05. Juli 2017
Lifestyle | Frankfurt/Offenbach

Ein Sneaker-Märchen

Die Leidenschaft zum Beruf machen – Wunschdenken vieler junger Gründer auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Zwei Turnschuh-Sammler haben es gewagt – mit einem guten Bauchgefühl und einer noch nie dagewesenen Verkaufsstrategie für Sneaker. Das Konzept kommt an, die zwei Ladengeschäfte „43einhalb“ boomen. Ein Sneaker-Märchen.

Es waren einmal zwei Jungs aus Fulda. Die hatten eine gemeinsame Sammelleidenschaft: Turnschuhe. Immer auf der „Jagd“ gehörten Oliver Baumgart und Mischa Krewer stets zu den Ersten, die wussten, wann und wo es angesagte Schuhe zu „erbeuten“ gab. Als sich ihre beruflichen Wege trennten, riefen die Freunde 2004 ein kleines Online-Magazin ins Leben, tauften es auf den Namen „Sneakerized“. Über diese Plattform hielten sie sich regelmäßig über neue Sneaker-Modelle, Releases und Brands up to date. Es dauerte nicht lange, da wurden erste Gleichgesinnte auf das junge Online-Portal aufmerksam. Erst waren es 10, dann 20, dann ein paar 1.000 Leser täglich, die den beiden Sneaker-Experten folgten. Das kleine Magazin wuchs schließlich heran: zu einem stark frequentierten Sneaker-Blog – mit einer internationalen Reichweite.

Die Gründer von 43einhalb Sneaker Store aus Frankfurt
Mischa Krewer (links) und Oliver Baumgart sind bis heute noch „ihre eigene Zielgruppe“.
Im Store von 43einhalb aus Frankfurt hält ein Mann einen Sneaker.

43einhalb – born in Fulda

Mit der Reichweite wuchs das Interesse der Hersteller. Die großen Marken versorgten die Sneaker-Freunde fortan mit brandheißen Fakten rund um die neuen Sneaker-Trends, damit die beiden darüber berichteten. „Wir sind zu einem Teil der Turnschuh-Kultur geworden, waren auf Europas Messen eingeladen und konnten Beziehungen zu großen Stores aufbauen“, schwärmt Mischa noch heute. 2011 machten er und sein Kompagnon Olli – beide ursprünglich aus der Werbebranche – sich selbstständig, eröffneten in Fulda ihr eigenes Sneaker-Geschäft mit Online-Shop. 2016 folgte der „große Bruder“, ein zweiter Store in der Mainmetropole – mit einem ungewöhnlichen und ausgeklügelten Konzept, das Sneaker-Fans aus aller Welt anlockt …

Die Turnschuh-Oase von 43einhalb

Woher kommt das Sneaker-Fieber?

Mischa: Ich habe vor 15 Jahren damit angefangen, Turnschuhe zu sammeln – da ist eine Leidenschaft gewachsen. Olli ist quasi „in“ dem Schuhgeschäft seiner Großeltern aufgewachsen. Der Bezug war immer schon da – und der Traum, mal etwas Eigenes daraus zu machen. Wir haben dann, schon beinahe aus einem egoistischen Ansatz heraus, gesagt: Machen wir doch einen kleinen Turnschuh-Laden in unserer Heimatstadt auf!

Und woher der große Hype um eure Läden – gibt es doch Sneaker-Stores wie Sand am Meer?

Gerade weil das so ist, wollten wir uns davon abgrenzen, ganz nach unserem Konzept: „We don’t sell sneakers – we sell stories!“ Uns und unseren Kunden sind die speziellen Geschichten hinter den Turnschuh-Modellen, die wir im Sortiment haben, wichtig. Wir klären darüber auf, was sich die Designer dabei gedacht haben und was es beispielsweise auch für zeitliche Einflüsse gab. Außerdem führen wir limitierte Sammler-Editionen, die aus der Zusammenarbeit mit Künstlern, Musikern und Brands entstanden sind. Vor Kurzem hatten wir zum Beispiel eine mit Stihl – „IStihlloveyou“ – und haben dafür eigene Motorsägen mit einem Schuh zusammen herausgebracht. Für die Storys gibt es ganz unterschiedliche Ansätze …

Wie kam es dazu, dass sogar die großen Marken euch mit ins Boot holen, noch bevor sie neue Kampagnen offiziell starten?

Für uns war von Anfang an klar: Wir sind nicht einfach Sportschuhhändler mit Funktionsschuhen. Für uns hat das Thema Turnschuh eine ganz andere Relevanz – es ist eher eine Art Kulturgut! Und das kam auch bei den Herstellern gut an. Wir lassen uns nicht auf den üblichen Preiskampf ein, wir setzen auf Emotionen und individuelle Geschichten.

