26. April 2017

Fahrspaß
am Limit

Den persönlichen Grenzbereich ausloten. Für den Fahranfänger ist das ein erstes Schleudern und Driften, während der Rennfan auf dem Hockenheimring auf der Ideallinie seine persönliche Bestzeit jagt. Das ist die Bandbreite der Mercedes-Benz Driving Events im Sommer.

Wer sich auf Wolfgang Müller als Taxifahrer einlässt, braucht gute Nerven und viel Vertrauen. Schließlich steuert der Chefinstruktor der Mercedes-Benz Driving Events für dieses Interview ein Renntaxi. Der richtige Beifahrersitz also, um mit dem 44-Jährigen über Fahrsicherheit und den Spaß am schnellen Autofahren und die Race Track Trainings zu sprechen.

Herr Müller, das geht ja extrem zügig vorwärts. Wie lange brauche ich als Normal-Autofahrer, bis ich so schnell und sicher durch die Kurven komme?

Bei mir hat es bis jetzt über 20 Jahre gedauert (lacht), so lange bin ich als Rennfahrer im Motorsport aktiv. Aber keine Angst. In unseren Trainings erreichen Sie ein hohes Level der Fahrzeugbeherrschung in deutlich kürzerer Zeit. Schon nach dem ersten Fahrsicherheitsevent zeigt sich ein nachhaltiger Lerneffekt. Das Gehirn speichert die Verhaltensmuster schnell ab. Das Gelernte wie richtiges Gegenlenken, eine Vollbremsung oder ein Ausweichmanöver wird im Notfall intuitiv abgerufen.

Aber bis zum Renntempo braucht man schon mehr Übung ...

Natürlich. Deshalb bauen unsere Trainings im Winter und im Sommer aufeinander auf. Stück für Stück gewinnen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehr Sicherheit. Mit jedem Level erleben sie mehr Fahrspaß eines Mercedes-Benz im Grenzbereich. Nach unseren Race Track Trainings fahren sie tatsächlich Rundenzeiten nah an denen einiger kleiner Markenpokale. Danach kommt dann nur noch das AMG Training mit den GT-Rennwagen oder tatsächlich der Erwerb einer Lizenz und der Start im Motorsport.

„Mit jedem Level erleben Sie mehr Fahrspaß eines Mercedes-Benz im Grenzbereich.“Chefinstruktor Wolfgang Müller

Chefinstruktor Wolfgang Müller am Steuer seines Renntaxis. Er trägt einen Sturzhelm und einen Rennoverall.
Wolfgang Müller (44) am Steuer des Renntaxis. Der Chefinstruktor der Mercedes-Benz Driving Events verfügt als Rallyefahrer über eine mehr als 20-jährige Erfahrung im Motorsport.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein erstes Fahrsicherheitstraining?

Wir raten Fahranfängern, so schnell wie möglich ein erstes Compact oder Basic Training zu absolvieren. Sie bekommen dabei ein Gefühl für extreme Situationen, was eine Fahrschule in der Ausbildung gar nicht leisten kann.

Nennen Sie ein Beispiel ...

Besonders wichtig ist, eine Sensibilität für die Geschwindigkeit aufzubauen. Mit Tempo 80 schafft man es noch, bei der Ausweichübung um die Hütchen herumzufahren. Bei 83 km/h funktioniert es nicht mehr. Schon kleine Geschwindigkeitsunterschiede helfen Unfälle zu vermeiden.

Sicher eine wichtige Erfahrung, die auf der Straße hilft ...

Ja, aber noch krasser sind die Schleuderübungen. Wir bringen das Fahrzeug bewusst ins Kreiseln. Eine Stresssituation mit extrem hohem Adrenalinausstoß. Manche Teilnehmer sind beim ersten Mal völlig panisch. Sie schreien oder schlagen – statt zu lenken – die Hände vors Gesicht. Auf der Straße würde das zum Unfall führen. Bei uns durchleben sie die Situation so oft, dass sie Erfahrung aufbauen und ihr Gehirn Kapazität für eine bewusste Reaktion behält. Sie bleiben entspannter und lernen, das Auto abzufangen. Das gelingt erstaunlich gut. Es ist dasselbe Prinzip, das Rennfahrer so schnell macht. Im Motorsport trainieren und erleben sie die Situationen im Grenzbereich so oft, dass sie ohne Panik abgeklärt reagieren.

Bis zu welchem Alter ist es noch sinnvoll, sich auf Extremsituationen im Straßenverkehr vorzubereiten?

