16. Februar 2018
Fahrzeuge

Die S-Klasse lernt
autonomes Fahren

Längst denken wir nicht mehr an Science Fiction, wenn das Auto ganz allein lenkt, beschleunigt und bremst. Autonomes Fahren kommt in der Realität an. Beim Intelligent World Drive testete Mercedes-Benz mit einem Erprobungsfahrzeug auf Basis der aktuellen S-Klasse automatisierte Fahrfunktionen auf fünf Kontinenten in fünf Monaten.

Der Intelligent World Drive stellte mit dem realen Straßenverkehr in Deutschland, China, Australien, Südafrika und den USA das Forscherteam und seine S-Klasse vor echte Herausforderungen. Für das Erprobungsfahrzeug waren Autobahnstaus in Frankfurt noch eine leichte Übung angesichts von Zebrastreifen auf chinesischen Autobahnen, Rechtsabbiegen von der linken Fahrspur im australischen Melbourne, Fußgängerverkehr auf jeder Art von Straßen in Südafrika oder kurzzeitiges Fahrverbot in unmittelbarer Nähe von anhaltenden Schulbussen in den USA. Die einzelnen Stationen zeigten, wie leistungsfähig die Technik bereits ist, und verdeutlichte gleichzeitig die Komplexität globaler Herausforderungen bei der Entwicklung von automatisierten und autonomen Fahrfunktionen. Auf dem Weg zum autonomen Fahren spielt das Lernen im länderspezifischen, realen Straßenverkehr eine zentrale Rolle.

In Serienfahrzeugen erreicht Mercedes-Benz schon heute teilautomatisiertes Fahren auf hohem Niveau. Faszinierend, wie in der S-Klasse, der E-Klasseim neuen CLS oder in der neuen A-Klasse zum Beispiel der Aktive Abstands-Assistent DISTRONIC in seiner aktuellen Generation den Fahrer unterstützt. Bis zu 30 Sekunden lässt sich sogar schon das Gefühl genießen, autonom chauffiert zu werden: Man kann die Hände vom Lenkrad nehmen, und die Assistenten können selbstständig in spezifischen Situationen auf Autobahnen oder Landstraßen das Fahrzeug steuern. Zudem können die Assistenten die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen.

Die aktuelle Generation der S-Klasse Fahrassistenzsysteme

Was leistet die neueste Generation von Fahrassistenzsystemen, die Mercedes-Benz mit der Intelligent-Drive-Strategie in verschiedenen Baureihen von der S-Klasse bis zur neuen A-Klasse anbietet? Die teils serienmäßig oder optional verfügbaren Assistenten können Funktionen ermöglichen, die dem Level 2 (siehe unten) des autonomen Fahrens entsprechen.

Aktiver Abstands-Assistent DISTRONIC: Auf Schnellstraßen und Autobahnen regelt der Aktive Abstands-Assistent DISTRONIC im Geschwindigkeitsbereich von 0 bis 210 km/h den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und hält die Spur. Vor Kurven, Kreuzungen, Kreisverkehren oder Mautstellen wird die Geschwindigkeit entsprechend der Strecke vorausschauend reduziert, danach wieder beschleunigt. Auf der Navigationsroute wird vor der entsprechenden Autobahnausfahrt oder Kreuzungen, an denen abgebogen werden soll, das Fahrzeug verzögert.

Staufolgefahren: Im Stop&Go-Verkehr auf Autobahnen und autobahnähnlichen Straßen sind jetzt Stopps bis zu 30 Sekunden möglich, innerhalb derer die S Klasse automatisch wieder anfährt und dem vorausfahrenden Verkehr folgt.

Aktiver Brems-Assistent: Der Aktive Brems-Assistent mit Kreuzungsfunktion kann den Fahrer im Straßenverkehr bei der Vermeidung drohender Kollisionen mit Fahrzeugen oder Personen unterstützen. Es erfolgen eine
• Abstandswarnung über eine Warnleuchte im Kombiinstrument, wenn der Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug zu gering ist
• zusätzliche akustische Warnung bei erkannter Kollisionsgefahr
• autonome Notbremsung auf vorausfahrende, stehende oder querende Fahrzeuge
• autonome Notbremsung auf Fußgänger
• situationsgerechte Bremsunterstützung, sobald der Fahrer selbst bremst.

