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Innovationen | Stuttgart - 04. September 2017

Den „Weißen Elefanten“ zähmen

Ein Raunen geht durchs Publikum, das dicht an dicht die legendäre Solitude-Rennstrecke in Stuttgart säumt. Der Mercedes-Benz Typ S ist eine imposante Erscheinung. Vor allem, wenn Jochen Mass am Steuer in voller Fahrt den Kompressor zuschaltet und der „weiße Elefant“ mit infernalischem Trompeten davonstürmt. Wie sich der 90 Jahre alte Rennwagen fährt, verrät Klassiker-Spezialist Mass im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin.

Klassische Autos liegen im Trend. Das bewies auch das Solitude Revival 2017. Massen von Zuschauern jeden Alters strömten zum Rennwochenende an die Naturstrecke im Süden Stuttgarts. Das volle Starterfeld mit historischen Sportwagen und Motorrädern vermittelt authentisch Motorsportgeschichte des 20. Jahrhunderts. Rund 300 Renn-, Sport- und Tourenwagen, Prototypen und Formel-Fahrzeuge sowie Solo- und Gespann-Rennmaschinen waren bei Demonstrationsfahrten auf der Strecke. Mercedes-Benz Classic und viele Privatfahrer ließen dabei sportliche Sterne strahlen.

Der „weiße Elefant“ will gezähmt werden. Beherzt packt Jochen Mass das riesige Holzlenkrad. Der 70-jährige Mercedes-Benz Markenbotschafter ist einer der wenigen Experten, der ein solches automobiles Juwel wie den Mercedes-Benz Typ S von 1927 fährt. Dieses Fahrzeug ist das erste einer Reihe von Kompressor-Sportwagen, die als „weiße Elefanten“ den Motorsport der späten 1920er-Jahre dominieren und Weltruhm erlangen. Das „S“ steht für Sport – und der Name ist Programm: Der erste Renneinsatz, das Eröffnungsrennen auf dem Nürburgring am 19. Juni 1927, endet mit einem Dreifachsieg für Mercedes-Benz. Insgesamt wurden nur 146 dieser Sport- und Rennwagen gebaut. Entsprechend wertvoll ist das hervorragend gepflegte Exemplar, das Mercedes-Benz Classic auf der Solitude an den Start brachte.

Rennfahrerlegende Sir Stirling Moss beschreibt Jochen Mass als „einen Fahrer mit einem enormen Gefühl für Rennwagen und mit hohem Sachverstand, der mit der Renngeschichte aller Epochen vertraut ist“. Kein Wunder, dass Jochen Mass Fahrer für Mercedes-Benz Classic bei historischen Veranstaltungen ist – ob im Silberpfeil W 125 oder im SSK. Im Interview beschreibt er den Ritt auf dem „weißen Elefanten“.

Herr Mass, was macht den Reiz aus, einen 90 Jahre alten Sportwagen auf einer Originalrennstrecke von damals zu fahren?

Sie müssen sich vorstellen: Die Mercedes-Benz Typ S waren die Superautos ihrer Zeit. Sie zeigen das Optimum, das die Konstrukteure damals aus der Technologie und dem Material produzieren konnten. Es gab nichts Schnelleres. Das spürt man noch heute. Als Fahrer noch viel intensiver als die Zuschauer. Es macht einen Riesenspaß.

Sie sind ausgewiesener Klassiker-Spezialist, was zeichnet Ihren Fahrstil aus?

Als Fahrer brauchen Sie ein ausgeprägtes Gefühl für solche Autos. Das alte Material fährt man so, wie es die Fahrer schon zu ihrer Zeit gemacht haben. Wenn ich einsteige, muss ich mich mit dem Charakter des Fahrzeugs anfreunden und mich in die Zeit zurückversetzen.

Gibt es Spezielles, auf das Sie sich einstellen müssen?

