24. August 2018
Fahrzeuge | Wuppertal

Formel 1 Safety Car
„Definitiv schnell genug“

Bernd Mayländer steuert das Safety Car in der Formel 1 nun seit fast 19 Jahren. Am Rande des Heimrennens in Hockenheim spricht der Markenbotschafter von Mercedes-Benz über sein aktuelles Dienstfahrzeug von Mercedes-AMG, seine liebste Rennstrecke und über die Abläufe in einem der spannendsten Jobs der Welt.

Hinter ihm sind alle gleich. Wenn Bernd Mayländer in seinem neuen Mercedes-AMG GT R (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 12,4 l/100 km | CO2-Emissionen kombiniert: 284 g/km; C 63 S T-Modell: Kraftstoffverbrauch kombiniert: 10 l/100 km | CO2-Emissionen kombiniert: 229 g/km) auf die Rennstrecke fährt, müssen sich alle Piloten einreihen. Die Teams müssen ihre Strategien anpassen, den Spritverbrauch neu kalkulieren, Boxenstopps timen. Alles zurück auf Los. Für die neutralen Zuschauer bringt eine Safety-Car-Phase vor allem eins: neue Spannung. Aus großen Zeitabständen werden direkte Duelle. Daher ist das Official FIA F1 Safety Car Teil vieler legendärer Rennen, in denen es drunter und drüber ging und deren Erzählung mehr Spannungsbögen hat als ein Formel-1-Kurs Kurven. Da wäre zum Beispiel der Große Preis von Kanada im Jahr 2011. Das Rennen in Montreal dauerte bis dato unerreichte vier Stunden, wobei Bernd Mayländer wegen des starken Regens beinahe die Hälfte der Zeit das Feld anführte. Er und das Safety Car waren in fünf Phasen insgesamt 30 Runden lang im Einsatz. Am Ende siegte übrigens der Brite Jenson Button in einem McLaren-Mercedes. Trotzdem, für Bernd Mayländer sind die besten Rennen jene, in denen das Safety Car nicht benötigt wird. „Zum Glück werde ich ja nicht pro Runde bezahlt.“

Zwei Funkanlagen, Steuerungsgeräte und WLAN – das Safety Car ist bestens vernetzt.
Ein Blick in den Kofferraum des Safety Cars offenbart die Kommunikationstechnik von Riedel aus Wuppertal.
Herr Mayländer, die Zukunft vom Großen Preis von Deutschland stand auf der Kippe. Gerade wurde jedoch bestätigt: 2019 wird es – auch dank der Unterstützung von Mercedes-Benz – wieder ein Formel-1-Rennen in Hockenheim geben. Was sagen Sie dazu?

Das freut mich riesig. Ich komme ja aus Stuttgart. Das sind nur rund 100 Kilometer bis Hockenheim. Ich hätte einen Grand Prix in Deutschland schon sehr vermisst, egal auf welcher Strecke. Umso schöner ist es, dass die Formel 1 nun auch nächstes Jahr in Deutschland Station macht.

Zurück zur Gegenwart. Hier an der Rennstrecke stehen ja zwei Safety Cars in der Garage.

Das liegt daran, dass ich so oft im Kies lande. Nein, im Ernst, wir fahren ja nicht nur bei der Formel 1, sondern begleiten auch die anderen Wettbewerbe an einem Rennwochenende, beispielsweise die Formel 2, die GP3-Serie oder hier in Hockenheim auch die Formel 4. Das ist mit zwei Fahrzeugen einfach besser zu handeln. Mit einem Auto fahren wir dann die Supportrennen und das andere kommt in der Königsklasse zum Einsatz.

Sind die Fahrzeuge komplett identisch?

Ja, man kann sie praktisch nicht unterscheiden. Das geht nur anhand einer kleinen Farbmarkierung oben an der Windschutzscheibe. Die ist entweder silberfarben oder rot.

Was unterscheidet das Official FIA F1 Safety Car denn von einem Serienfahrzeug?

Eigentlich nur zwei Dinge: die Lichtanlage der FIA auf dem Dach und das Kommunikationspaket von Riedel Communications aus Wuppertal im Heck. Das Wichtigste dabei ist nach wie vor der Sprechfunk. Ich bekomme alle Instruktionen von der Rennleitung in Echtzeit aufs Ohr und muss sie dann auch akustisch bestätigen – wie ein Pilot im Flugzeug. So kann ich mich visuell aufs Fahren konzentrieren. Deshalb habe ich für meinen Helm auch gerade neue, individuelle Ohrabformungen erhalten, damit alles richtig passt und der Sprechfunk perfekt übertragen werden kann.

