28. Dezember 2016
Lifestyle | Wuppertal

Deumer:
Zeitlos schön

Manschettenknöpfe sind als modische Accessoires zurück. Ob rund, oval oder eckig, aus Gold oder Silber, veredelt mit Schmucksteinen oder Gravuren unter Emaille: Die Lüdenscheider Manufaktur Deumer bedient vor allem den klassischen Geschmack.

Manschettenknöpfe kommen und gehen mit der Mode. Mal gehören sie zum Hemd wie der Gürtel zur Hose, mal mag Mann es lieber zwangloser. Dandys und Gentlemen möchten nur selten auf sie verzichten. Kultfiguren wie James Bond in Frack und Smoking dienen als Stilvorlage und demonstrieren mit lässiger Geste, am geschüttelten Martini nippend: Erst der Manschettenknopf macht die Manschette perfekt und krönt den tadellosen Auftritt.

Nachdem die Schmuckstücke in den 1970ern fast in der Versenkung verschwanden, erleben sie seit einigen Jahren ein Revival. Und das nicht nur auf Galas und anderen Abendveranstaltungen, sondern auch im Alltag. „Selbst junge Männer schmücken sich wieder mit Manschettenknöpfen“, sagt Johan Conze. Zusammen mit seinem Bruder Friedrich Assmann (48) führt der 55-Jährige die Manufaktur Deumer in sechster Generation. Der Name geht auf den Gründer Wilhelm Deumer zurück, der in Lüdenscheid ab 1863 Abzeichen und Orden fertigte. Als 50 Jahre später Textilkaufmann Wilhelm Conze Manufaktur und Mannschaft übernahm, erweiterte er das Sortiment um Manschettenknöpfe, Geldscheinklammern und Krawattennadeln.

Geprägt vom Zeitgeist

Damals erlebte der Manschettenknopf seine Hochzeit. Kragen, Hemdbrust und Manschetten waren zu dieser Zeit gestärkt, die Kleidung hatte eine sehr formelle Anmutung. Die steifen Doppelmanschetten mit Manschettenknöpfen zu schließen, war für Männer aus der Ober- und Mittelschicht selbstverständlich. Je mehr sich die Accessoires im Alltag durchsetzten, Zeitgeist und individuelle Vorlieben spiegelten, umso vielfältiger wurden Materialien, Formen und Veredlung. So waren in der Wirtschaftswunderzeit vor allem wuchtige Modelle stilprägend. In den Swinging Sixties, dem Geburtsjahrzehnt von Minirock und Flower-Power-Bewegung, mochte man es dann gern auffällig und extravagant.

Exzentrisches wie Manschettenknöpfe mit Comicfiguren, Totenköpfen oder fragwürdigen Sinnsprüchen würde man bei Deumer vergebens suchen oder nachfragen. Statt sich von Trends und Moden leiten zu lassen, setzen die Lüdenscheider auf klassische Eleganz und handwerkliche Perfektion. Noch heute sind in der westfälischen Manufaktur ruhige und erfahrene Hände genauso wichtig wie hochwertige Rohstoffe. Unbeschriebene Plättchen aus Gold oder Silber zu zweiseitigen Manschettenknöpfen mit Schmuckstein, Emaille oder Gravur veredeln: Das ist Feinarbeit, für die es bei jedem Arbeitsschritt viel Fingerspitzengefühl braucht.

Die Brüder Johan Conze und Friedrich Assmann führen in sechster Generation die Manufaktur Deumer.
Die Brüder Johan Conze und Friedrich Assmann führen in sechster Generation die Manufaktur Deumer.

Deumer verarbeitet ausschließlich Legierungen aus 925er Sterlingsilber und 18 Karat Gold, also einem Goldanteil von 75 Prozent. Knöpfe aus Vermeil basieren auf vergoldetem Sterlingsilber. Die Legierung bestimmt sowohl die Farbe des Metalls als auch dessen Härte und Federkraft. Ob rund oder rechteckig geformt, ist Geschmackssache. Ovale, quadratische und wappenförmige Metallplättchen ergänzen die Grundformen. Mehr Optionen eröffnen sich beim Verzieren, zum Beispiel mit einem farbigen Schmuckstein. Die Schatzkammer der Lüdenscheider ist reich gefüllt und deckt nahezu die ganze Farbpalette ab, angefangen mit silbrig schimmerndem Perlmutt über leuchtend roten Granat und grünen Turmalin bis hin zu tiefblauem Lapis.

Handwerkliche Perfektion

Besonders stolz sind Conze und Assmann auf die Emaillierkunst der Manufaktur. „Wir gehören zu den Letzten in Deutschland, die noch in Serie emaillieren.“ Unter anderem beherrschen ihre Mitarbeiter die Cloisonné-Technik. Dabei werden zunächst dünne Stege dekorativ aufgelötet und dann die entstehenden Vertiefungen mit Emaille ausgefüllt. Jede Farbe einzeln, also in verschiedenen Arbeitsschritten, damit nichts ineinanderläuft. Die sogenannte Flachschnitt-Emaille kombiniert das Emaillieren mit dem Gravieren: Der glasharte Schmelzüberzug lässt ein reliefartiges Motiv durchscheinen, das zuvor in das Metall geritzt wurde. Das kann ein Symbol sein, ein Initial oder Wappen. Denkbar und machbar sei vieles, so Assmann.

„Manschettenknöpfe sind ein bisschen wie der blaue Anzug. Mindestens einen sollte jeder Mann im Schrank haben“, findet Conze. Immer eine gute Wahl, ob der Träger 30 oder 60 Jahre alt ist, sind für ihn die Modelle mit Kugeln, Stäbchen oder Knoten aus Sterlingsilber. Schön schlicht und ewig tragbar. Selbst wenn das klassischste aller Schmuckstücke mal wieder nicht so angesagt sein sollte.

Nicht nur ein Bekenntnis zur Region, sondern auch ein Bestseller: Das Modell aus massivem 925-Sterlingsilber mit einer Einlage aus naturbelassenem Sauerländer Schiefer.
Nicht nur ein Bekenntnis zur Region, sondern auch ein Bestseller: das Modell aus massivem 925er Sterlingsilber mit einer Einlage aus naturbelassenem Sauerländer Schiefer.
Eine Mitarbeiterin beim Loeten
Deumer GmbH
  • Gründungsjahr:

    1863

  • Unternehmen:

    Ursprünglich als Fabrik für Medaillen und Abzeichen gegründet, fertigt Deumer seit mehr als 100 Jahren exklusive Manschettenknöpfe in Gold und Silber.

  • Produkte:

    Die verschiedenen Formen, Metalle, Schmucksteine und individuelle Gravuren erlauben unzählige Gestaltungsoptionen. Typisch Deumer ist die Verbindung von Vorder- und Rückseite des Manschettenknopfs durch einen filigranen Steg anstelle einer Kette oder eines Drehbügels. Außerdem entstehen in der Lüdenscheider Manufaktur Smoking- und Frackknöpfe, Kragenstäbchen und Krawattenschieber, Geldscheinklammern und Orden.

  • Website und Online-Shop:

    https://deumer.de