27. Oktober 2016
Events | Augsburg

Zukunftsmusik:
Das lab30-Festival

Hier werden Lichtimpulse in Ton umgewandelt, elektronische Daten in Schals gestrickt, über Herzschläge Kontakte aufgenommen. Die Intention: Grenzgebiete erforschen und Visionen zum Leben erwecken. Willkommen im lab30, dem Kunstlabor im Kulturhaus abraxas, das zum 15. Medienkunstfestival in Augsburg einlädt!

lab30: Elektronische Kunst zum Anfassen

Vom 27. bis zum 30. Oktober werden beim lab30-Festival wieder mal konventionelle Denkmuster auf den Kopf gestellt. Die Medien- und Installationskünstler des lab30 verbinden Wissenschaft und Technik mit Musik, mit Literatur, mit Design. Die Grenzen zwischen Disziplinen werden bewusst hinterfragt und aufgeweicht. Menschen inszenieren ihre Visionen in interaktiven Projekten. Anfassen und Ausprobieren ausdrücklich erlaubt!

lab30 augsburg Tomoko Sauvage
Stille Wasser sind tief: Mit ihren „Waterbowls“, ausgestattet mit Unterwassermikros, produziert diese japanische Künstlerin ganz eigene Ton- und Klangwelten.

Medienkunst für die ganze Familie

Das im süddeutschen Raum einzigartige Medienkunstfestival findet jährlich im Augsburger Kulturhaus abraxas statt. Drei Tage lang erwartet die Besucher ein elektrisierendes Programm, von Ausstellungen intelligenter Installationen und Visuals über Soundexperimente und Konzerte bis hin zu Workshops, in denen Neugierige selbst Hand anlegen dürfen. Das Augsburger lab30-Festival ist „eben viel mehr als nur ein Anlaufpunkt für Nerds, Frickler und Computerfreaks“, so Barbara Friedrichs. Im Interview erklärt die Popkulturbeauftragte, worauf sich die Besucher dieses Jahr freuen dürfen und verrät ihre persönlichen Medienkunst-Highlights des lab30.

Was ist das Einzigartige am lab30-Festival?

Vor allem die intime Atmosphäre, die auf dem Festival herrscht: Hier begegnen sich Künstler und Publikum auf Augenhöhe. Nach ihren Performances beantworten die Aussteller Fragen, erklären, was sie genau machen und was sie bewegt.

Wer sind die Künstler?

Eine bunte Mischung aus Studierten, die gerade von den Hochschulen kommen, und aus international renommierten Künstlern, die seit über 20 Jahren im Geschäft sind, also auch von ihrer Kunst leben. Wir machen jedes Jahr eine internationale Ausschreibung, die wir über Medienkunsthochschulen wie auch Künstler verbreiten.

Worauf darf man dieses Jahr besonders gespannt sein? Gibt es etwas ganz Neues?

Wir expandieren! Wir werden dieses Jahr zwei Projekte in der Kirche St. Thaddäus umsetzen. Und wir sind in dem benachbarten Märchenzelt zu Gast mit einer akustischen Feuerperformance. Außerdem haben wir einen Artist in Residence: Reinhard Gupfinger, einen renommierten Medienkünstler aus Linz, der mit Skulpturen, Reliefs und Tonaufnahmen eine hochaktuelle Frage thematisiert: Wie können unterschiedliche Religionen in einem Raum zusammen funktionieren?

Was ist das Außergewöhnliche an den Projekten?

Die Projekte und Kunstwerke beim lab30-Festival haben immer einen ganz konkreten Anlass. Hier gibt es keine Kunst, die einfach irgendwie in den Raum gesponnen wird. Wir haben z. B. eine Künstlerin dabei, Verena Friedrich, die sich mit „The long now“ mit der Vergänglichkeit des Augenblicks auseinandersetzt. Ihr experimenteller Aufbau dazu: Wie kann man eine Seifenblase mittels kontrollierter Atmosphäre möglichst lange „am Leben“ halten, ihr einen künstlichen Lebensraum erschaffen?

lab30 augsburg Barbara Friedrichs
Barbara Friedrichs, Popkulturbeauftragte im Kulturamt der Stadt Augsburg, betreut hauptverantwortlich das Medienkunstfestival lab30.
Was war für Sie das Skurrilste der letzten lab30-Festivals?

Es gab mal eine Installation, an der man seine Kreditkartendaten einlesen lassen konnte und diese mithilfe einer Strickmaschine in einem Schal verstrickt wurden. An diesem Datenschal erfreu ich mich jeden Winter aufs Neue (lacht). Außerdem denke ich wahnsinnig gern an ein Roboterhasen-Konzert zurück: Hier haben die Künstler 200 der aus der Nerdszene bekannten Nabaztag-Hasen eine Choreografie aufführen lassen. Es werden jedes Jahr neue, erfrischende und überraschende Arbeiten ausgestellt.

Gab es eine ursprüngliche Idee hinter dem lab30?

Es gab beim lab30 im Gegensatz zu anderen Augsburger Festivals keinen historischen Auftrag, sondern einen inneren Wunsch aus der Szene heraus: „Wir brauchen eine Plattform für unsere Medienkunst.“ Da war natürlich die Hochschule für Gestaltung schnell mit an Bord. Zu Beginn war das lab30 ein Nischenfestival. Der Titel – ein Arbeitstitel („lab“: kurz für Labor, „30“: die Hausnummer vom Kulturhaus abraxas). Immer mehr Interessierte sind auf den Zug aufgesprungen, so dass wir uns mittlerweile über ein breites Publikum freuen. Das ist eine Kunstsparte, mit der auch Kinder und Familien ganz viel anfangen können – allein, weil es interaktive Kunst zum Ausprobieren und „Knöpfchendrücken“ ist! Aber auch Kunstinteressierte mit sehr intellektuellem Anspruch an Kunst kommen bei uns voll auf ihre Kosten.

Was bedeutet das lab30 für die Stadt Augsburg?

Es hat sicherlich immer noch ein bisschen was von einem Nischenfestival. Aber es setzt auf der internationalen Kunst-Landkarte, zusammen mit der Hochschule für Gestaltung, jährlich ein Augenmerk auf Augsburg.

Futuristisch, erfrischend, anders.

Das lab30-Festival braucht sich hinter den „Großen“, wie der Berliner transmediale, der Linzer Ars Electronica-Festival oder dem Sónar-Festival in Barcelona, nicht zu verstecken: Denn gerade das Laborhafte, der persönliche Austausch mit den Künstlern und die Selbstversuche machen das Augsburger Festival zum einzigartigen Elektronik- und Medienkunst-Event.

lab30 augsburg abraxas kulturhaus

Das lab30 im abraxas

Kulturhaus abraxas
Sommestraße 30
86156 Augsburg

lab30