22. März 2017
Lifestyle | Berlin

Büros zum
Durchstarten

Berlin ist Deutschlands Start-up-Metropole. Wie das Office von morgen für die Gründer von heute aussieht, weiß Büroausstatter Bernd Hellmich. Er begleitet Start-ups, die ins große Business durchstarten.

Ein Laptop und der Stammplatz im Lieblingscafé, so sieht der Legende nach die erste Büroausstattung von vielen Start-ups in der Hauptstadt aus. Statt Konferenzraum genügt eine der angesagten Bars in Mitte oder Prenzlauer Berg fürs Treffen mit Investoren Business-Angels, Inkubatoren und Acceleratoren. In einem Kreuzberger Hinterhof wird eine innovative Idee gesponnen und verhilft zum Durchbruch – im morbiden Charme von bröckelndem Putz, nackten Ziegelwänden, alten Büromöbeln, Kicker, Computerspiel-Konsole und Kästen mit nachhaltig hergestellten Erfrischungsdrinks sowie aufgeschichteten Europaletten als Sitzmöbel und Besprechungstisch.

Inspirierende Atmosphäre

Bei solchen Klischees zur unkonventionellen Start-up-Szene wird Bernd Hellmich eher skeptisch: „Spätestens mit wachsendem Geschäft und eigenen Mitarbeitern verändern sich die Anforderungen an die Konzepte – erst recht für Büroausstattung von Start-ups. Dann lassen sich auch Brandschutzbestimmungen und die ergonomischen Anforderungen der DIN-Normen an Arbeitsplätze nicht mehr ausblenden.“ Eine inspirierende Atmosphäre soll erhalten bleiben, gleichzeitig stehen hohe Flexibilität, digitale Integration und ein motivierendes Milieu für die Mitarbeiter auf der Anforderungsliste ganz oben. „Da unterscheiden sich die jungen kaum von den etablierten Unternehmen“, sagt der Gründer der Hellmich GmbH in Berlin, die bundesweit individuelle, unternehmensspezifische Arbeitsplatz- und Raumkonzepte plant und umsetzt.

Bernd Hellmich und seine Mitarbeiter Roland Röthlin und Alexander Kort in einer modernen Büroumgebung.
Bernd Hellmich und seine Mitarbeiter Roland Röthlin und Alexander Kort (von links) in einer modernen Büroumgebung.

Homeoffice gegen Mangel an Büroflächen

Vor allem Wachstum erfordert innovative Lösungen. Büroflächen sind knapp und teuer. Ein Unternehmen mit rasanter Entwicklung kann nicht dauernd umziehen oder neue Standorte hinzunehmen. Flächenverdichtung ist die eine Lösung. Homeoffice die andere. Der futuristische Sekretär greift das Prinzip des klassischen Möbels auf und bietet eine wohnraumverträgliche All-in-one-Lösung, die sich für alle Ebenen eignet. „Wir erarbeiten für einen großen Online-Reise-Anbieter einen standardisierten Arbeitsplatz für zu Hause“, sagt Roland Röthlin aus dem Hellmich-Team. Damit umgehen wachsende Unternehmen auch das Problem, in der Stadt qualifiziertes Personal zum Beispiel für Callcenter zu finden. Homeoffice mit schneller Internet-Anbindung kann diese Arbeit auch zu den Menschen in ländliche Regionen bringen.

Open Spaces statt Einzelbüro

In den Bürogebäuden halten neue Konzepte Einzug. Einzelbüros waren gestern. Jetzt prägen Open Spaces und teamorientiertes Arbeiten die Entwicklungen der modernen Arbeitswelt. So lässt sich in Wachstumsphasen zunehmender Platzbedarf auffangen. Das viel beschworene papierlose Büro ist auf dem Vormarsch. So hat Hellmich schon einen Standort für 750 Arbeitsplätze ohne einen einzigen Schrank geplant. Digitale Daten auf dem Rechner statt Akten in der Ablage sorgen für Flächeneffizienz. Ganz radikale Konzepte stellen gar den eigenen Schreibtisch infrage. Wer zwischen Außenterminen bei Kunden und Homeoffice zum Bürotag in die Unternehmenszentrale kommt, rollt seinen persönlichen Container an einen freien Arbeitsplatz und loggt sich dort ins Netzwerk ein. Gemeinsame Ressourcennutzung statt der gewohnten, ineffizienten Besitzansprüche.

