17. März 2016

Faszination
Rollstuhlbasketball

Die BG Baskets Hamburg jagen einen Titel nach dem anderen – die HSV-Rollstuhlbasketballer gehören zu den besten Teams in Deutschland. Das war nicht immer so.

„Das Faszinierende am Rollstuhlbasketball? Es ist eine Mischung aus Basketball und Autoscooter“, lacht Niklas Neuroth. Der 25-Jährige spielte 2010/11 seine erste Bundesliga-Saison, ist heute im erweiterten Zwanziger-Kader der Nationalmannschaft. Vor seinem Skiunfall war er bereits in der Nachwuchs-Bundesliga als „Fußgänger“ aktiv. „Hier in Hamburg ist eigentlich jeder Nationalspieler, nur für jeweils andere Nationen“, erklärt Cheftrainer Holger Glinicki, der auch die Damen-Nationalmannschaft coacht. Nach einem erfolgreichen Sportlerjahr 2015, mit zahlreichen internationalen Siegen, fiebern Team, Verein und Fans nun weiteren Siegen entgegen.

Aufschwung für Rollstuhlsportler

Dies ist sicher ein Ergebnis der Professionalisierung dieses Rollstuhlsports und auch des erhöhten Budgets. „Geld wirft Körbe“, so der Sportliche Leiter Christian Hübenbecker, „wobei Hamburg einen vergleichsweise niedrigen Etat hat.“ Die beste deutsche Rollstuhlbasketballmannschaft RSV Lahn-Dill und Vereine wie Istanbul kommen hier auf ein Vielfaches. „Wenn man in die Playoffs will, braucht man Spitzenspieler von extern.“, so Holger Glinicki.

Früher wurde jahrelang mit lokalen Rollstuhlsportlern gegen den Abstieg gespielt. Für die erste Liga zu schwach, für die zweite zu stark, blieben die Baskets eine echte Fahrstuhlmannschaft. „Heute sind wir professionell aufgestellt, denn bei den vielen Amerikanern und Kanadiern in der Liga hat man sonst keine Chance.“ Für die Amerikaner ist Europa eine attraktive Bühne, denn Deutschland hat einen guten Ruf. „Auch was die Zahlungsmoral der Vereine angeht“, so Christian Hübenbecker. Und so kommen Spieler nun aus Bonn, aus Japan, und mit Robin Poggenwisch war auch „der fliegende Holländer“ dabei, wie ihn seine Mannschaftskameraden respektvoll nennen.

Rollstuhlbasketball Rollstuhlsport Spieler Niklas Neuroth
Nik Neuroth ist seit 2013 bei den BG Baskets Hamburg. Der Zentralspieler war bereits Deutscher Vize-Meister und zweimal Deutscher Vize-Pokalmeister.
Rollstuhlbasketball Rollstuhlsport Basketball

Mercedes – ein starker Partner

Die Mercedes-Benz Niederlassung Hamburg stellt den Rollstuhlsportlern der BG Baskets einen Sprinter sowie ein C-Klasse T-Modell zur Verfügung. „Die werden vorwiegend für die Auswärtsspiele genutzt und sind ein toller Beitrag für den Zusammenhalt im Team“, sagt Christian Hübenbecker.

Trotz ihres professionellen Einsatzes sind viele der Athleten im Team Amateure. Gehen sie einer beruflichen Ausbildung nach, werden die Sportler selbstverständlich vom Vormittagstraining freigestellt. Drei bis vier Mal Teamtraining pro Woche, Krafttraining sowie individuelles Training müssen dennoch sein. „Der Rollstuhlbasketball ist sehr dynamisch geworden, auch durch unsere Hightech-Rollstühle“, sagt Nik Neuroth. „Ein komplett anderer Sport als vor zehn Jahren“, ergänzt Holger Glinicki. Akzeptanzprobleme seitens der „Fußgänger“ erfahren die rollenden Basketballer nicht: Wenn man einmal die Geschwindigkeit, Koordination und Präzision der Akteure beobachtet hat, dann weiß man auch, warum.

Kleine Regelkunde

Im Wesentlichen gelten für Rollstuhlbasketballer dieselben Regeln wie beim „Fußgänger-Basketball“: 5 Feldspieler, 4 x 10 Minuten, der Ball muss binnen 8 Sekunden in der gegnerischen Hälfte sein, für einen Angriff hat die Mannschaft 24 Sekunden Zeit, unter dem Korb gilt die 3-Sekunden-Regel. Das Pendant zum Schrittfehler ist der Schubfehler: Zieht der Spieler mehr als zweimal am Greifring, ohne zu dribbeln, gilt dies als Fehler. Die Spieler dürfen während des Spiels die Spielfläche nicht mit den Füßen berühren. Die funktionale Klassifizierung der Spieler schafft einen Ausgleich zwischen Menschen mit unterschiedlich starker Behinderung. Es wird hierbei je nach Behinderungsgrad zwischen acht Stufen unterschieden. Die Mannschaftsgesamtpunktzahl darf 14 bzw. 14,5 nicht überschreiten.

Mehr Infos zum Rollstuhlbasketball auf http://bgbasketshamburg.de/ und http://www.drs-rbb.de/start.html

Fotos: © Michael Schwartz / MSSP-Sportphoto, © Thorsten Scherz