10. April 2017

Rebellen
der Ess-Klasse

Lifestyle und alte Traditionen, Fine Dining und Subkultur, cooles Design und Retro-Ambiente – klar passt das zusammen. Die Brüder James und David Ardinast lieben Kontraste und mischen mit ihrer Leidenschaft für unverwechselbare Lokale die Frankfurter Gastronomie-Szene auf.

Grüne Marmorwände, rosafarbener Fußboden, eine elegante Bar und dahinter eine rote Glasscheibe für den Blick auf das Küchenteam. Das „Stanley Diamond“ ist Kult im Frankfurter Bahnhofsviertel. „Wir mögen Kontraste, wenn sie sexy sind.“James ArdinastHier gibt es viele Gegensätze – aber genau die sind für James und David Ardinast gerade das Spannende. Die beiden Brüder haben sich als kulinarische Trendsetter einen Namen gemacht. Sie lieben das pulsierende Leben in dem kleinen Frankfurter Stadtteil. „Sicher erwartet hier nicht jeder ein Restaurant dieser Art. Aber das Spiel mit dem Überraschenden hat für uns einen besonderen Reiz. Wir mögen Kontraste, wenn sie sexy sind“, sagt James Ardinast.

Fine Dining mit Himmel und Äd

Dazu gehört auch, was in der Küche gezaubert wird: klassische Hausmannskost als hohe Food-Kunst. Zum Beispiel Himmel und Äd. Im „Stanley Diamond“ wird der Klassiker mit Kartoffelcreme, Granny-Smith-Chutney und Stopflebereis gereicht. „Wir zitieren die Klassiker und bereiten sie kreativ, greifbar und mit regionalen Zutaten zu“, so James Ardinast. Das sieht sein Bruder David genauso: „Kulinarische Identität bedeutet uns viel. Schnelllebigen Trends wie der Molekular- oder Fusionsküche mit ihren schwer nachvollziehbaren Bestandteilen können wir nicht so viel abgewinnen.“


Das Konzept kommt an. Das Lokal in der Ottostraße zieht eine bunte Mischung an: Geschäftsleute aus dem nahe gelegenen Bankenviertel, Familien, Kreative und Touristen aus aller Welt. „Je vielfältiger und lebhafter die Mischung, umso besser“, findet James, der sich besonders über Gäste mit Kindern freut. Die Betreiber sind selbst Väter und wollen auch Kindern zeigen: So toll schmeckt es, wenn einfache, frische Produkte mit Freude und handwerklichem Können zubereitet werden. Das hat auch etwas mit ihrer eigenen Kindheit zu tun.

Stanley Amegee in der Küche des „Stanley Diamond“.
Mit Liebe zum Detail: Stanley Amegee gibt dem Blattsalat mit Walnüssen auf Birnenscheiben den letzten Pfiff.
Im Speiseraum des Restaurants Stanley Diamond in Frankfurt am Main.
Elegant und ein wenig nostalgisch – im „Stanley Diamond“ wird die hohe Kunst klassischer Speisen zelebriert.

Nie mehr Gastronomie – von wegen!

Schon die Eltern und Großeltern haben Restaurants in der Mainmetropole betrieben. Aber als David und James Teenager waren, gab die Familie die Betriebe auf. Der Großvater wies seine Enkel sogar an, zu seinen Lebzeiten nicht mehr in die Gastronomie-Branche zurückzukehren. Doch irgendwann reifte der Wunsch, die unterbrochene Familientradition fortzuführen. Als James seinen jüngeren Bruder vor 15 Jahren anrief und ihm von seiner Gastro-Idee erzählte, zögerte der nicht lange. „Wir sind Familie, beste Freunde, Geschäftspartner – aber auch ganz verschiedene Typen. Wir ergänzen uns, die Stärke des einen gleicht die Schwäche des anderen aus und umgekehrt. Gelegentliche Reibungen sind okay, denn sie geben geschäftliche Impulse und sorgen dafür, dass es zwischen uns nie langweilig wird“, berichtet David.

Etwas Einmaliges schaffen

Bevor die beiden in Frankfurt richtig durchstarteten, studierte James Gastronomie-Wirtschaft an der Boston University, während David sich in London intensiv mit ökonomischen Fragen befasste und danach zwei Jahre in einer Berliner Werbeagentur arbeitete. Trotz ihrer kosmopolitischen Neigung fühlen sich die beiden Mercedes-Benz Fahrer ihrer Heimatstadt eng verbunden. „Hier haben wir die Chance, mit unserer kulinarischen Handschrift etwas Einmaliges zu bieten“, findet James. Wenn man sich im „Stanley Diamond“ umschaut, sehen das viele Gäste genauso.

Bar und Küche des Restaurants Stanley Diamond in Frankfurt am Main.
Hinter der roten Panoramascheibe ist das Reich von Küchenchef Alex Nixdorf (rechts) und seinem Team.