So wie es nie zu früh ist, kann es auch nie zu spät sein. Vor allem sollte man regelmäßig Fahrsicherheitstrainings wiederholen. Sicherlich verfügen ältere Autofahrer über reichlich Erfahrung – allerdings viel zu selten für wirkliche Gefahren- und Stressmomente. Wir sehen das zum Beispiel bei Vollbremsungen. Die wenigsten trauen sich, mit voller Kraft bis zum Blockieren mit ABS-Rubbeln aufs Pedal zu treten. Auch Ausweichen will gelernt sein ...

... na ja, man wird es nach vielen Jahren Fahrpraxis doch wohl schaffen, richtig zu reagieren.

Seien Sie sich da nicht zu sicher. Unser Gehirn spielt ohne Training in solchen Situationen nicht mit. Der Schlüssel ist immer die richtige Blickführung. Wir haben da eine schöne Übung: Sie fahren mit einigermaßen hohem Tempo auf eine rechte und linke Ausweichgasse zu. Dann sperrt plötzlich ein rotes Licht eine der Gassen. Und was passiert? Zuerst folgen Sie immer dem Licht und lenken dorthin. Sie müssen sich also bewusst und möglichst schnell auf den Ausweg konzentrieren und den Blick auf die freie Strecke richten, um auszuweichen.

Wir haben jetzt viel über Sicherheit gesprochen. Wo bleibt der Fahrspaß?

In unseren Trainings vermitteln wir beides. Die Grenze ist fließend.

Erklären Sie das bitte genauer ...

Sie glauben gar nicht, wie glücklich die Teilnehmer grinsen, die eine solche Ausweichübung bei einer Geschwindigkeit von 140 km/h erfolgreich absolviert haben (lacht). Je mehr Sicherheit Sie als Fahrer gewinnen, desto dynamischer nähern Sie sich dem Fahrspaß im Grenzbereich. Das ist ein spannender Prozess: Bis wohin bleibt das Auto stabil, wann und vor allem wie beginnt es zu driften, wie steuere ich gegen. Deshalb sind bei unseren Kunden auch die Wintertrainings so beliebt. Wer das Querfahren auf Eis und Schnee perfekt beherrscht und das Fahrzeug beim Lastwechsel punktgenau umsetzt, bringt sein Fahrkönnen auf ein ganz neues Niveau. Auch für die Rennstrecke. Wir haben viele Kunden, die sich jedes Jahr in Schweden auf unsere Race Track Trainings vorbereiten. Das machen selbst DTM-Fahrer so.

„Der Fokus der Race Track Trainings liegt klar beim schnellen Fahren auf der Rennstrecke.“Chefinstruktor Wolfgang Müller

Geführten Fahren auf der Rennstrecke: Die Teilnehmer folgen in ihren Mercedes-Benz C-Klassen dem Instruktor
Geführtes Fahren auf der Rennstrecke zählt zu den Highlights der Race Track Trainings von Mercedes-Benz Driving Events. Die Teilnehmer folgen dem Instruktor auf der Ideallinie.
Race Track Training klingt sehr schnell. Was ist das Besondere?

Wir sind auf echten Rennstrecken unterwegs, auf dem Hockenheimring, dem Sachsenring oder dem Driving Center Groß Dölln bei Berlin, dessen Track von Rennstreckenarchitekt Hermann Tilke entworfen wurde. Und hier fahren Sie dann pro Trainingstag rund vier Stunden tatsächlich im Auto. Das sind deutlich längere Distanzen als bei einem DTM- oder Formel-Rennen. Da sollte man schon Kondition und einiges Können mitbringen. Wir empfehlen, vorher mindestens das Advanced Training absolviert zu haben.

Wie läuft das Race Track Training ab?

Beim Warmmachen trainieren wir die Basics wie Bremsen, Einlenken, Handling, Sicherheit bei schnellem Fahren. Dann geht es auf den Kurs. Das Sektionstraining erschließt die Strecke Abschnitt für Abschnitt. Ein Instruktor fährt vor, Sie folgen ihm möglichst exakt, lernen so die Bremspunkte und die Ideallinie kennen und erleben, wie Sie das Fahrzeug möglichst schnell auf die Fliehkräfte in den Kurven einstellen. Im Renntempo hin und dann langsam mit Positionswechsel zurück, sodass jeder mal direkt dem Führungsfahrzeug folgt. So studieren Sie jede Kurve ganz intensiv. Erst dann fahren wir zusammenhängend den gesamten Kurs. Dabei steigern wir die Geschwindigkeit immer mehr. Zum Schluss sind wir sehr zügig unterwegs, ziemlich am Limit. Viele unserer Fans absolvieren solche Trainings jedes Jahr, manche auch mehrfach pro Saison.

