19. April 2017
Lifestyle | Dortmund

Der Mentaltrainer –
Mit Kopf zum Erfolg

Wer möchte nicht gerne souverän eine freie Rede halten oder sich jeden Namen auf Anhieb merken können? Mental- und Gedächtnistrainer Oliver Geisselhart zeigt auf, wie das funktioniert. Und wie man sich spielerisch bis zu 200 Vokabeln in der Stunde merkt.

Oliver Geisselhart ist einer der bekanntesten Mental- und Gedächtnistrainer in Deutschland. In Vorträgen und Seminaren vermittelt der Bestseller-Autor, wie einfach es ist, mithilfe von Gehirntraining seine Ziele zu erreichen. Die Anforderungen an dieses Organ sind groß. Termine, Aufgaben und Erwartungen erzeugen auch immer Stress – und der wirkt sich nicht gerade positiv auf die Leistungsfähigkeit des Hirns aus. Umso wichtiger sind regelmäßige Pausen. Um entspannt bei seinen Auftritten anzukommen, fährt Geisselhart eine Mercedes-Benz S-Klasse. Im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin spricht der Gedächtnistrainer über Techniken, Emotionen und die Rolle des Unterbewusstseins.

Herr Geisselhart, während andere Jungs auf dem Fußballplatz spielten, haben Sie Vorträge gehalten und Ihre Trainerkarriere im Bereich Mental- und Gedächtnistraining begonnen. Was hat Sie dazu bewogen?

In erster Linie waren das meine schlechten Noten. Ich hatte keine Lust auf das schulische Lernen. Da riet mir mein Onkel, der schon 1970 als professioneller Trainer auf diesem Gebiet erfolgreich war, seine Techniken zu lernen. Er versprach mir, dass ich keine Probleme mehr mit dem Lernen haben würde. So kam es, dass ich mit zwölf Jahren regelmäßig seine Vorträge verfolgte und meine Noten schnell verbessern konnte. Mit 16 Jahren durfte ich meinen Onkel in einem Seminar vertreten. Und es sollte nicht bei diesem einen bleiben. In den folgenden Jahren hielt ich nebenbei regelmäßig Vorträge und leitete Trainings. Heute kommen mehrere Tausend Menschen zu meinen Auftritten und wollen mehr über Neurobiologie und Gedächtnistraining erfahren. Ich zeige, dass Lernen Spaß macht und wie man spielerisch 100 bis 200 Vokabeln in einer Stunde lernt.

Zusammen mit Ihrem Onkel haben Sie die Geisselhart-Technik entwickelt. Um was handelt es sich dabei?

Schon die alten Griechen erbrachten bemerkenswerte Kopfleistungen. So nutzten die antiken Redner die Mnemotechnik, um selbst umfangreiche Reden frei zu halten. Und die griechischen Athleten trainierten nicht nur körperlich, sondern auch mental – was zu überlegenen Leistungen führte. Basierend auf diesen Techniken entwickelten mein Onkel und ich die sogenannte Geisselhart-Technik. Mit dieser kann jeder sein Gedächtnis trainieren und seine Leistungen verbessern.

„Die eigene Einstellung, die Bilder im Kopf geben den Ton an.“Oliver Geisselhart

Gedächtnis- und Mentaltrainer Oliver Geisselhart mit Merkzettel und Buch
Leicht und spielerisch die Gedächtnisleistung steigern: Oliver Geisselhart, Deutschlands Mental- und Gedächtnistrainer Nummer eins, weiß, wie es geht.
Und wie funktioniert das?

Zuerst mache ich den Teilnehmern klar, wie sie alte Vorurteile, zum Beispiel „Ich kann mir keine Namen merken“ oder „Ich bin kein Sprachtalent“, ablegen und neue, positive verankern können. Dann ist es einfacher, als viele denken. Ob man nun Namen, Gesichter, Daten oder Witze abspeichern will, mit der Geisselhart-Technik klappt das besser. Die Grundtechnik ist das Assoziieren, also das Denken und Verknüpfen in und von Bildern und das Zulassen der hierbei empfundenen Gefühle.

Warum sind Gefühle wichtig, um sich Dinge besser merken zu können?

