06. Februar 2017

Der Trend ist tot,
es lebe der Trend!

Die Trendzyklen in Mode und Design werden immer kürzer. Wer im vergangenen Jahr seine Wohnung noch in angesagte Kupfertöne getaucht hat, gehört 2017 womöglich schon wieder zum alten Eisen. Also, wohin geht die Reise beim Interieur? Eine Spurensuche am Rande der Möbelmesse imm cologne.

Die Suche nach dem nächsten einflussreichen Trend, der mit seiner Form und Ausprägung Millionen begeistert – das ist der heilige Gral der Designbranche. Allerdings ist er immer schwieriger zu finden. Denn in der Szene spiegelt sich eine gesamtgesellschaftliche Tendenz, die zu einer enormen Kleinteiligkeit führt. Als „Granulare Gesellschaft“ bezeichnet Soziologe Christoph Kucklick dieses Phänomen. Für die Möbelindustrie bedeutet das: Individualität statt Massengeschmack, Einzelteile statt Möbel von der Stange. Ständiger Wandel ist das Credo. Die Digitalisierung und neue Fertigungstechniken wie der 3-D-Druck machen es möglich.

Mit anderen Worten: Jeder Geschmack findet seinen Trend. Und jeder Trend erzeugt wieder einen Gegentrend. Für Julia Greven, Beraterin für die Möbelindustrie, ist deshalb Inspiration wichtiger als jeder Trend. „Egal ob alt oder neu, ob kalte Oberflächen oder organische Materialien – alles existiert nebeneinander“, analysiert die Trendforscherin. Der Reiz liegt in der Spannung des Gegensätzlichen.

Zeitgemäß arbeiten im Wertheim

Was den kurzlebigen Trends standhält, wird irgendwann das Prädikat Designklassiker erhalten – wie zum Beispiel der Plastic Armchair von Charles und Ray Eames. Einige Zuhörer von Julia Greven sitzen in eben jenem Schaukelstuhl in dem Foyer des Coworking Space und Boardinghouse „Wertheim“ am Kölner Hansaring. Das restaurierte Stadthaus von 1886 ist der perfekte Ort für Grevens Vortrag, denn hier treffen bereits ganz unterschiedliche Stile zusammen. Das Ergebnis: ein erfrischend modernes Ganzes. Ein junges Team um Gründer Oliver Struch hat mit dem Wertheim mit viel Engagement und in Kooperation mit Möbelhersteller Vitra ein in Köln einzigartiges Projekt realisiert.

Julia Greven erläutert die von ihr aufgespürten Trends für 2017.
Julia Greven spürt mit ihrer Agentur „philla BrandXitement“ aktuelle Trends auf internationalen Messen und Ausstellungen auf.

Nach einer durch Denkmalschutz- und Brandschutzauflagen geprägten Umbauphase stehen Firmen und Kreativen seit August 2016 nun eine Eventfläche, mehrere Seminar- und Büroräume sowie zwei möblierte Business-Apartments zur Verfügung. Darin findet die von Julia Greven beschriebene Co-Existenz von verschiedenen, teils konträren Stilen ihre Verwirklichung. Das imposante Treppenhaus aus dunkler Eiche beherbergt zeitgenössische Kunst, die Räume der „Belle Etage“ mit ihren Holzvertäfelungen stecken voller Konferenztechnik, das antike Gründerzeitsofa steht neben modernen Korkhockern und dem Alcove Highback von Vitra, der Arbeit auch im Lounge-Stil ermöglicht. „Wichtig ist uns die Idee eines offenen Hauses, das alle willkommen heißt, in dem sich alle wohlfühlen und das einen Rahmen für Kreativität und Produktivität darstellt“, sagt der 37-jährige Geschäftsführer Struch. „Es soll ein wertvolles Heim sein. Ein Wertheim eben.“

„Mode ist vergänglich, Stil niemals.“ Coco Chanel, Mode-Ikone

Trends von der imm cologne für 2017

Farben

Grün in sämtlichen Nuancen ist die bestimmende Farbe der Saison. In ihr drückt sich die Sehnsucht nach mehr Nähe zur Natur aus, wie Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie bestätigt: „Die Städter haben Land- und Wanderlust und ein Bedürfnis nach tiefem Luftholen in einer atemlosen Gesellschaft.“ Außer Grün erleben Abstufungen von Grau sowie gedämpfte Farben und Pastelltöne, teils mit Texturen, einen Aufschwung.

Materialien

Natürlichkeit und Haptik sind die Stichwörter bei den Materialien. Nach wie vor ist Holz en vogue, gerne naturbelassen als großer Esstisch oder bei Regalen kombiniert mit Metall. Gefragt sind zudem Stücke im alpinen Stil und mit Nostalgie-Charakter. Marmor bleibt ebenfalls angesagt, genauso wie organische Oberflächen aus Rattan, Kork, Hanf, Wolle oder Filz, Samt oder Velours. Sogar gewebte Wandteppiche bekommen ihre Chance.

Möbel

Die Vermischung von Arbeits- und Wohnwelt wird besonders bei den Möbeln deutlich. Büro-Umgebungen gleichen heute eher einem Zuhause oder einem Boutique-Hotel. Bei immer weniger Wohnraum in den Ballungsräumen werden Möbel zudem kleiner und smarter. Mehrere Funktionen in einem Stück, ausfahrbare Schränke oder klappbare Tische waren auf der imm cologne 2017 häufig zu sehen.

Das Treppenhaus im Wertheim verführt mit Stuck, Eichenholz und Säulen.

Wertheim Boarding House GmbH

Hansaring 12
50670 Köln

Telefon: 0221 177 347 00
hallo|wertheim-cologne.de
www.wertheim-cologne.com