08. November 2018
Fahrzeuge | Hamburg

Wenckstern Hot Rods:
Kultiger Fahrspaß

Schnittig, nostalgisch, handgemacht: Die Hot Rods aus der Schmiede der Wenckstern Custom Manufaktur bieten Fahrspaß ohne Schnörkel. Wir gehen auf Probefahrt und treffen Mastermind Maik Wenckstern.

Gelernter Florist? Echt jetzt? Maik Wenckstern lacht. Mit seinem grauen Vollbart, Sonnenbrille und Kutte sieht der Macher hinter der Marke Wenckstern aus, als hätte er weniger einen grünen Daumen als vielmehr Benzin im Blut. Locker schlendert er zwischen den knatternden, bollernden Hot Rods umher, diesem Mittelding aus Gokart und Seifenkiste. Hier ein Gruß, da ein Ratschlag für einen der Fahrer, die dem Start der kleinen Rundtour entgegenfiebern. Auch ich nehme Platz in meinem „Boliden“, gespannt auf das „geile“ Fahrgefühl, von dem die Erfahrenen mir Novizen vorgeschwärmt haben. Einen ersten Eindruck gibt es bei einem vorsichtigen Rangieren unter Aufsicht des Instruktors. Die Einweisung in meinen Hot Rod ist kurz: Blinker links, Blinker rechts, Hupe, Bremse, Gas, Vorwärtsgang, Rückwärtsgang, so richtig viel gibt es da nicht zu erklären. Fahrspaß pur, wird ja auch so versprochen.

Kompakter Fahrspaß

155 Kilogramm bringen die kleinen Flitzer auf die Waage, Geschwindigkeit bis zu 88 km/h. Ganz schön flott für eine aufgemotzte Seifenkiste, denke ich, zwischen mir und der Straße liegen schließlich nur ein paar Zentimeter. Aber selbstverständlich hat alles seine Ordnung, Straßenzulassung inklusive. Endlich geht’s los, in Kolonne durch die Stadt, raus auf die Landstraße und auf schmalen, nahezu idyllischen Straßen durch die Bauernschaft – das ideale Terrain, um sich ungestört mit dem Hot Rod vertraut zu machen. Der Sound ist dank Helm angenehm, die Lenkung direkt, der tiefe Schwerpunkt sorgt für eine sehr gute Straßenlage. Nach ein paar Minuten habe ich wie die meisten anderen den Dreh raus, die zweite Hälfte der Ausfahrt wird zum echten Genuss, die Hände am Lenkrad endlich locker. Als unsere Achtergruppe zurück zum Start kommt, bin ich mir ziemlich sicher, dass das nicht das letzte Mal sein wird. Und ich verstehe, warum das Geschäft mit den kleinen Flitzern brummt, warum Hot Rod City Touren in der Metropole Hamburg ebenso laufen wie im gemütlichen Münster, in München, bei den „Hot Rod Fun“-Stationen Werther, Neustadt, Dresden, Ingolstadt, Kemten, in Wels (Österreich), Bukarest und auf Mallorca. „Siehste, habe ich doch gesagt“, lacht Maik Wenckstern. „Auch ’nen Kaffee?“ Ja, ich will auch, und dann spreche ich mit Maik darüber, wie der heute 57-Jährige vom Blumenprofi zum Unternehmer und „Petrol Head“ wurde.

Die Wenckstern Hot Rods bieten kompakten, ursprünglichen Fahrspaß.
Die Hot Rods von Wenckstern bieten kompakten, ursprünglichen Fahrspaß.
Herr Wenckstern ...

„Maik“, bitte …

Okay, Maik, wie wird man vom Floristen zum Produzenten von Spaßautos?

(lacht) Das muss ja kein Widerspruch sein. Meine Eltern waren im Motorsport aktiv, und ich habe mit vier Jahren zum ersten Mal auf einem Motorrad gesessen. Seitdem bin ich aktiv dabei. Gelernter Florist bin ich wirklich, aber auch noch studierter Umwelttechniker und Finanzwirt. Ein wenig Ahnung von Technik habe ich also.

Und wie kam es zur Gründung von Wenckstern?

Das war eine Idee, die mein Bruder und ich beim Grillen und einem Gläschen Bier hatten. Wir wollten etwas entwickeln, was es so noch nicht auf den Straßen gibt – ohne kommerzielle Hintergedanken. So sind wir auf Hot Rods gekommen. In der Planungsphase hat uns ein Freund gesagt: „Wenn ihr das Ding auf die Straße kriegt, will ich auch so eins.“ Da war uns klar, dass es vielleicht noch mehr Interessenten geben könnte. Dann haben wir zwei Jahre für die Straßenzulassung gebraucht, wobei der TÜV Nord uns sehr geholfen hat. 2010 war dann unser erstes Fahrzeug auf der Straße.

„Wir hatten mit einem solchen Erfolg gar nicht gerechnet.“Maik Wenckstern

Und dann ging es nur noch mit Vollgas nach oben ...

Na ganz so rund lief es nicht. Wir hatten mit dem anfänglichen Erfolg zuerst gar nicht gerechnet und haben dann ein Lizenzkonzept für die Vermietung entwickelt. 2013 konnten wir in Hamburg den ersten Standort der Hot Rod City Tour eröffnen, schon ein Jahr später haben wir den Start der internationalen Expansion der Hot Rod City Tour und die Produktion des 200. Fahrzeugs gefeiert. 2014 sind wir mit dem Konzept der Hot Rod City Tour mit dem ADAC Tourismuspreis 2014 und dem „Idee voraus“-Preis der Stadt Norderstedt ausgezeichnet worden. Das lief aber irgendwann nicht mehr in die richtige Richtung. Wir wollten es dann besser machen. 2017 konnten wir einen Investor ins Boot holen. Seit Februar 2018 fahren wir ein Franchise-Konzept. Wir kommen aus der Doppelgarage, mittlerweile haben wir eine ganze Produktionsstraße und stellen zwei Fahrzeuge pro Tag her.

