11. Juli 2016
Lifestyle | Berlin

Cool,
wie früher

Kaum hat man eine Waffel mit seiner Lieblingseissorte in der Hand, ist das Gefühl wieder da – es schmeckt nach Sommer und Kindheit. Deswegen gibt es in der Öko-Manufaktur Florida Eis in Berlin auch wieder eine Sorte, die vor Jahren der Renner war. Geschäftsführer Olaf Höhn hat das neue alte Eis gerade probiert.

Haben Sie für diesen Sommer schon eine neue Speiseeissorte kreiert?

Ja, das ist ein Berliner Original, wenn sie wollen. Nachdem wir immer wieder Anfragen hatten, haben wir uns entschieden, ein Waldmeistereis zu machen. Waldmeister war viele Jahre weg vom Fenster, aber jetzt schreien alle danach. Wir haben es gerade verkostet und waren total begeistert: ein erfrischendes Sommereis.

Waldmeister, das passt zu Berlin ...

Das Eis schmeckt wie Berliner Weiße, nur ohne Alkohol.

Retro geht auch beim Eisgeschmack. Gibt es noch andere Moden und Trends?

Ja, ganz klar. Das sind vor allem die Mischsorten. Zum Beispiel Eis mit Cookies, mit Karamellstückchen oder sogar mit Marshmallows. Aber auch die Nusssorten erleben gerade wieder eine Renaissance.

Erinnern Sie sich noch, welche Sorten in den 1980ern der Renner waren? Damals hatten Sie eine der ältesten Eisdielen Berlins gerade erst übernommen.

Damals war der Eisgeschmack noch sehr konservativ. Ich glaube, wir haben den meisten Umsatz mit 4 oder 5 Sorten gemacht. Das waren Vanille, Schokolade, Erdbeere, Zitrone und Nuss. Später kam dann Karamell dazu. Wir haben das erste Sahnekaramell herausgebracht mit echten Karamellstücken, was dann von anderen kopiert wurde. Heute haben wir 24 Sorten am Tresen. Wir haben ein volles Winterprogramm mit Sorten wie Whiskeycreme, wie Pflaume, wie Spekulatius, Zimt und so weiter. Das wäre damals kaum vorstellbar gewesen.

Warum haben Sie eigentlich vor über 30 Jahren ein Eiscafé übernommen?

Das war reiner Zufall. Sie kennen den Spruch von der Jungfrau und dem Kind. Wir hatten einen großen Backbetrieb, mein Vater, mein Bruder und ich, das heißt wir waren drei Chefs im Hause und das geht nicht gut. Dann kam ein Bekannter, der sagte mir, „da ist ein Eiscafé in Spandau zu verkaufen, Topqualität“. – „Ach“, dachte ich, „det kaufste einfach“. Für Eis war ich schon immer zu haben. Schon nach wenigen Wochen habe ich gemerkt, da ist mehr drin. Jetzt haben wir mehrere Millionen Umsatz und eine supermoderne handwerkliche und CO2-neutrale Produktion.

Wie haben Sie das geschafft?

Im Wesentlichen durch zwei Dinge. Wir haben ein Rezeptbuch, das Frau Gürgen, unsere Chefkonditorin und Mitinhaberin, noch immer von Hand schreibt. Also unsere Rezepte werden Sie nicht in der EDV finden. Ein Hacker kann da lange suchen, da findet er jeden möglichen Kram, aber keine Rezepte.

Gab es denn solche Angriffe?

Wir hatten einen versuchten Diebstahl, die Täter wurden gefasst. Wir wissen jetzt, dass sie für mehrere Zehntausend Euro die Rezepte stehlen sollten.

Berliner Original – Olaf Hoehn ist Geschaefstfuehrer von Florida-Eis
Unglaublich. Was ist der zweite Erfolgsfaktor neben den heißen Rezepten?

Das sind die guten Zutaten und die Maschinentechnologie. Wie kaufen das Meiste in Frankreich ein, wo es die besten und qualitativ hochwertigsten Zutaten gibt. Dort lassen wir zum Beispiel auch unsere Nüsse karamellisieren. Hier aus der Region verwenden wir Erdbeeren und Pflaumen.

Sie wollten vorhin noch etwas zu den Eismaschinen sagen ...

Wir haben eine Eismaschine, das ist eine alte Nudelkiste, ein Oldtimer. Diese Maschinen sind meine Hassliebe. Sie machen das beste Eis, aber sie sind anfällig und sehr langsam. Aber vielleicht ist auch das das große Geheimnis. Aufgrund des langsamen Gefriervorgangs bekommen wir einfach eine besondere Qualität hin. Die anderen Hersteller wollen immer schneller und immer mehr produzieren. Aber wir bleiben, wie wir sind. Sie wissen doch, was Oma kocht, schmeckt noch am besten.

Was sind denn Ihre Lieblingssorten und wie oft erlauben Sie sich eine Kugel?

In der Hinsicht bin ich ein konservativer Mensch. Ich esse jeden Tag Eis, ja, das kann man so sagen. Aber ich esse fast immer Vanille. Wenn ich am Abend in einem meiner Eiscafés vorbeikomme, steht da schon ein Becher mit einer Kugel Vanilleeis mit ganz ganz wenig Sahne. Wir haben einen Eisbecher, der Florida Spezial heißt – da sind Rumtopfkirschen drauf, die wir selber einlegen. Eigentlich ist es ein Becher, der gar nicht mehr so gut geht, aber der Rumsaft, hmm … Also auf meinen Becher kommt eine Löffelspitze Rumsaft obenauf. Dann verrühre ich das etwas, ja das ist so mein Zwischenabendbrot, oder Abendbrot, je nachdem, wie spät es geworden ist.

Da erübrigt sich ja fast die Frage, ob sie uns noch einen Speiseeistipp für den Sommer geben können?

Natürlich hat jeder einen anderen Geschmack, aber was ich im Sommer empfehlen kann: Unsere Mandarine ist ein veganes Fruchteis, das schmeckt wie frisch vom Baum gepflückt. Und wenn Sie sich dann noch ein Glas Prosecco oder Champagner dazunehmen, dann haben Sie richtig was ganz Leckeres.

Fotos: © Kay Herschelmann

Florida Eiscafé in der Klosterstraße in Berlin

Seit 1927 leckeres Speiseeis. Das Stammhaus von Florida Eis.

Florida Eiscafé
Klosterstraße 15
13581 Berlin

www.floridaeis.de

Das große Florida-Eiscafé am Altstaedter-Ring

Das große Florida-Eiscafé am Altstaedter-Ring.

Florida Eiscafé
Altstädter Ring 1
13597 Berlin

www.floridaeis.de