Mit welchen Fahrzeugen wird trainiert?

Bei den Race Track Trainings stellen wir besonders sportliche Modelle von Mercedes-Benz oder Mercedes-AMG zur Verfügung, zum Beispiel das CLA Coupé und die C-Klasse bis hin zum C 63.

Also schon wirkliches Renngefühl?

Ja, man ist mit viel Speed unterwegs. Aber natürlich bleiben es Straßenfahrzeuge, wenn auch im High-Performance-Bereich. Wirkliche Rennautos sind noch mal eine Stufe agiler, weil sie mit weniger Gewicht und vor allem profillosen Slickreifen noch mehr Grip beim Beschleunigen, beim Bremsen und in Kurven aufbauen.

Was muss ein guter Rennfahrer beherrschen?

Als Rennfahrer brauchen Sie den gesunden Ehrgeiz, schneller sein zu wollen als die anderen Fahrer im Feld. Und dann brauchen Sie ein sehr feinfühliges „Popometer“, wie wir Motorsportler sagen. Sie müssen spüren, wie sich das Fahrzeug verhält, wann es über- oder untersteuert. Mit diesem Gefühl für Fahrphysik und Fahrdynamik und der richtigen Blickführung lenken Sie auf die Ideallinie ein. Dann sind Sie richtig schnell.

Ja, das habe ich gemerkt ... Vielen Dank für dieses besonders schnelle Interview!

Mercedes-Benz Driving Events

Impressionen aus den Sommertrainings von Mercedes-Benz Driving Events.
Das Programm:

Mit einer Vielzahl unterschiedlicher Sommer- und Wintertrainings im Onroad- und Offroad-Bereich deckt das Programm alle Ansprüche ab – von Angeboten für junge Fahrer bis hin zu fahrintensiven Einzel- und Gruppencoachings sowie speziellen Berufsfahrertrainings.

www.mercedes-benz.com/driving-events

Die Fahrzeuge:

Mercedes-Benz Driving Events stellt als Trainingsfahrzeuge aktuelle Modelle aus dem Mercedes-Benz Programm. Onroad reicht das von der kompakten A-Klasse und der beliebten C-Klasse bis zu verschiedenen Mercedes-AMG Modellen als Highlights sowie der S-Klasse bei den Berufsfahrertrainings. Im Offroad-Programm werden unter anderem GLS, GLE und G-Klasse eingesetzt.

Reisen:

In seinem Reise-Programm bietet Mercedes-Benz Driving Events faszinierende Offroad- und Onroad-Expeditionen in aller Welt. Der Mythos Mercedes-Benz lässt sich bei den Classic Car Reisen in einem klassischen SL erleben.

Abendaufnahme des Driving Events Fuhrpark auf dem Sachsenring. Eine Reige von Mercedes-Benz C-Klassen im Fahrerlager.
Abendaufnahme des Driving Events Fuhrparks auf dem Sachsenring. Eine Reihe von Mercedes-Benz Fahrzeugen im Fahrerlager.
Das Rad eines Mercedes-AMG in der Nahaufnahme bei Regen.
Driving Events Onroad Summer
  • Compact Training: Halbtägiges Intensivtraining als Einstieg für mehr Sicherheit. Highlights: Slalom, Bremsen/einseitig, Kreisbahn mit Über-/Untersteuern.
  • Basic Training: Ein-Tages-Event mit den wichtigsten Grundlagen für mehr Fahrsicherheit und Fahrspaß. Highlights: Bremsen/einseitig, ABS-Haken, Spurwechsel, Kurvenbremsen, Kreisbahn mit Über-/Untersteuern.
  • Advanced Training: Ein-Tages-Training mit höheren Geschwindigkeiten sowie anspruchsvollen Manövern und den Basics des Driftens. Highlights: Spurwechsel, ABS-Haken/Ampel, Kurvenbremsen, Kreisdrift, Handlingsparcours.
  • Perfection Training: Zwei Tage intensives Training mit höchster Präzision im Grenzbereich. Highlights: Slalom, Kurvendrift, ABS-Haken/Ampel, angeleitetes Fahren, Race of Champions.
  • Race Track Training: Intensives eintägiges Einsteigertraining auf der Rennstrecke. Highlights: Sektionstraining Rennstrecke, angeleitetes Fahren, Über- und Untersteuern.
  • Sports Race Track Training: Das höchste Level der Onroad Summer Trainings an zwei Tagen. Highlights: Spurwechsel/Ampel, Kurvendrift, Sektionstraining Rennstrecke, angeleitetes Fahren auf der Rennstrecke.