06. August 2018
Events | Aachen

CHIO 2018
Backstage in der Soers

Fotografieren, Filme schneiden, Inhalte konzipieren, Texte schreiben: Als Bloggerin muss Juliane Barth mehr Disziplinen beherrschen als in ihrem bevorzugten Reitsport, der Vielseitigkeit. Wie talentiert sie die modernen Medien miteinander verknüpft, stellte sie zuletzt beim CHIO Aachen 2018 unter Beweis – und wurde dafür mit dem „Silbernen Pferd“ ausgezeichnet.

Juliane Barth beugt sich konzentriert über ihr Notebook. Sie will noch schnell das Video vom heutigen Tag schneiden und dann endlich auf die Tribüne des CHIO-Stadions eilen. In wenigen Minuten startet der Mercedes-Benz Nationenpreis – und die professionelle Bloggerin und Medienproduzentin wird wieder zum Pferdesportfan. „Dieses Springen möchte ich mir einfach nur anschauen und genießen“, sagt Juliane.

Ein paar Tage zuvor wurde sie beim CHIO Aachen noch selbst im Zweispanner durch das große Rund in der Soers kutschiert. Eine Jury um Moderatorin Annica Hansen überreichte ihr während der Eröffnungsfeier die Auszeichnung „Das Silberne Pferd“. Erstmals wurde der frühere Journalisten-Preis des Aachen-Laurensberger Rennvereins e. V. für besonders gelungene Blogs und andere Social-Media-Aktivitäten im Reitsport verliehen. Qualität der Beiträge, Kreativität, User-Involvement, Zielgruppenaffinität und Relevanz der eingereichten Beiträge lauteten die Auswahlkriterien. „Ich war ganz überrascht, weil die anderen Nominierten, wie zum Beispiel Harriet Jensen, so gut sind. Aber dann habe ich doch tatsächlich das Rennen gemacht“, freut sich Juliane.

Was erledigt ist, wird durchgestrichen.
Nur nicht den Überblick verlieren: Ein Notizzettel erinnert Juliane Barth an ihre nächsten Aufgaben.

Vielseitig in jeder Hinsicht

In ihrem Blog „Julis Eventer“ beschäftigt sie sich in erster Linie mit Vielseitigkeitsreiten – dem Dreikampf aus Springen, Dressur und Gelände. Der Name leitet sich von der englischen Bezeichnung „Eventing“ ab. „Wir sagen aber auch Buschreiten“, schmunzelt Juliane, die mit ihrem Medium erfolgreich eine Nische im Pferdesport besetzt. „Es gibt viele andere Pferdeblogger, aber kaum jemand beschäftigt sich mit der Vielseitigkeit“, sagt sie. „Das ist mein Vorteil. Außerdem bin ich als Reiterin seit 20 Jahren in der Buschfamilie unterwegs. Ich muss mich da nicht mehr profilieren.“ „Ich brenne für die Vielseitigkeit. Dort kommt man noch sehr nah ran an die besten Reiter. Das macht es für mich sehr spannend.“Juliane Barth

Vielseitig ist die Freiberuflerin auch in ihrer Profession. Muss sie auch. Denn Blogger sind häufig Ein-Mann- beziehungsweise Ein-Frau-Medienunternehmer. Vom langen Text für den Blog oder einem kurzen Post für die sozialen Medien über Moderation, Fotografie und Schnitt bis zu Content- oder Customer-Relationship-Management müssen sie die komplette Klaviatur moderner Kommunikation in respektabler Qualität beherrschen. Vom korrekten Umgang mit der jeweiligen Technik oder der Akquise von Kooperationspartnern ganz zu schweigen. Wo andere oft intuitiv oder autodidaktisch handeln, kann Juliane eine – nach konservativen Maßstäben – solide Ausbildung vorweisen. „Ich bin von Beruf Filmemacherin“, sagt die 28-Jährige, die Digital Film Design & Animation in Hamburg studierte und schon Werbefilme produziert hat. Am liebsten führt sie Regie. Vor der Kamera tut sie sich hingegen manchmal noch schwer. „Das sieht schon ziemlich merkwürdig aus, das eigene Gesicht direkt in die Kamera zu halten. Aber man gewöhnt sich dran.“