Welche Aufgaben hat Ihr Beifahrer Richard Darker?

Wir haben zusätzlich zum Sprechfunk zwei Tablets im Auto, auf die über einen InCar-Hotspot per WLAN alle möglichen Informationen übertragen werden, darunter auch das TV-Signal. Diese Daten wertet Richard aus. Er ist in erster Linie für die Kommunikation verantwortlich, auch für die Lichtsignale. Er spricht mit der Rennleitung, wobei ich nach dem Vier-Ohren-Prinzip immer alles mithöre. So geht keine Information verloren. Das alles dient der Sicherheit aller Beteiligten.

Bernd Mayländer hat als Safety-Car-Fahrer und Mercedes-Benz Markenbotschafter einen Traumjob.
Sein erstes Rennen war in Melbourne/Australien im Jahr 2000. Mittlerweile hat Bernd Mayländer rund 340 Grand Prix absolviert und war in 19 Jahren nur vier Mal wegen Krankheit nicht am Start.
Motor, Bremsen und Chassis sind also wie in der Straßenversion?

Richtig. Das ist alles wie in einem normalen AMG GT R (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 12,4 l/100 km | CO2-Emissionen kombiniert: 284 g/km), natürlich inklusive der optionalen Extras wie Hochleistungs-Keramikbremse oder Überrollschutz. Sie werden lachen, aber für mich ist die serienmäßige Klimaanlage besonders wichtig. Denn ich sitze während des gesamten Rennens einsatzbereit mit Helm und Schutzanzug im Auto und warte auf einen potenziellen Einsatz. Wenn Sie dann einen Standplatz in der Sonne haben, ist eine Klimaanlage unverzichtbar. Auf der Rennstrecke schalte ich sie aber aus. Das gibt noch ein Fünkchen mehr Leistung.

Ist dieses Fahrzeug das bislang schnellste Safety Car?

Es ist definitiv das schnellste Auto, das ich bisher hatte. Man spürt noch mal einen deutlichen Leistungssprung im Vergleich zum Vorgänger. Dabei ist der Wagen wirklich sehr easy zu bewegen. Man merkt ihm an, dass er auf der Rennstrecke entwickelt wurde. Sein Spitzname ist ja ‚Beast of the Green Hell‘ – in Anlehnung an die Nordschleife des Nürburgrings. Er ist aber trotzdem noch für den Alltag geeignet.

Wurden Sie von Formel-1-Piloten auf Ihren neuen Dienstwagen angesprochen?

Na klar, das sind ja alles Rennfahrer. Die interessieren sich natürlich für das neue Auto und fragen nach der Leistung, wie er sich fährt und so weiter. Das ist schon ein Thema. Bei Fahrern aus allen Teams übrigens.

Immer wieder hört man von Formel-1-Fahrern, dass das Safety Car zu langsam sei …

Stimmt, das wird häufig thematisiert. Aber diese Debatte ist Quatsch. Tatsache ist, dass unsere Geschwindigkeit sekundär ist. Einige Fahrer haben auch schon gesagt, dass wir ihnen zu schnell sind. Wohl, weil sie Sprit sparen wollten. Wenn sich die Fahrer also über unser Tempo beklagen, dann passt dieses einfach nicht in ihre individuelle Rennstrategie. Und die spielt für mich absolut keine Rolle. Uns geht es um die Sicherheit auf der Strecke. Schnell genug sind wir definitiv. Auf den schnellsten Strecken in Monza oder Baku erreichen wir 280 km/h. Und da ginge sogar noch etwas mehr. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 318 km/h.

Gab es schon einmal Probleme?

