Erstelle Deine persönliche Artikelsammlung. Wähle die Schlagworte, die Deinen Interessen entsprechen.
+
Auswahl anzeigen

Alle Tags

Innovationen

Digitalisierung
E-Mobilität
Car-Sharing
Autonomes Fahren
Assistenzsysteme
Sicherheit

Reise

Städtetrip
Essen & Trinken
Shopping
Mobilität
Abenteuer
Kultur

Events

Ausstellung
She's Mercedes
Fahrertraining
Roadshow
Pop-Up Store
Ausfahrt

Lifestyle

Nachhaltigkeit
Design
Start-Up
Kult

Menschen

Pionier
Produktexperte
Markenbotschafter
Kunst
Soziales Engagement
Mode

Sport

Well-Being
Golf
Reiten
Tennis
Motorsport
Fitness

Innovation

Fahrzeugklassen

  • #A-Klasse
  • #AMG GT
  • #B-Klasse
  • #C-Klasse
  • #CLA
  • #CLS
  • #E-Klasse
  • #EQ
  • #G-Klasse
  • #GLA
  • #GLC
  • #GLE
  • #GLS
  • #Klassiker
  • #Maybach
  • #Nutzfahrzeuge
  • #S-Klasse
  • #SL
  • #SLC
  • #Smart
  • #V-Klasse
  • #X-Klasse
Lifestyle | Stuttgart - 25. April 2019

Bertha Benz – die Pionierin des Automobils

Es begann mit der kühnen Spritztour von Bertha Benz im Jahr 1888 – das war die Initialzündung für das Automobil. Doch wer genau war diese erste Frau am Steuer? Anlässlich ihres 170. Geburtstags gehen wir auf Spurensuche und treffen auf eine mutige Frau, die ihrer Zeit weit voraus war.

Der Spot: „Bertha Benz: Die Reise, die alles veränderte“.

Sie hat Automobilgeschichte geschrieben: Auf der Fahrt von Mannheim nach Pforzheim hat sie der Welt bewiesen, dass die Erfindung ihres Mannes Carl die Zukunft der Mobilität ist. Doch man weiß relativ wenig über die Frau, die 1888 die erste motorisierte Überlandtour der Weltgeschichte wagte und damit dem Automobil zum Durchbruch verhalf. Wer war Bertha Benz? Was hat sie angetrieben? Anlässlich ihres 170. Geburtstags am 3. Mai sprechen wir mit einer Frau, die sich eindringlich mit ihr beschäftigt hat. In den vergangenen zwei Jahren ist Schauspielerin Susanne Theil für das Live-Hörspiel „Mein Traum ist länger als die Nacht“ in die Rolle der Bertha Benz geschlüpft.

Frau Theil, wie fühlt es sich an, auf dem Gefährt zu sitzen, mit dem Bertha Benz Automobilgeschichte geschrieben hat?

Es zeigt mir einmal mehr, was für eine mutige Frau Bertha war. Wahnsinn! 104 Kilometer hin und noch mal 90 Kilometer zurück auf dieser schmalen Sitzbank, mit einem knatternden Motorwagen und ohne richtiges Lenkrad. Geeignete Straßen und Schilder gab es nicht. Das war kein bequemes Fahren und obendrein eine waghalsige Tour von Mannheim nach Pforzheim und wieder zurück. Außerhalb Mannheims durfte der Wagen nicht fahren und auch die Leute am Wegesrand empfingen Bertha nicht jubelnd. Viele blieben am Straßenrand mit offenen Mündern stehen, bekreuzigten sich und beschimpften Bertha sogar.

... und riefen: „Da ist ja eine Frau obbe!“

Dass eine Frau so eine abenteuerliche Fahrt machte, das war etwas völlig Neues. Im 19. Jahrhundert hatten Frauen nahezu keine Rechte, sollten sich um Haus, Hof und Kinder kümmern und waren von der höheren Bildung weitestgehend ausgeschlossen. Bertha aber verstieß gegen alle gesellschaftlichen Konventionen. Sie glaubte an sich und die Möglichkeit, alles schaffen zu können. Bertha Benz war unglaublich modern und atypisch für ihre Zeit.

Haben Sie eine Erklärung dafür?

Sie findet sich womöglich in einem Satz, den sie zufällig liest. Als Cäcilia Bertha Ringer am 3. Mai 1849 in Pforzheim zur Welt kommt, ist die Enttäuschung groß. Das dritte Kind von Auguste Friederike Ringer und ihrem Mann, dem wohlhabenden Zimmermeister Karl Friedrich Ringer, ist „leider wieder nur ein Mädchen“, wie der enttäuschte Vater in die Familienbibel einträgt. Jahre später, als längst auch der erwünschte Stammhalter plus weitere Söhne und Töchter geboren sind, entdeckt Bertha diesen Eintrag und nimmt sich vor, „der Mutter zu beweisen, dass auch ein Mädchen etwas leisten und tun konnte, das außergewöhnlich war, nicht nur ein Junge“. Das lässt sie zeitlebens nicht mehr los.