Aktiver Spurwechsel-Assistent: Will der Fahrer auf mehrspurigen Straßen im Geschwindigkeitsbereich von 80 bis 180 km/h die Spur wechseln, reicht jetzt ein Antippen des Blinkers. Innerhalb der nächsten zehn Sekunden überprüft die Sensorik ergänzend zum Fahrer, ob die Nebenspur vor, neben und hinter dem eigenen Fahrzeug. Befindet sich im relevanten Sicherheitsbereich kein anderes Fahrzeug, wird der Fahrer beim Spurwechsel unterstützt.

Aktiver Spurhalte-Assistent und Aktiver Totwinkel-Assistent: Der Aktive Spurhalte-Assistent kann den Fahrer im Geschwindigkeitsbereich von 60 bis 200 km/h vor unbeabsichtigtem Spurverlassen durch gepulste Lenkradvibrationen warnen und beim Überfahren einer durchgezogenen Linie durch einseitige Bremsung das Fahrzeug in die Spur zurückziehen. Bei einer gestrichelten Linie erfolgt dieser Eingriff nur, wenn Kollisionsgefahr auf der Nebenspur auch durch Gegenverkehr besteht. Der Aktive Totwinkel-Assistent kann den Fahrer optisch und bei Blinkerbetätigung auch akustisch im Geschwindigkeitsbereich von ca. 10 bis 200 km/h auf die Gefahr einer seitlichen Kollisionen mit anderen Fahrzeugen hinweisen – das System kann auch Fahrräder erkennen. Oberhalb von 30 km/h kann eine automatische einseitige Bremsung zudem im letzten Moment dabei helfen, eine seitliche Kollision zu vermeiden.

Aktiver Nothalt-Assistent: Der Aktive Nothalt-Assistent bremst das Fahrzeug in der eigenen Spur bis zum Stillstand ab, wenn der Fahrer während der Fahrt mit eingeschaltetem Aktivem Lenk-Assistenten dauerhaft nicht mehr in das Fahrgeschehen eingreift und auch auf die mehrmaliger optische und akustische Warnung nicht reagiert.

Ausweich-Lenk-Assistent: Wenn Fußgänger im Gefahrenbereich vor dem Fahrzeug erkannt werden, kann der Assistent einen vom Fahrer eingeleiteten Ausweichvorgang unterstützen. Zusätzliche Lenkmomente helfen, dem Fußgänger kontrolliert auszuweichen und das Fahrzeug zu stabilisieren.

Verkehrszeichen-Assistent und Aktiver Geschwindigkeitslimit-Assistent: Diese Assistenten ermitteln die zulässige Höchstgeschwindigkeit, Überholverbote sowie Zebrastreifen, zeigen sie im Kombiinstrument an und warnen bei entsprechender Einstellung vor einer Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit. Zusätzlich können Einfahrverbote und Personen im Bereich von Zebrastreifen erkannt werden. Beim Aktiven Geschwindigkeitslimit-Assistenten kann die DISTRONIC die erkannte Geschwindigkeitsbeschränkungen selbstständig einregeln.

Car-to-X Kommunikation: Informationen zu Gefahrensituationen, die ein Fahrzeug im Straßenverkehr erkannt hat, werden allen anderen Car-to X Usern zur Verfügung gestellt und damit die Fahrer frühzeitig gewarnt. Die über Car to X verbreiteten Meldungen werden wie bei Live Traffic Information in der Kartendarstellung von COMAND Online angezeigt. Bei Annäherung an eine Gefahrenstelle erfolgt situationsabhängig eine Warnung per Sprachausgabe.

Aktiver Park-Assistent: Der Aktive Park-Assistent mit Park-Assistent PARKTRONIC und Rückfahrkamera erleichtert sowohl die Parkplatzsuche als auch das Ein- und Ausparken in Längs- und Querparklücken, in Querparklücken vorwärts wie auch rückwärts. Er pilotiert das Fahrzeug automatisch in die ausgewählte Parklücke. In Verbindung mit dem Totwinkel-Assistenten weist der Rear Cross Traffic Alert beim rückwärtigen Ausparken aus Querparklücken auf Querverkehr hin und bremst notfalls automatisch.