Nie während eines Rennens. Und ansonsten nur Kleinigkeiten, die wir durch Professionalität und Erfahrung kompensieren konnten. Dieses Jahr hat zum Beispiel eine falsche Frequenz einer Leinwand in Silverstone Störungen in unserem Funkverkehr ausgelöst. Aber wir haben immer ein zweites Funkgerät an Bord und konnten darüber den Kontakt wiederherstellen. Grundsätzlich unterziehen wir die beiden Medical Cars, das sind zwei Mercedes-AMG C 63 S T-Modelle (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 10 l/100 km | CO2-Emissionen kombiniert: 229 g/km), und die Safety Cars jeden Donnerstag vor einem Rennen einem Leistungstest. Jedes Auto wird 30 Minuten über den Kurs gejagt. Da sind dann zwei Mechaniker von Mercedes-AMG dabei, die alles durchchecken.

Bernd Mayländer zieht seit fast 20 Jahren mit dem Formel 1 Zirkus um die Welt.
Sein neuer Dienstwagen (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 12,4 l/100 km | CO2-Emissionen kombiniert: 284 g/km) ist der schnellste, den Bernd Mayländer bisher durch die Formel-1-Kurse dieser Welt bewegte.
Sie haben schon alle Formel-1-Kurse der Welt befahren. Haben Sie eine Lieblingsstrecke?

Das sind meist die älteren Kurse wie Spa, São Paulo oder Suzuka. Gerade die Strecke in Japan hat eine tolle Topografie. Jede Runde ist eine Herausforderung. Und die Atmosphäre bei den rennsportbegeisterten Japanern macht richtig Spaß.

Die Formel-1-Saison hat derzeit 21 Rennen. Was beschäftigt Sie die andere Hälfte des Jahres?

Wenn kein Rennen ist, versuche ich, so viel wie möglich bei meiner Familie zu sein. Meine Frau und ich haben vor Kurzem Zwillinge bekommen. Außerdem bin ich noch Markenbotschafter bei Mercedes-Benz. Als solcher bin ich im Januar und Februar häufig in Skandinavien bei den AMG Winter Sporting Events dabei. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass man mich noch mal als Rennfahrer hinter einem Steuer sieht. Wenn ich denn eine passende Rennserie finde.

Geboren für die Rennstrecke

In der Formel-1-Saison 2018 setzt Mercedes-AMG das stärkste Safety Car aller Zeiten ein: Es leistet 430 kW (585 PS) und feierte beim Grand Prix im australischen Melbourne sein Debüt als Official FIA F1 Safety Car der FIA Formel-1-Weltmeisterschaft.

Der AMG GT R (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 12,4 l/100 km | CO2-Emissionen kombiniert: 284 g/km) ist das ideale Safety Car für die Formel 1, da er die Fahrdynamik eines reinrassigen Rennwagens bietet und einen Großteil seiner Entwicklungszeit in der „Grünen Hölle“ des Nürburgrings verbracht hat.

Die Frontschürze mit dem aktiven Luftregelsystem AIRPANEL, das aktive Aerodynamik-Profil im Unterboden, der große Heckflügel und die Heckschürze mit Doppel-Diffusor steigern die aerodynamische Effizienz und sorgen für optimalen Grip.

Auch die leichten Schmiederäder sind auf höchste Fahrdynamik getrimmt. Das gilt ebenso für die aktive Hinterachslenkung, die neunfach justierbare Traktionskontrolle und das verstellbare Gewindefahrwerk mit zusätzlicher elektronischer Regelung.

Daneben steht ein Mercedes-AMG als Official FIA F1 Medical Car der FIA Formel-1-Weltmeisterschaft für eine schnelle Notfallversorgung parat. Es ist mit bis zu drei Medizinern besetzt. Das Medical Car folgt dem Feld in der Startrunde, weil die Unfallgefahr in dieser kritischen Rennphase besonders hoch ist.

Das Official FIA F1 Safety Car kommt seit über 20 Jahren von Mercedes-AMG.
Mercedes-AMG stellt seit 1996 das Official FIA F1 Safety Car
  • 1990er

     

    1996–1997: C 36 AMG
    1997–1998: CLK 55 AMG
    1999–2000: CL 55 AMG

  • 2000er

     

    2001–2002: SL 55 AMG
    2003: CLK 55 AMG
    2004–2005: SLK 55 AMG
    2006–2007: CLK 63 AMG
    2008–2009: SL 63 AMG

  • 2010er

     

    2010–2014: SLS AMG
    2015–2017: AMG GT S
    (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 11,5 l/100 km | CO2-Emissionen kombiniert: 262 g/km)
    2018: AMG GT R
    (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 12,4 l/100 km | CO2-Emissionen kombiniert: 284 g/km)