„Mit welcher Stärke die vielfache Mutter die treibende Kraft hinter – oder besser gesagt – neben, meist sogar vor ihrem Mann ist, beeindruckt mich.“Susanne Theil

Vielleicht hat das Schicksal Carl und Bertha deshalb zusammengeführt ...

Die zwei hatten von Anfang an eine besondere Verbindung. Als sich die beiden, Bertha 20 Jahre und Carl 25 Jahre jung, zum ersten Mal in einer Kutsche begegnen, spricht Carl von seiner Vision eines pferdelosen Gefährts. Von Anfang an ist Bertha von Carl und seiner Idee begeistert und fragt, ob es mithilfe des Wagens möglich ist, der Enge zu entfliehen und die Gebundenheit an einen Ort und alles, was damit zusammenhängt, zu verlassen. In Bertha steckt eine tiefe Sehnsucht nach neuen Entwicklungen. Bertha und Carl versprechen sich, dass sie niemals aufhören werden, aneinander zu glauben. Drei Jahre später heiratet die resolute junge Frau ihren Carl.

Hat sich Bertha deshalb für Carl entschieden?

Bertha und Carl haben sich ineinander verliebt. Bertha war sofort von ihm fasziniert. Sie verlässt ihr gutbürgerliches Elternhaus und tauscht es gegen ein beschwerliches Leben auf dem Fabrikgelände. Ihr gesamtes Erbe gibt sie ihrem Mann Carl, damit er seinen Lebenstraum verwirklichen kann.

Porträt von Bertha Benz
Schauspielerin Susanne Theil spielt an der Seite von Boris Rosenberger (Foto) und Martin Bonvicini die Rolle der Bertha Benz in dem Live-Hörspiel „Mein Traum ist länger als die Nacht“.
Warum haben sich ihre Eltern darauf eingelassen?

Sie kannten ihre vehemente Tochter. Es war für Bertha klar: Der Carl muss es sein. Das hat sie zu Hause vertreten. Sie hatte eine große Überzeugungskraft, auch ihren Eltern gegenüber.

Es heißt, Carl Benz hatte das Wissen, sie war die treibende Kraft.

Bertha war eine sehr geschäftstüchtige Frau mit Ideen, wie man an Geschäftspartner herantritt. Immer wieder war sie es, die Verhandlungsgespräche führte und in diesem Bereich auch immer mehr Akzeptanz fand. Die Leute merkten, dass das, was sie sagte, Hand und Fuß hat. Ihr technisches Wissen hat sie sich über die Jahre in den Werkstätten ihres Mannes angeeignet, in denen sie trotz wachsender Kinderschar unermüdlich immer mitgearbeitet hat. Das zeigt, dass selbst Carl seiner Zeit voraus war.

Bertha hat zur entscheidenden Fernfahrt angesetzt. Hätte die Geschichte des Automobils auch ohne Carl stattfinden können?

Einer hätte ohne den anderen den Traum des pferdelosen Gefährts nicht verwirklichen können. Zum einen ist da Carl, der Erfinder und Tüftler mit seinen Visionen und dem technischen Wissen, zum anderen ist da Bertha, die resolute und starke Frau an seiner Seite, die wirtschaftlich denkt, mit anpackt und ihren Mann antreibt, wenn dieser mal wieder zaudert und mit sich hadert. Sie besaß zwar technischen Verstand, hätte aber niemals diese Dinge entwickeln können. Bertha und Carl haben all die Jahre, auch in Zeiten bitterer Armut, zusammengehalten.

Wenn sie heute zu uns sprechen könnte, was würde sie wohl sagen?

Prinzipiell würde sie sagen: Hört nicht auf zu träumen, glaubt an eure Visionen und lasst euch nicht vom Weg abbringen. Ihr könnt alles erreichen: egal ob Mann oder Frau. So enden Live-Hörspiel und Roman auch mit dem Satz „Zeit für neue Träume“. Ihre Träume hat Bertha Benz gelebt. An ihrem 95. Geburtstag, kurz vor ihrem Tod, wird sie von der Technischen Universität Karlsruhe, an der ihr Mann einst studierte, zur Ehrensenatorin ernannt. Zwei Tage später stirbt sie. Ihren lebenslangen Kampf, zu beweisen, dass sie mehr als „leider wieder nur ein Mädchen“ ist, hat sie am Ende gewonnen.

Schauspielerin Susanne Theil spielt die Bertha Benz
Zur Person
  • Susanne Theil, geboren am 26.11.1980 in Freiburg, absolvierte ihre Schauspielausbildung an der Freiburger Schauspielschule im E-Werk.

    Seit 2010 arbeitet sie als freischaffende Schauspielerin und ist regelmäßig als Synchronsprecherin unter anderem für den SWR tätig.