Ein moderner Sekretär für das Homeoffice.
Das Design eines modernen Homeoffice-Arbeitsplatzes interpretiert die klassische Funktion eines Sekretärs in einer sehr leichten Form, die sich harmonisch in das private Umfeld einordnet.

„Die Bürolandschaft wird technologischer. Möbel verschmelzen mit der Technik“, sagt Experte Alexander Kort. Bereits heute gibt es einen Vorgeschmack auf intelligente Möbel. Der Bürotisch, über den sich die digitalen Gadgets drahtlos vernetzen und Tablet oder Smartphone induktiv geladen werden. „Die angenehme Atmosphäre im Büro ist ein wichtiger Faktor für die Attraktivität eines Arbeitgebers.“Bernd HellmichOder der intelligente Bürostuhl, der Größe und Gewicht seines Be-Sitzers erkennt und die Gewichtseinstellung automatisch der jeweiligen Körpergröße anpasst. Heizung oder kühlende Belüftung der Stuhlflächen sorgen für gutes Klima. Biometrische Beleuchtung unterstützt mit angepasster Farbtemperatur des Lichts aktive Arbeitsphasen oder erzeugt bei Bedarf eine entspannende Atmosphäre. Per Sensoren gesteuert, passt sich die Helligkeit dem Außenlicht sowie der Besetzung im Großraum an. Mit der Flexibilität wächst auch der Anspruch an die Qualität, langfristige Nutzung und Wirtschaftlichkeit der Büromöbel. Mercedes-Benz Fahrer Bernd Hellmich ist der Typ, der sich mit Produkten identifiziert. Er setzt auf „made in Germany“ und hochwertige Hersteller wie Sedus, C+P oder Klöber.

Ein mit Glaswänden abgetrennter Besprechungsbereich.
Transparenter Thinktank: Ein Besprechungsbereich wird durch Glaswände abgetrennt und akustisch vom Großraum isoliert.

Lässig in der Landschaft aus Loungemöbeln

Start-ups, zunehmend aber auch etablierte Unternehmen, verstehen eine coole Bürolandschaft als Motivationsfaktor, um auf dem engen Markt für Fach- und Führungskräfte Mitarbeiter zu gewinnen und dauerhaft zu begeistern. „Die angenehme Atmosphäre im Büro ist ein wichtiger Faktor für die Attraktivität eines Arbeitgebers“, sagt Hellmich. Die Entwicklung zum transparenten, kommunikativ-offenen Großraum fördert teamorientiertes Arbeiten. Damit sind die Spezialisten für Büroeinrichtungen aber auch gefragt, einen Zielkonflikt zu lösen. Sie müssen Schall, Klima und Licht im offenen Büro in den Griff bekommen, um konzentriertes, produktives Arbeiten zu ermöglichen. Und gleichzeitig das Wohlfühlen als Grundbedürfnis des Menschen befriedigen. Besprechungsinseln schaffen schall- und blickgeschützte Rückzugsräume für Einzel- oder Gruppenarbeit. Oder man setzt sich mit Tablet und Smartphone lässig zur entspannt-kreativen Phase in eine lockere Landschaft aus Loungemöbeln.

Ein gemütlicher Treffpunkt für Mitarbeiter.
Holzoptik und gemütliche Beleuchtung schaffen in dieser Kommunikationszone einen Treffpunkt mit Wohlfühlatmosphäre.
Blick in den Büroraum in der Kanonenhalle auf dem ehemaligen Borsiggelände in Berlin
Eine Spezialität der Innenarchitekten und Technikplaner von Hellmich ist die Integration von Büroflächen in historische Bausubstanz wie in der Kanonenhalle auf dem ehemaligen Borsiggelände (Bild) oder im Voßpalais.
Bernd Hellmich hat sich in ein Regal mit Stühlen gesetzt.
Hellmich GmbH
  • Gründung:

    Bernd Hellmich machte sich in den 1980er-Jahren in Berlin selbstständig.

  • Portfolio:

    Geplant und umgesetzt werden Büroeinrichtungen, Trennwandsysteme und technischer Innenausbau.

  • Kundenkreis:

    Die Hellmich GmbH arbeitet sowohl für Einzelkunden als auch für Konzerne aus der Luft- und Raumfahrtindustrie, der öffentlichen Verwaltung des Bundes und der Länder, der Internetbranche und den Bereichen Verkehrstechnik, Kommunikation, Maschinenbau, Medien, Gesundheit und Soziales.