden bekommt. Für die meisten Besitzer zählt der Mix aus Leidenschaft und einem sinnvollen Invest. Der Markt entwickelt sich positiv, aber letztlich ist die Wertsteigerung sehr stark vom Fahrzeug selbst abhängig.

Was raten Sie einem Fan, der ins Oldtimer-Hobby einsteigen möchte?

Zunächst einmal müssen Aspiranten für sich definieren, welche Marke und welches Modell für sie infrage kommt.

Wie findet man das heraus?

Treffen, Clubs oder Händler besuchen, Zeitschriften lesen, im Internet recherchieren! Dabei merkt man schnell, welche Fahrzeuge das Autoherz in einem begeistern. Oft sind es die Traumautos der Jugend, zu denen man als Klassiker-Liebhaber zurückkommt. Autos aus der Vorkriegsära sind eher etwas für Spezialisten.

„Oft sind es die Traumautos der Jugend, zu denen man als Klassiker-Liebhaber zurückkommt.“André Weißmann

Bremen Oldtimer Classics André Weißmann
30 Jahre Erfahrung mit Oldtimern bringt André Weißmann mit. In der Oldtimer Galerie Bremen kümmert er sich mit seinen Kollegen um alle Marken und Jahrgänge.
Und der Kauf selbst?

Natürlich muss des Preisniveau in den persönlichen Finanzrahmen passen. Dabei gilt: Immer den bestmöglichen Zustand für das zur Verfügung stehende Budget suchen. Wenn sich die engere Wahl auf zwei oder drei Fahrzeuge konzentriert, sollte man unbedingt einen Experten hinzuziehen, der die potenziellen Kaufobjekte begutachtet. Auch der Kauf aus einer verlässlichen Quelle ist ratsam. Reparieren und Restaurieren sind möglich, dazu gibt es viele erfolgreiche Projekte in meiner Oldtimer Galerie. Aber nachträgliches Schrauben wird – falls man es nicht selbst machen kann – meist teurer, als gleich ein gutes Fahrzeug zu erwerben.

Apropos Budget: Wie viel muss man für einen Oldtimer ausgeben?

Das lässt sich pauschal nicht sagen. Es ist vom Fahrzeug abhängig. Die Skala ist nach oben fast offen.

Und wo geht es los?

Am unteren Ende gibt es schon für ein paar Tausend Euro Großserienmodelle aus den 1980er- und 1990er-Jahren, die durchaus beliebt sind und als Youngtimer oder Fahrzeuge mit H-Kennzeichen das automobile Flair dieser Zeit widerspiegeln. Das kann ein toller Einstieg für kleines Geld sein und auch Spaß machen. Als Oldtimer im eigentlichen Sinn sehe ich diese Fahrzeuge allerdings nicht. Wirkliche Klassiker verbinde ich immer mit einem gewissen Grad an Exklusivität, mit einer besonderen Historie oder dem Status als Kulturgut einer bestimmten Ära der Mobilität.

Wie sieht es mit der Wartung aus?

Um die Zuverlässigkeit und den Wert zu sichern, muss man seinem Oldtimer liebevolle Pflege gönnen. Da braucht es schon Spezialisten. Bei der Ersatzteilfrage leben besonders Besitzer eines Mercedes-Benz ziemlich entspannt. Die Teileversorgung über die Niederlassung Bremen ist perfekt, die Qualität sehr gut und das Preis-Leistungs-Verhältnis in Ordnung. Die Zusammenarbeit mit der Niederlassung als Sponsor der Bremen Oldtimer Classics hat sich bestens bewährt.

Gibt es für Sie unter den Klassikern echte Traumautos?

Natürlich! Wie so viele Oldtimer-Fans finde ich Sportwagen besonders klasse. Sie verbinden rassiges Design, starke Motoren und tollen Sound. Bildschön ist der Mercedes-Benz 300 SL als Flügeltürer und Roadster – eine echte Ikone und der Sportwagen des 20. Jahrhunderts.