Remote Park-Assistent: Der Remote Park-Assistent ermöglicht dem Fahrer, das Fahrzeug bei engen Parklücken oder Garagen via Smartphone von außen so zu rangieren, dass ein einfaches Ein- und Aussteigen möglich ist.

Die Level des autonomen Fahrens

Was verstehen Experten eigentlich unter „automatisiertem“ beziehungsweise „autonomem“ Fahren? Die Verantwortung des Fahrers und die Fähigkeiten der Fahrzeuge sind in einem Stufensystem definiert. Ausgangspunkt ist der „Level 0 - driver only“, bei dem der Fahrer Lenkung (Querführung) sowie Gas und Bremse (Längsführung) dauerhaft und ohne eingreifende Fahrzeugsysteme kontrolliert.

Level 1
Assistiertes Fahren

Der Fahrer kontrolliert Längs- und Querführung des Fahrzeugs, muss ständig auf den Verkehr achten und das Lenkrad immer in der Hand halten. Er wird aber von Assistenzsystemen unterstützt. Dazu zählt zum Beispiel ein Abstandtempomat, der die Geschwindigkeit und auch den Abstand zum vorherfahrenden Fahrzeug automatisch steuert, oder ein Notbremsassistent.

Level 2
Teilautomatisiertes Fahren

Hierbei können die Assistenzsysteme des Fahrzeugs in spezifischen Situationen, zum Beispiel auf der Autobahn oder im Stau, die Quer- und Längsführung des Fahrzeugs übernehmen. Der Fahrer muss aber auf den Verkehr achten, das System dauerhaft überwachen und jederzeit eingreifen können. Er darf das Lenkrad nicht dauerhaft aus der Hand geben und sich beim Fahren nicht mit anderen Tätigkeiten beschäftigen.

Level 3
Hochautomatisiertes Fahren

Der bedeutende Unterschied zum Level 2: Der Fahrer muss beim hochautomatisierten Fahren in den spezifischen Situationen das System dauerhaft nicht mehr selbst überwachen und kann das Lenkrad los lassen. Das System kontrolliert Lenkung, Gas und Bremse autonom. Allerdings muss der Fahrer den Verkehr im Blick haben und potenziell in der Lage sein, innerhalb kurzer Zeit die Steuerung des Fahrzeugs wieder zu übernehmen.

Level 4
Vollautomatisiertes Fahren

Dieses Level macht den Fahrer im spezifischen Anwendungsfall erstmals ganz überflüssig. Das System bewältigt die Situation automatisch. Und das nicht nur auf der Autobahn, sondern auch in den komplexeren Verkehrsverhältnissen auf der Landstraße oder in der Stadt. Der Fahrer muss nicht das Verkehrsgeschehen die gesamte Zeit im Auge haben. Hier wird die Vision vom Arbeiten, Surfen, Unterhalten in der Gruppe oder Schlafen während der Fahrt Wirklichkeit.

Level 5
Fahrerloses Fahren

Hier kommen wir beim Auto ohne Lenkrad an. Mit diesem höchsten Grad der Automation ist kein Fahrer mehr erforderlich. Das System steuert während der gesamten Fahrt auf allen Straßentypen und bei allen Umfeldbedingungen sämtliche Funktionen des Fahrzeugs selbstständig. Entwickelt werden solche Fahrzeuge zum Beispiel als Robotertaxis für Innenstädte.

CASE – auf dem Weg zum autonomen Fahren
  • Autonomes Fahren gehört zu den vier strategischen Zukunftsfeldern, die unter dem Begriff CASE integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie der Daimler AG sind. CASE – diese Buchstaben prägen die Zukunft der Mobilität. Sie stehen für Vernetzung (Connected), autonomes Fahren (Autonomous), flexible Nutzung (Shared & Services) und elektrische Antriebe (Electric). Ziel ist es, durch eine intelligente Verzahnung aller vier CASE Felder intuitive Mobilität für die Kunden zu gestalten.