Bei einem Sportwagen aus den 1920er-Jahren wie diesem Kompressor-Mercedes befindet sich das Gaspedal zum Beispiel in der Mitte, das Bremspedal ist rechts. Man hat dieses riesige Holzlenkrad, das Getriebe ist nicht synchronisiert, und die Wirkung der Trommelbremsen ist mit heutigen Bremsen nicht vergleichbar. Aber das alles wird nach den ersten Metern zu einer Selbstverständlichkeit. Der Typ S fährt sich tatsächlich sehr angenehm. Die Leistung ist beeindruckend.

Als Zuschauer hat man schon den Eindruck, dass es ein Kampf ist, einen solchen Klassiker zu steuern ...

Wenn Sie ein Auto am Limit bewegen, bedeutet das immer vollen Einsatz. Das ist in einem modernen Rennwagen nicht anders als in einem solchen Mercedes-Benz von 1927. Dabei reizt man bei den Demonstrationsfahrten hier auf der Solitude das eigentliche Potenzial nicht einmal aus. Wir nehmen Rücksicht auf die Technik, ein so wertvolles Fahrzeug soll ja nicht beschädigt werden.

Wie groß ist Ihr Respekt vor den damaligen Rennfahrern?

Das waren wirkliche Könner, die mit diesen Supersportwagen umgehen konnten und das Beste aus ihnen herausgeholt haben. Man muss sich nur die Geschwindigkeiten vor Augen führen, die in dieser Zeit erreicht wurden. Der Kurs ist sehr anspruchsvoll. Und nicht zu vergessen: Der Streckenbelag war damals viel welliger und rutschiger. Das habe ich in meiner aktiven Zeit auch noch erlebt. Der Nürburgring 1985 war mit einer heutigen Rennstrecke nicht zu vergleichen.

Solitude Revival 2017 Mercedes-Benz Interview Jochen Mass
Jochen Mass fuhr in seiner Karriere Formel-, Sport- und Tourenwagen, bestritt 105 Grand Prix, startete im Mercedes-Benz 500 SLC bei der Rallye Paris–Dakar und wurde im Silberpfeil Sauber-Mercedes C9 1989 Le-Mans-Sieger und Vizeweltmeister.
Wie erleben Sie die Veranstaltung auf der Solitude?

Die Solitude ist für uns Fahrer eine herrliche Naturrennstrecke. Für das Publikum gibt es viel zu sehen. Man ist mitten in der reizvollen Landschaft. Streckenverlauf, Kurven und Topografie sind interessant, und der Kurs hat eine schöne Länge. Ich bin zum ersten Mal hier und echt begeistert. Hochachtung habe ich vor den Organisatoren, die die Tradition dieses alten Rennkurses lebendig halten. Sie machen einen tollen Job und stellen eine hochkarätige Veranstaltung auf die Beine. Der gute Zuspruch der Fahrer und der Zuschauer beweist das. Hier herrscht eine tolle Stimmung.

Im Fahrerlager und im Publikum sieht man auch viele junge Fans. Ist Klassiker-Rennsport generationsübergreifend?

Die Entwicklung der jungen Szene ist logisch. Einen Youngtimer kann man für relativ wenig Geld zu einem Sportwagen machen. Der Mercedes-Benz 190 E ist ein gutes Beispiel. Es macht einen Heidenspaß mit solchen Fahrzeugen, die gehen richtig gut. Und wenn man nicht gerade eines der Evo-Modelle nimmt, bleibt auch das Budget im Rahmen. Es müssten nur mehr Möglichkeiten geschafften werden, dass jüngere Piloten auf Rennstrecken in einem vernünftigen, sicheren Umfeld Erfahrungen sammeln können. Hier braucht es mehr Engagement. Wenn ich überlege, wie früher am Wochenende auf Flugplätzen mit ein paar Strohballen schöne Strecken aufgebaut wurden. Da konnten wir uns austoben und sind tolle Rennen gefahren. Solche Möglichkeiten abseits des öffentlichen Straßenverkehrs fehlen heute.

Wie gefällt Ihnen das Solitude Revival?

Es ist eine fantastische Veranstaltung auf einer wunderschönen Strecke.