07. Juli 2017

Couture
aus dem Veedel

In der Kölner Palmstraße sind kleine Mode-Oasen entstanden. Talentierte Unternehmerinnen verwirklichen dort heute ihre Träume. Dazu gehört zum Beispiel das Trio Fenja Ludwig, Anke Lönne und Saskia Willich – eine Modeschöpferin und die Betreiberinnen des Sneaker-Stores Alma.

Die Junisonne steht schon tief, die Ornamente der Gründerzeitfassaden werfen lange Schatten. In der Flucht der Palmstraße heben sich die Türme des Kölner Doms noch strahlend vom blauen Himmel ab, und in einer Hofeinfahrt spielt ein DJ entspannten elektronischen Sound. Vor dieser Kulisse stoßen Fenja Ludwig, Anke Lönne und Saskia Willich mit der Moderatorin Pari Roehi mit einem Cocktail auf den gelungenen Tag an. So schön kann Köln sein.

Mode trifft Straße

Die Modeschöpferin Fenja Ludwig und die beiden Gründerinnen des Sneakerstores Alma haben im Anschluss an das beliebte Mode-Event „Le Bloc“ ein kleines Festival in der Palmstraße organisiert. Freunde sind mit ihren Kindern gekommen, „Le Bloc“-Besucher und Laufkundschaft schauen vorbei. „Köln ist eine bunte Stadt, aber keine klassische Mode-Metropole“, sagt Fenja Ludwig, Besitzerin der Modemanufaktur Ludwig. Es fehle an Räumen und Entfaltungsmöglichkeiten für Kreativität, man müsse sich die Nischen suchen. „Le Bloc ist zwar etabliert, aber einmal im Jahr ist einfach zu wenig. Solche Events müsste es häufiger geben.“ Wenige Stunden zuvor, bei der Modenschau von Le Bloc, liefen acht Models mit Entwürfen aus ihrer Manufaktur über den Catwalk. Dieser war bei der neunten Auflage von Le Bloc in der Kirche St. Michael am Brüsseler Platz aufgebaut worden – eine stimmungsvolle Inszenierung zwischen klassischer Chormusik und modernen Kleidungsstilen. Auch Moderatorin Pari Roehi, bekannt als erstes Transgender-Model in einer großen TV-Casting-Show, trug ein weißes Kaftan-Kleid von Fenja Ludwig mit dem typischen Taubenmotiv als Applikation.

Der neue Mercedes-Benz GLA spiegelt sich in einem Schaufenster bei Le Bloc.
Mercedes-Benz Köln/Leverkusen war mit den PEAK Modellen bei Le Bloc im Belgischen Viertel vertreten.

Geschäftig in der Palmstraße

Haute Couture trifft Eau de Cologne

„Köln und Deutschland generell fehlt Eleganz im Alltag. Es muss meistens nur praktisch sein. Aber wieso nicht schön zugleich?“, fordert die Designerin mit Meisterbrief. Ihren Stil bezeichnet Fenja Ludwig als „Couture de Cologne“, was man mit handwerklich hochwertiger Schneiderkunst für die Straße übersetzen kann. „Ich möchte mit meinen Schnitten eine legere Selbstverständlichkeit an die Frau bringen. Das darf gerne auch etwas sportiv sein.“

Zusammen mit einer Auszubildenden produziert sie in ihrer kleinen Manufaktur alle Stücke in Handarbeit. Die Inspirationen für ihre Designs entspringen häufig der Mode der berüchtigten New Yorker Disco-Ära in den späten 1970er-Jahren. Ihren meist fließenden Kreationen und bunten Jumpsuits verleihen die Sneaker von Alma nochmals einen sportlich-modernen, urbanen Touch.

Frauenfuß trifft Turnschuh

„Sneaker sind in unserem schnelllebigen Alltag einfach der perfekte Schuh für jede Gelegenheit“, sagt Anke Lönne, die zusammen mit ihrer Freundin Saskia Willich Ende 2016 Kölns ersten Sneaker-Store für Frauen- und Kindergrößen eröffnete. Das Geschäft befindet sich in der Palmstraße gleich gegenüber der Modemanufaktur und ist – passend zu den dortigen Styles aus den wilden 1970ern – in einer ehemaligen Animierbar beheimatet. „Ich habe früher schon immer aus Fenjas Laden herübergeschaut, mich aber nie getraut, in den Schuppen reinzugehen“, erzählt Anke Lönne. „Als er dann frei wurde, haben wir einfach gefragt.“ Und dann ein Geschäft mit coolen und häufig nachhaltig produzierten Turnschuhen eröffnet. „Alle Schuhe, die ich toll fand, gab es immer erst ab Größe 41“, beschreibt Anke Lönne ihre zündende Idee für Alma.

„Ich bin gegen Mode, die vergänglich ist. Ich kann nicht akzeptieren, dass man Kleider wegwirft, nur weil Frühling ist.“Coco Chanel, Mode-Ikone

Zwanglosigkeit trifft Eleganz

Praktisch, aber schön zugleich – diese Maxime verbindet die Modemanufaktur Ludwig mit dem Sneaker-Store Alma. „Es ist mit der Mode wie mit den Häusern hier in der Palmstraße“, erklärt Fenja Ludwig und weist auf das 1950er-Jahre Gebäude zwischen den Gründerzeithäusern. „Mein Vater, der Architekt war, hat sich schon immer über die Nachkriegsbauten in Köln aufgeregt. Es musste damals schnell gehen und praktisch sein. Dabei sind es die einzigartigen Altbauten, die uns noch heute begeistern.“

Die Gewinnerinnen eines Mercedes-Benz Preisausschreibens machen ein Selfie.
Lisa Hofmann (r.) und ihre Freundin Madeleine Burkard hatten bei einem Preisausschreiben der Mercedes-Benz Niederlassung Köln/Leverkusen auf Facebook Tickets für die Modenschau gewonnen und genossen den Tag bei Le Bloc.

„Heilige“ Mode am Brüsseler Platz

Ein Ballon trägt das Logo von Le Bloc.
le bloc – Mode und Design
  • Der Anfang: Im Juni 2009 startete das Kölner Magazin StadtRevue im Belgischen Viertel ein Fest mit dem Thema: „Mode und Design“ – ein quirliges Spektakel, das Mode als Kunst- und Alltagskultur an seinem Entstehungsort den Besuchern nahebringt.
  • Das Logo: Das grüne Emblem von Le Bloc stellt einen Umriss des Straßenplans mit den vier Hauptmeilen des Veedel-Events dar: Antwerpener, Brüsseler, Maastrichter und Brabanter Straße – den Block.
  • Die Idee: Rund 50 Künstler, Musiker, Designer und andere Kreative, die in vielen kleinen Ladenlokalen des Belgischen Viertels ihre Geschäftsideen verwirklichen, zeigen in Hinterhöfen, Pop-up Stores, Werkstätten und Ladenlokalen an einem Tag von Mittag bis Mitternacht ihr Schaffen.
  • Die Modenschau: Traditioneller Höhepunkt der Veranstaltung ist die Modenschau mit Entwürfen lokaler Designer und internationaler Gäste. 2017 fand sie unter dem Motto „Diversity“ erstmals in der Kirche St. Michael am Brüsseler Platz in Köln statt.