15. November 2016
Lifestyle | Hannover/Hildesheim

F 015
der Beginn einer neuen Ära

Martin Bremer, Leiter Corporate Design Strategie und Digital Interieur Entwurf bei Mercedes-Benz, spricht im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin über autonomes Fahren im F 015 Luxury in Motion, unverkennbares Design und eine Revolution der Raumgestaltung.

Martin Bremer sitzt im F 015.
Zurück in die Zukunft: Auf Designer wie Martin Bremer kommen spannende Zeiten zu. Der technologische Fortschritt wird völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten bieten.
Herr Bremer, haben Sie momentan den spannendsten Job bei Mercedes-Benz?

Es gibt viele tolle Aufgaben bei uns, aber für mich persönlich ist mein Job schon sehr spannend. Denn wir beschäftigen uns in der Abteilung Corporate Design Strategie nicht nur mit Autodesign, sondern fragen uns darüber hinaus, wie wir bei Mercedes-Benz in Zukunft mit den Menschen in Kontakt treten möchten. Im Fokus steht dabei ein holistischer Ansatz.

Was bedeutet das?

Damit ist das konsistente Erscheinungsbild aller Produkte, Visualisierungs- und Kommunikationsmedien gemeint. Überall, wo Menschen mit der Marke Mercedes-Benz in Berührung kommen – sei es klassisch oder digital –, sollen sie sich auf Anhieb zu Hause fühlen. Dafür kultivieren wir ausgehend von unseren Fahrzeugen eine besondere Formensprache, einen besonderen Geist. Vor Kurzem haben wir zum Beispiel die Pendelleuchte „Ameluna“ in Kooperation mit Artemide entworfen.

Und diesen Geist trägt auch das autonom fahrende Forschungsfahrzeug F 015 Luxury in Motion in sich?

Mit dem F 015 bricht eine neue Ära an. Gerade auch im Design. Denn mit den neuen technischen Möglichkeiten kann ich als Gestalter den Raum eines Fahrzeugs völlig neu interpretieren. Wir haben uns beim F 015 die Frage gestellt, welche Prämissen die Passagiere eines autonom fahrenden Autos in Zukunft setzen werden. Sie möchten vielleicht unterhalten werden, miteinander kommunizieren oder arbeiten. Das Auto wandelt sich zu einem individuellen Rückzugsort. Deshalb interessiert uns in der Entwicklung das gesamte Spannungsfeld von Mobilität, Arbeit und Freizeit. „Das Auto wandelt sich zu einem individuellen Rückzugsort.“Martin Bremer

Im Interview erklärt Martin Bremer das Konzept des F 015.
So wie hier Redakteur Oliver Knoch und Martin Bremer (r.) werden die Passagiere autonom fahrender Automobile ihre neu gewonnene Zeit unterwegs auf vielfältige Weise zum Entspannen oder Arbeiten nutzen.
Ein aktuell großes Thema bei der Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen ist die User Experience, also das Nutzungserlebnis der Kunden. Was erlebt man im F 015?

Was Sie möchten! Die zentrale Idee ist der kontinuierliche Informationsaustausch zwischen Fahrzeug, Insassen und Außenwelt. Die Passagiere können über Gesten, Eyetracking oder Touchscreens intuitiv mit dem Fahrzeug interagieren. Über sechs Displays in der Armaturentafel sowie den Rück- und Seitenwänden können zum Beispiel verschiedene Dienstleistungen abgerufen werden. Denken Sie an einen Reiseführer entlang ihrer Route, ein Videospiel oder einen Chat mit Freunden. Dadurch wird der F 015 zum digitalen Erlebnisraum.

Welches ist Ihr liebstes Feature im F 015?

Das ist ganz analog – und passend zu unserem Messeauftritt hier mit Vitra – die Neuinterpretation der Sitze. Autonomes Fahren für alle bedeutet zwar, dass wir Unfälle ein gutes Stück reduzieren können, aber die Gesetze der Physik gelten weiterhin. Daher hat der F 015 nach wie vor Anschnallgurte. Innovationen bei passiven Sicherheitsaspekten wird es aber sehr wohl durch die neuen Sensoren geben. Das gibt uns Designern die Möglichkeit, Sitze nach anderen Gesichtspunkten zu gestalten, mehr nach unserer Formensprache: sinnliche Klarheit, gespannte Flächen und dynamische Linien. Dazu kommt der gezielte Einsatz von Licht, der immer bedeutender wird.

2030 gilt als Schallgrenze für die Serienreife von autonom fahrenden Autos. Wie realistisch ist das für Sie?

Obwohl ich kein Ingenieur bin, denke ich, dass es in vielen Situationen technisch kein Problem mehr sein wird. Schauen Sie einmal, welch erstaunliche Dinge die neue E-Klasse bereits kann. Allerdings sind noch viele rechtliche Fragen zu klären. Der Spirit bei Mercedes-Benz ist aber ganz klar: Das autonome Fahren kommt.

Der F 015 macht Station auf der Messe Orgatec.
Mercedes-Benz F 015 Luxury in Motion
  • Mobiler Lebensraum

    Das Automobil wird weit über seine Mobilitätsfunktion hinaus privater Rückzugsraum sein und einen wichtigen Mehrwert für die Allgemeinheit bieten.

  • Stadt der Zukunft

    Die Vision: Autonomes Fahren ist selbstverständlich, gesellschaftlich akzeptiert und technisch zuverlässig. Da es den Fahrer in Situationen entlastet, in denen Fahren wenig Spaß macht, wie im dichten Verkehr, bekommt die Zeit im Auto eine völlig neue Qualität.

  • Luxuslounge

    Warme, organische Materialien wie offenporiges Nussbaumholz mit formfolgendem Furnier und extrem weiches Nappaleder in Ice-White kontrastieren mit technisch-kühl anmutenden Metall- und Glasoberflächen in klaren Linien.

  • Kommunikationszentrum

    Dreh- und Angelpunkt des innovativen Interieurkonzepts ist das variable Sitzsystem mit vier drehbaren Loungechairs, das eine Vis-à-vis-Konstellation der Sitze ermöglicht.

  • Signale an die Außenwelt

    Große LED-Displays an Front und Heck sowie ein nach vorne gerichtetes Laserprojektionssystem übernehmen die visuelle Kommunikation mit dem Umfeld. Akustisch gehören Sounds und gezielte Sprachhinweise zum kommunikativen Repertoire.