07. Juni 2018
Fahrzeuge

Der Airbag
Rasanter Lebensretter

Der Airbag – keiner möchte ihn sehen, und doch ist jeder froh, ihn an Bord zu haben. Denn wenn es drauf ankommt, kann er blitzschnell zum Lebensretter werden. Mercedes-Benz führte nicht nur den Fahrer-Airbag, sondern auch den Beifahrer-Airbag in den Großserien-Automobilbau ein.

Erfindungen erobern die Welt nur selten im Sturm. Von der Idee über das Patent bis zur Anwendung der Verbraucher ist Geduld nötig. Auch der Airbag als schützender Luftsack an Bord von Fahrzeugen war kein Selbstläufer. Als Walter Linderer, ein Münchener Erfinder, 1951 die Idee zu dieser Art des Insassenschutzes in Automobilen hatte, waren die Ansätze sehr innovativ – doch nicht umsetzbar. Noch nicht. Erst mit der steigenden Expertise im Automobilbau begann der langsame Durchbruch der visionären Idee vom Airbag.

Heute zählen Airbags zur Standardausstattung

Bis zu elf Airbags schützen Fahrer und Passagiere heute in den Fahrzeugen. Sie gehören zu der umfangreichen Sicherheitsausstattung und sind ein wichtiger Teil eines ausgeklügelten Rückhaltesystems. Immer mehr Körperregionen können damit geschützt werden. Seit 2009 gibt es beispielsweise den Kneebag für den Kniebereich, es gibt den Beltbag als innovative Verbreiterung des Gurtbands oder den Thorax-Pelvis-Sidebag, der die Belastungen auf den Brustkorb und das Becken reduzieren kann. Am Grundprinzip der ersten Airbags hat sich bis heute wenig geändert: Das Steuergerät registriert über verschiedene Sensoren zum Beispiel die Verzögerungen bei einem schweren Unfall und aktiviert bei Bedarf die passenden Rückhaltesysteme. Wenn ein Airbag ausgelöst wird, füllt der Gasgenerator den Luftsack. Dadurch entfaltet sich der Airbag und ergänzt dabei die Rückhaltewirkung des Sicherheitsgurtes, der auf den Vordersitzen und auf den außen liegenden Rücksitzplätzen mit pyrotechnischen Gurtstraffern und Kraftbegrenzern ausgestattet ist. Dieses passive Sicherheitssystem hat so unzählige Leben gerettet und zählt mittlerweile weltweit zur Standardausstattung bei Neuwagen.

Mercedes-Benz war Pionier bei der Entwicklung und Einführung von Airbags
Rasanter Lebensretter: Der Airbag füllt sich in Sekundenbruchteilen. Heute tragen bis zu elf Airbags in Mercedes-Benz Fahrzeugen zur Sicherheit an Bord bei.

Erfolg nach jahrelangen Versuchen und Crashtests

Viele Jahre intensiver Forschung und Entwicklung gingen dem Erfolg des Airbags voraus. Schon 1966 hatte man erste Versuche durchgeführt, Fahrzeuginsassen mit einem aufblasbaren Luftsack zu schützen. Die Suche nach dem passenden Treibmittel und Pressluftsystem sowie der richtigen Auslösesensorik war jedoch knifflig. Außerdem war der Airbag noch sehr kostspielig in der Umsetzung. Deshalb dauerte es bis März 1981, bis der Fahrer-Airbag marktreif und auf dem Automobil-Salon in Genf präsentiert wurde. Mercedes-Benz brachte ihn an Bord der Oberklasse-Baureihe 126 erstmals in Serie – damals bereits in der Kombination mit Gurtstraffer für Fahrer und Beifahrer. Bereits im Folgejahr war die bahnbrechende Sicherheits-Innovation auch in den anderen Mercedes-Benz Pkw-Baureihen erhältlich. 1987 debütierte dann der erste Beifahrer-Airbag im Serien-Automobilbau. Auch er wurde in der S-Klasse vorgestellt und war ab 1988 lieferbar. Ein Novum. Damit waren die Stuttgarter erneut Vorreiter für Sicherheitstechnik im Automobilmarkt.

Auch Airbag am Fenster feiert Jubiläum

1998 kam der Windowbag hinzu. Schützend oben am Dachrahmen installiert, entfaltet er sich bei einem seitlichen Aufprall des Fahrzeugs und reduziert das Risiko folgenreicher Kopfverletzungen bei Fahrer, Beifahrer und den Passagieren auf den äußeren Plätzen im Fond. Der Windowbag wurde ab April 1998 von Mercedes-Benz erstmals in der modellgepflegten E-Klasse Baureihe 210 und ab Herbst 1998 in der S-Klasse, Baureihe 220, als Serienausstattung angeboten.

Airbag Sicherheit: viele Tests gingen dem Erfolg des Airbags voraus
Erfolg nach jahrelanger Forschung: Intensive Tests für mehr Sicherheit mündeten 1998 im Windowbag.

Ein Fahrzeug kann nie sicher genug sein

Der Airbag wurde zur Antwort auf Erkenntnisse der Unfallforschung und daraus folgend auf gestiegene Sicherheitsanforderungen im Automobilverkehr. Bis heute entwickeln Experten seine Funktionen weiter und passen ihn immer wieder an die Erfordernisse an. Viele Front-Airbags sind beispielsweise mit einem zweistufigen Gasgenerator ausgestattet. Damit passt sich ihre Wirkung an die von der Fahrzeugsensorik vorausgesagte Schwere einer Kollision an. Eines aber bleibt auch bei der fortschrittlichsten Technologie an Bord unvermindert wichtig: Nur durch das Zusammenwirken aller Schutzmaßnahmen wird beim Frontalaufprall ein Maximum an Insassenschutz erreicht. Airbags schützen Menschen nur bei angelegtem Gurt! Dieser gilt nach wie vor als wichtigstes Rückhaltesystem.

In Kombination mit Systemen zur Unfallvermeidung wird die Sicherheit in Fahrzeugen weiter ausgebaut. Dazu gehören zum Beispiel Innovationen wie Mercedes-Benz Intelligent Drive und Car-to-X-Communication. Bei Intelligent Drive wird der Wagen zum „denkenden Partner“ und erkennt mit Hilfe zahlreicher Sensoren zum Beispiel andere Verkehrsteilnehmer im Umfeld. Der Fahrer wird etwa durch optische und akustische Signale auf bestimmte Gefahrensituationen hingewiesen. Bei der Car-to-X-Kommunikation tauschen Fahrzeuge und Einrichtungen, die zur Verkehrsinfrastruktur gehören, über das Mobilfunknetz Informationen miteinander aus. So kann der Fahrer viel früher Warnhinweise erhalten – beispielsweise über Geisterfahrer oder Staus.