Maik Wenckstern, Gründer der Wenckstern Custom Manufaktur
Maik Wenckstern, Gründer der Wenckstern Custom Manufaktur, ist Florist, Umwelttechniker und Finanzwirt.
Die Hot Rods sind voll im Trend. Wie erklärst du dir den Erfolg?

Ich weiß nicht, ob man wirklich von einem neuen Trend sprechen kann, aber die Resonanz ist groß. Das merkt man auch an den Reaktionen der Zuschauer bei den Ausfahrten: Du wirst fotografiert, gegrüßt, die Leute drehen sich nach dir um, und natürlich hinterlässt so eine ganze Kolonne ordentlich Eindruck. Ich glaube, viele der Fahrer wollen einfach mal aus der Tretmühle raus. Und das geht bei so einer Ausfahrt natürlich super. Wir profitieren auch von dem gegenwärtigen Retro- und Vintage-Trend, der ja in vielen Branchen aufgegriffen wird. Ich glaube, wir haben genau zur richtigen Zeit das richtige Produkt gehabt.

Und wie geht es mit Wenckstern weiter?

Dieses Jahr haben wir uns vorrangig auf Deutschland konzentriert, aber ab 2019 wollen wir punktuell auch in Europa weiter wachsen: Wir haben schon einen Franchisepartner für Österreich und Rumänien, in Portugal müssen wir noch mit den Behörden sprechen. Es gibt schließlich überall große Jungs und Mädchen, die Spaß haben wollen.

Was ist, wenn ich mir ein Wenckstern Hot Rod kaufen will?

Nur zu, circa neunzig Prozent unserer Kunden sind Gewerbetreibende und zehn Prozent reine Privatleute, die es einfach toll finden, mit einem Hot Rod durch die Gegend zu fahren – ein hochwertiges Spielzeug für Erwachsene, das wir nach den individuellen Wünschen der Kunden fertigen und individualisieren können. Die meisten nutzen es allerdings als Werbeträger, ist eben ein Hingucker. Wie zum Beispiel unser „Silberpfeil“, von dem wir zurzeit drei verschiedene Modelle haben. Das ist natürlich kein Nachbau, sondern eine Annäherung und eine liebevolle Verbeugung vor der großen Motorsportgeschichte von Mercedes-Benz. Wir fanden das Original einfach so schick. Und cool aussehen müssen die Autos schon. Da kommt vielleicht der Florist in mir durch (lacht).

Firmengründer Maik Wenckstern spricht im Video über sein Unternehmen.

Der Wenckstern Hot Rod Silberpfeil ist eine liebevolle Verbeugung vor dem von Mercedes-Benz und Auto Union entwickelten Grand Prix Rennwagen.
Wenckstern Roadster Silberpfeil 1
  • Abmessungen:

    Länge/Breite/Höhe: 2210/1120/680 mm

  • Motor:

    1-Zylinder-Viertakt, gebläsegekühlt; 170 ccm

  • Leistung:

    10 kW (13,6 PS)

  • Höchstgeschwindigkeit:

    88 km/h

  • Sonstiges:

    E-Starter, Ölkühler, Auspuffanlage WENCKSTERN Anfertigung, Oldschool-Spiegel, Voll-LED-Scheinwerfer

  • Sonderausstattung:

    Das Interieur wurde individuell für dieses Fahrzeug entwickelt.

Die Entstehungsgeschichte der Hot Rods

Der Begriff „Hot Rod“

Die Herkunft des englischen Begriffs ist nicht sicher. Hot Rod heißt wörtlich übersetzt „heißes Pleuel“. Möglich ist, dass Hot Rod von „Pushrod“, englisch für „Stoßstange“ oder „Schubstange“ abgeleitet ist. Eine andere Erklärung ist, dass der Begriff aus der Zusammenziehung von Hot Roadster für leistungsgesteigerter Roadster entstanden ist.

Automobile Subkultur

Hot Rods wurden anfangs auf der Basis preiswerter, älterer Modelle aus der Vorkriegszeit aufgebaut. Das Gewicht wurde reduziert und ein stärkerer Motor eingebaut. In den 1940er-Jahren war dies eine kostengünstige Möglichkeit, sich Beschleunigungsrennen zu liefern. Heutzutage ist das Hot Rodding eine Art automobiler Subkultur. Die Szene hat sich längst vom Lebensstil der 1950er-Jahre gelöst, ihr haftet allerdings nach wie vor ein gewisses Rebellen-Image an.

Basisfahrzeuge

Die klassische Basis für Hot Rods waren zu Beginn ihrer Zeit ältere Fahrzeuge, wobei die beliebtesten Modelle aus den Jahren zwischen 1932 und 1934 stammten. Die US-Customizing-Szene kennt verschiedene Kategorien, die sich unter anderem durch klar definierte Stilregeln voneinander unterscheiden. Bis zum Baujahr 1949 werden entsprechend frisierte Fahrzeuge als Hot Rods bezeichnet. Das gilt auch für Nachbauten. Original historische All Steel Bodies werden immer seltener und wertvoller.