09. Januar 2018
Lifestyle | Köln/Leverkusen

Barber Papa

Der Barbershop Cologne von Marco Marciano kauft so manchem Kölner Wettbewerber den Schneid ab. Das liegt an der Handwerkskunst der Barbiere vom Belgischen Viertel, an der detailverliebten Einrichtung – und nicht zuletzt an Marciano selbst, einem echten Original.

Marco Marciano – schon der Name klingt in deutschen Ohren virtuos. Wie Marcello Mastroianni. Oder Rocky Balboa. Filmreif wäre das Leben des Sohns einer Deutschen und eines Italieners auf jeden Fall. „Ich habe schon vieles ausprobiert“, sagt der Mitvierziger aus Remscheid. Kfz-Mechaniker, Zeitsoldat bei der Marine, Psychobilly, Immobilien-Kaufmann, Footballspieler, Kampfkünstler – und zudem dreifacher Vater. Sein aktuell liebstes und sehr erfolgreiches berufliches Projekt ist bislang definitiv Kölns coolster Barbershop, beheimatet im Belgischen Viertel. „Das war lange mein Traum. Ich habe schon in den 1980er-Jahren meinen damaligen Freunden aus der Psychobilly-Szene die Haare geschnitten“, erzählt er. Irgendwann hat Marciano sich dann mit Gleichgesinnten zusammengetan und aus dem Hobby eine Berufung gemacht. Seit 2014 führt er nun in Köln einen Salon, der sich gewaschen hat. Aktuell beschäftigt er zwei Meister, einen angehenden Meister, zwei Gesellen und eine Aushilfe.

Cool in Cologne

Hier im Barbershop Cologne darf das Klischee noch ausgiebig Klischee sein: lässige Barbiere mit Schnäuzern und Tattoos, bunte Weißblechbüchsen mit Pomade, buschige Rasierpinsel aus Dachshaar, schwarze Steckdosen aus Bakelit. Die ausschließlich männlichen Kunden werden begrüßt mit 1950er-Jahre-Swing-Jazz und italienischem Bier aus dem Retro-Kühlschrank. Und an den mintgrünen Wänden wachen legendäre Showgrößen in Bilderrahmen über das Geschehen. „Jedes Detail ist wichtig, wenn man Qualität liefern möchte.“

Marco Marciano ist stolz auf seine Detailverliebtheit.
Die Friseurstühle sind selbstverständlich Originale aus einer italienischen Manufaktur.

Details bis ins Kleinste

Da wäre zum Beispiel der alte Apothekerschrank, der in seinem zweiten Arbeitsleben im Barbershop Cologne als Kassentheke und Friseurtisch dient. „Für diesen Schrank sind wir extra in die Schweiz gefahren, um ihn abzuholen.“ Der große Wandschrank zur Linken ist hingegen neu und ein Entwurf von ihm selbst. „Den habe ich von einem befreundeten Schreiner bauen lassen, mit Glasvitrine und integriertem Waschplatz. Ich hatte nichts Adäquates gefunden, was dort hinpasste.“ Customized ist das Stichwort, also gute Produkte durch individuelle Veränderungen noch besser und einzigartiger zu machen. So sind die Backsteine an der rechten Wand zum Beispiel nicht alle ganz auf Linie gesetzt. „Ich wollte, dass sie etwas schief sind, damit man sieht, dass sie von Hand verlegt wurden“, erzählt Marciano mit spitzbübischem Grinsen. Aus seiner Detailverliebtheit resultieren zudem auf Putz verlegte Kupferrohre für die Stromkabel – und natürlich die antiken Friseurstühle aus Italien.

Das Team des Barbershop Cologne steht für Qualität.
Marco Marciano (Mitte) und sein Team: Barbiere aus Leidenschaft.

Entweder original oder originell

„Das Modell heißt ‚Americano‘. Das ist noch klassische Wertarbeit. Den bekommst du nicht klein, aber das hat auch seinen Preis“, sagt Marciano. Ein anderer Stuhl ist sogar eine originelle Spezialanfertigung: Die Karosserie einer alten Vespa diente bei ihm als Grundlage für den Korpus. Platz nehmen dürfen in dem Stuhl allerdings keine Frauen – von Fotoshootings einmal abgesehen. Denn im Barbershop Cologne herrscht ansonsten striktes Damenverbot. „Bei uns bleiben die Männer unter sich. Basta!“

Der Barbershop Cologne und Marco Marciano sind häufig in den Medien. Hier gibt der „Barbier von Colonia“ einer Marke für Bartpflege-Produkte ein Interview.

Do the Bart, Man!

Trend

Der Bart feiert seit einigen Jahren ein rauschendes Comeback. Sogar Gedichte haben Poetry-Slammer schon auf ihn geschrieben. Ein durchschnittlicher Modetrend dauert maximal etwa zehn Jahre an. Das Gute für alle Barbiere: Der Bart wächst ein (Männer-)Leben lang.

Popularität

Der Bart steht für Männlichkeit und hat viele Facetten. Er ist nur dann typgerecht, wenn er die Gesichtslinien des Mannes harmonisch ergänzt und unterstreicht. Etwa zwei Drittel der deutschen Männer rasieren sich nicht täglich. Vor allem der Dreitagebart ist beliebt.

Tradition

Schon im Mittelalter gab es den Beruf des Barbiers, allerdings hatte er da noch weniger mit Wohlfühl-Atmosphäre und mehr mit Handwerk zu tun, denn neben dem Rasieren waren die professionellen Messerschwinger zum Beispiel auch für das Zähneziehen zuständig.

(B)Artenreichtum

Ein Vollbart wird nicht rasiert, sondern getrimmt oder frisiert. Es gibt auch durchgestylte Varianten. Der Schnauzbart ist etwas für Nostalgiker, der Kotelettenbart für Romantiker. Der Kinnbart ist lässig. Für Experimentierfreudige empfehlen sich Variationen.