Nur nicht nerven

Gewöhnen muss sie sich spätestens seit dem Medienpreis „Das Silberne Pferd“ wohl auch an die neue Popularität. „Plötzlich stehen Mädchen neben mir, tippen mir auf die Schulter und sagen: Ich kenne dich! Da weiß ich gar nicht recht, was ich sagen soll. Und die Mädchen manchmal auch nicht. Es gab schon Situationen, in denen man stumm nebeneinandersteht“, sagt Juliane. Anders als viele andere Blogger setzt sie mehr auf Qualität als auf Quantität – aus mehreren Gründen. Zum einen startet sie bei vielen Turnieren noch selbst mit einem ihrer drei Pferde. Da bleibt schlichtweg zu wenig Zeit für die Medienarbeit. Zum anderen möchte sie in der Szene nicht als nervige Pressevertreterin wahrgenommen werden. „Ich sehe mich nach wie vor als Reiterin, die ab und zu ein paar interessante Fragen stellt. Aber das ist natürlich eine Gratwanderung.“ Diese gelingt Juliane in Gesprächen mit jüngeren Sportlern, die selbst viel in den sozialen Netzen aktiv sind, leichter als bei älteren, die ihr manchmal noch etwas skeptisch begegnen.

Bei der Eröffnungsfeier des CHIO 2018 erhält Juliane Barth das Silberne Pferd.
Juliane Barth (2. v. l.) erhält das „Das Silberne Pferd“ 2018 von Annica Hansen (l.), Nadine Capellmann und Wolfgang Brinkmann.

Ähnlich verhält es sich mit dem Kontakt zu Journalisten. Auch da begegnen ihr gelegentlich Ressentiments. „Wir Blogger werden von der Presse oft belächelt – und gleichzeitig als Konkurrenz betrachtet. Dabei machen wir etwas komplett anderes“, sagt Juliane. „Bei uns geht es um Herzensangelegenheiten, über die wir ganz subjektiv berichten. Positiv oder auch mal negativ.“ Blogger bieten dem Leser beziehungsweise User Emotionalität, Nähe und Unmittelbarkeit. Journalisten punkten hingegen mit Objektivität, Einordnung und Tiefe in der Berichterstattung. „Meine Community ist ja auch eine ganz andere“, so Juliane. „Ich möchte meinen Sport, die Vielseitigkeit, erklären und die Menschen mitnehmen.“

Auf der Pressetribüne des CHIO Aachen sitzen Blogger und Journalisten während des Mercedes-Benz Nationenpreises nebeneinander. Wie der Award „Das Silberne Pferd“ ist dies ein Zugeständnis an die Wandlung der Medienlandschaft, die schon CHIO-Sprecher Niels Knippertz im Interview erläuterte. Als die deutsche Equipe bei dem stimmungsvollen Springen unter Flutlicht dann zum dritten Mal in Folge den Titel holt, ist Juliane Barth sehr froh, gerade nicht journalistisch objektiv sein zu müssen, sondern ganz echt und emotional sein zu dürfen.

Der Ochser von Mercedes-Benz ist das letzte Hinderniss beim Nationenpreis.
Sprung ins Glück: Laura Klaphake bot bei ihrem ersten Auftritt für das Team Deutschland eine erstklassige Leistung.
Mercedes-Benz beim CHIO 2018
  • Traditionelle Partnerschaft:

    Bereits seit 1954 ist Mercedes-Benz Partner des CHIO und wird diese Verbindung auch in den kommenden Jahren fortführen. Die Kooperation mit dem Aachen-Laurensberger Rennverein e. V. wurde bis 2021 verlängert.

  • Sterne zum Anfassen:

    Die Mercedes-Benz Niederlassung Aachen war auch in diesem Jahr wieder mit einem exklusiven Stand auf dem CHIO-Gelände vertreten. Zahlreiche Fahrzeuge von der neuen A-Klasse bis zum neuen G-Modell konnten in Augenschein genommen werden.

  • Viel zu entdecken:

    Besucher bei Mercedes-Benz konnten auch selbst aktiv werden. Sei es beim Einparken mit Anhänger oder beim „Electric Dance“, bei dem in einem speziell konzipierten Raum ein spielerisch technischer Zugang zur Elektromobilität vermittelt wurde.

  • Tour geht weiter:

    Teile des Stands gehörten zu einer Mercedes-Benz Roadshow, die noch bis Ende September 2018 durch Deutschland tourt. Sie lädt nicht nur ein zu Probefahrten mit dem Wunschauto. Bei einem Fotowettbewerb unter dem Motto #HeyMercedes kann man sogar eine A-Klasse gewinnen!

CHIO Aachen