„Frankfurt ist in Mitteldeutschland für die Sneaker-Kultur die wichtigste Stadt.“Mischa Krewer, 43einhalb

Die Gründer des 43einhalb Sneaker Store in Frankfurt
Und daraus entstehen dann große Events rund um den Sneaker und seine Story ...

Absolut! Wenn man heute auf sich aufmerksam machen möchte, muss man was Besonderes anbieten. Wir veranstalten Beziehungsevents, auf denen wir mit Leuten in Verbindung treten. Unser Credo ist, dass wir nur Events veranstalten, die wir selbst auch besuchen würden. Das ist unsere Maxime. Zu Beginn haben wir sie eher aus dem Bauchgefühl heraus bewertet, haben sie mit Freunden, Bekannten und Geschäftspartnern umgesetzt. Irgendwann kamen die Anfragen der Marken. So hat es sich im Laufe der Zeit ergeben, dass wir auch regelmäßig Events und Feiern mit den Herstellern ausrichten, wie Neueinführungen von Kollektionen, um diese erlebbar zu machen. Auf denen man nicht unbedingt verkaufen, sondern eine Geschichte erzählen will. Und eine gute gemeinsame Zeit zusammen haben möchte.

Wie sucht ihr euer Angebot aus? Wählt ihr euer Sneaker-Sortiment selbst aus?

Ja, wir haben ein Team aus drei Einkäufern, die auf Messen unterwegs sind und bei den Herstellern. Wir suchen eine Mischung aus „kommerziellen“ Modellen und besonderen Kampagnen, die wir aktivieren wollen. Hier geht es ganz klar um den Inszenierungsansatz, weil wir für die Marken auch ein bisschen als Versuchskaninchen fungieren: Wir probieren ganz neue Konzepte aus. Und wenn die bei uns im Kleinen funktionieren, werden sie vielleicht im Großen ausgerollt. Es ist ein sehr partnerschaftliches Verhältnis, durch das wir schon Einblicke in Kampagnen von 2018 und 2019 bekommen – das ist ziemlich spannend.

Sicherlich hängt euer „Durchbruch“ auch damit zusammen, dass der Sneaker mittlerweile salonfähig geworden ist?

Klar, zu Beginn waren unsere Kunden eher die Informierten, die Spezialisten, die „Sneakerheads“. Der Wandel kam durch den enormen Sneaker-Trend im Jahr 2012.

Warum Frankfurt?

Frankfurt ist in Mitteldeutschland für die Sneaker-Kultur die wichtigste Stadt. Als Teenager sind Olli und ich selbst immer hergefahren zum legendären „Sneakerking“ – einer der besten Stores in ganz Europa. Gerade durch den Einzugsbereich, den internationalen Stellenwert mit dem Flughafen, ist der Marktplatz ideal für die Hersteller und Marken. Und dann der Glücksgriff mit unserer Location: dem Nitribitt-Haus. Das Viertel hat ein besonderes Flair mit viel Gastronomie drum herum. Und das alles in einem denkmalgeschützten Haus mit Geschichte, das ist eine tolle Story!

Mischa vom 43einhalb Sneaker Store in seinem Auto
Mischa Krewer legt nicht nur bei seinen Sneakern Wert auf die Geschichte: „Es war schon lange mein Traum, einmal im Leben eine S-Klasse zu besitzen.“ Seinen Mercedes-Benz W 126 S 300 taufte er auf den Namen „Helmut“, da in dieser Modellreihe die beiden Altkanzler Schmidt und Kohl chauffiert wurden.
Das Logo des Sneaker Store von 43einhalb in Frankfurt
Das Unternehmen
  • Gründung:

    Mischa Krewer und Oliver Baumgart haben die 43einhalb GmbH 2011 mit ihrem ersten Sneaker Store und Online-Shop in Fulda gegründet. Mittlerweile besteht das Team aus 56 Angestellten, darunter Werbe-Fachleute, Videografen, Fotografen, Social-Media- und SEO-Experten.

  • Online-Shop:

    Über ihre sozialen Medien wie Facebook, Instagram und den eigenen Blog ist der Sneaker Store „43einhalb“ in der ganzen Welt bekannt geworden und verschickt über den Online-Shop Schuhe in über 100 Länder weltweit.

  • Events:

    Mit aufwendig inszenierten Events rund um Kampagnen großer Hersteller, limitierten Sammler-Editionen und eigenen kreativen Marketing-Aktionen lockt „43einhalb“ Sneaker-Fans und Sammler regelmäßig in ihren Store in Frankfurt am Main.