11. Oktober 2016
Lifestyle | Rhein-Ruhr

Fenster zur Kunst

Kunst und Konsum – Lucia Sotnikova, Studentin der Kunstakademie Düsseldorf, geht auf Tuchfühlung.

Was haben die Welt der Kunst und die eines Luxuslabels wie Hermès gemeinsam? Sehr viel, sagt Lucia Sotnikova. Vor sechs Jahren ist die junge Künstlerin in die Rheinmetropole gekommen. Erst hat sie ihren Master in Architektur an der Fachhochschule gemacht und dann einen der wenigen Studienplätze an der renommierten Kunstakademie Düsseldorf ergattert. Seit drei Jahren studiert sie jetzt beim Fotokünstler Andreas Gursky. In einer ihrer jüngsten Arbeiten hat sie den Sprung in die Welt des gehobenen Konsums gewagt. „Es ist eine Parallelwelt für mich“, sagt die 29-Jährige, die Konsumkultur ist ein Teil der Anthropologie und der Geschichte.“ Für ihre Arbeit ist es wichtig, sich immer wieder in neue Welten zu werfen. Und deshalb hat sie sich mit einigen Mitstudenten und Künstlerkollegen auch auf die „Natur im freien Galopp“ eingelassen. So hieß das Jahresthema 2016 des französischen Modehauses Hermès nach dem die Künstler ein einfaches Schaufenster in ein einmaliges Stück Window Art verwandeln sollten.

Kunstschaufenster Endless Mirror von Lucia-Sotnikova für Hermès in Düsseldorf
Spiel mit Fläche, Raum und Unendlichkeit – Window-Art von Lucia Sotnikova für Hermès in Düsseldorf.

Erstarrtes Wasser, endloser Raum

Die Kooperation von Kunst und erlesenem Handwerk hat Tradition beim französischen Luxuslabel. Die Schaufenster von Hermès sind Bühnen der Phantasie und Inspiration. Mittlerweile legendär sind die opulenten Bühnen, die Leïla Menchari für den Flagship-Store in Paris entworfen hat. Sechs Monate hat Lucia Sotnikova an ihren Schaubühnen gearbeitet. Und was hat sie gezeigt? Riesige Fotoarbeiten wie ihr Lehrer Andreas Gursky? Seine monumentalen Bilder der Börse, von Supermärkten, Rennstrecken und Parteitagen haben sich längst ins Bewusstsein der Gegenwart gebrannt. Nein, im Schaufenster waren keine kleinen Gurskys zu sehen, sondern subtile Rauminstallationen.

„Endless Mirrors“, das erste ihrer beiden Kunstschaufenster ist eine Art Dschungel aus bunten Blättern. Genauer gesagt sind es Fotos, die sie farblich verändert und dann ausgeschnitten hat. In diesen Zauberwald der Fotografien öffnen sich runde Endlosspiegel mit Früchten. „Das sind Tunnel, die in eine andere Welt führen“, erklärt die Künstlerin ihr Konzept. Zwei edle Hermès-Täschchen baumeln vor der exotischen Szenerie.

Ihr Liebling ist aber das zweite Fenster. „Hier habe ich wirklich mit einem neuen Material gearbeitet.“ In einem mit türkisfarbenem Textil ausgeschlagenen Fensterraum steigt ein gläserner Geysir in die Höhe. Links und rechts spritzen Tropfen aus Glas zur Seite. Sie tragen silberne Schmuckstücke von Hermès.

Spiegel zwischen Kunst und Konsum

„Mich interessiert, wie man etwas erfindet. Ich lese viel über Erfindungstheorien“, erklärt Sotnikova. Eine Möglichkeit ist, die Größenverhältnisse zu verändern. Wie bei ihrem Geysir, der für so eine Wasserfontäne sehr klein, für ein Glasobjekt aber sehr groß geraten ist. Oder man verändert den Kontext, den Hintergrund. Zum Beispiel wenn ein Künstler in der Welt des Konsums arbeitet. „Die Welt der Luxuslabels ist wie eine gespiegelte Kunstwelt“, erklärt Lucia Sotnikova. Beide beschränken sich auf einen exklusiven Kreis, auf einen exklusiven Geschmack und eine exklusive Kundschaft. – Und auf einen bestimmten Zeitraum. Wie die Moden und Trends der Fashionwelt ist die Window Art vergänglich.

Kunstschaufenster mit Glas-Geysir von Lucia-Sotnikova für Hermès in Düsseldorf
Teich, Tropfen und Geysir – erstarrt für den ewigen Moment. Das zweite Fenster von Lucia Sotnikova für die Hermès-Boutique auf der Düsseldorfer Kö.
Lucia Sotnikova studiert freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf
Lucia Sotnikovas Kunsttipps für Düsseldorf
Hermès Boutique Düsseldorf

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