Emotionen sind die Sprache unseres Unterbewusstseins. Informationen, die an Gefühle gekoppelt sind, werden besser, länger, genauer und sicherer abgespeichert als nur durch ein einfaches Wiederholen. Auch über etwas abwegige Bilder merken wir uns beispielsweise Namen besser. Wer eine Geschichte um einen Namen bildet, wird diesen im Gedächtnis behalten.

Ist auch das, was wir über uns und die Welt denken, entscheidend?

Mit der Kraft unserer Gedanken steuern wir unser Leben. Die wenigsten glauben an sich und daran, dass sie eine freie Rede halten können. Dabei kann der Glaube auch Berge versetzen. Positive Bilder und Gedanken führen zum Ziel. Die eigene Einstellung, die Bilder im Kopf geben den Ton an. Will ich ein bestimmtes Ziel erreichen, muss ich mir die Situation in positiven Bildern vorstellen und mich mit speziellen Techniken innerlich stärken. Das Wissen dazu vermittle ich in meinen sogenannten Braindays.

Worum handelt es sich bei den Braindays?

Dabei handelt es sich um ein Zwei-Tages-Seminar für jeden, der sein volles geistiges Potenzial ausschöpfen will, der sich alles merken will und der seine Ziele verwirklichen möchte. In den Braindays lernen Teilnehmer, wie sie erfolgreicher werden – auf allen Ebenen. In jedem von uns schlummert ein riesiges Potenzial, das uns durch Erziehung, Schule und Umfeld kleingeredet wurde.

Unterschätzen die meisten Menschen ihre Gedächtnisleistung?

Die Mehrheit der Menschen geht davon aus, dass sie ein schlechtes Gedächtnis hat. Das stimmt aber nicht. Und das Gehirn kann auch noch im hohen Alter neue Verknüpfungen und Synapsen bilden. Wer es regelmäßig trainiert, tut etwas für sich, und das zahlt sich aus – auch im hohen Alter. Es gilt, regelmäßig die Kreativität anzukurbeln und sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Kleine Lernimpulse halten das Gehirn in jedem Alter fit.

Was tut unserer Gedächtnisleistung denn gut?

Druck und Stress wirken sich negativ aus. Auch deshalb ist es wichtig, sich immer wieder Ruhephasen zu gönnen.

Gedächtnistrainer Oliver Geisselhart im Porträt
Vita: Oliver Geisselhart
  • Beruf:

    Dipl.-Betriebswirt Oliver Geisselhart ist einer der erfolgreichsten Mental- und Gedächtnistrainer in ganz Europa. Er ist Autor von 13 Büchern, darunter einige Bestseller wie „Kopf oder Zettel! – Ihr Gedächtnis kann wesentlich mehr als Sie denken“ oder „Schieb das Schaf“.

  • Arbeit:

    Der Top-100-Speaker ist Universitäts-Lehrbeauftragter und Gastdozent an diversen Universitäten. Seine „Geisselhart-Technik des Mental- und Gedächtnistrainings“ gilt unter Experten als etabliert und praxisnah Technik. Weltweit ist er für große Konzerne und Firmen aller Branchen tätig. Diese buchen ihn für motivierende Führungskräfte- und Mitarbeiterseminare und unterhaltsame Kundenveranstaltungen. Die Teilnehmer seiner Seminare erhalten nachweislich funktionierende Mental-Techniken für sofortige Erfolge.

Die Probe aufs Exempel

Wie leistungsfähig ist das Gehirn mit der „Geisselhart-Technik des Gedächtnistrainings“? Ein paar Beispiele.

So bilden Sie Assoziationen

1. Je ungewöhnlicher und lustiger, desto einprägsamer.
2. Sehen Sie Ihr Bild oder Filmchen vor Ihrem „geistigen Auge“.
3. Seien Sie spontan, grübeln Sie nicht lange über die passende Assoziation nach, sondern entscheiden Sie sich für die erste, die Ihnen einfällt.
4. Hören, fühlen, riechen und schmecken Sie Ihr Bild.
5. Übertreiben Sie.
6. Kein Druck, bleiben Sie locker!

So merken Sie sich Namen und Gesichter

1. Person, Gesicht, eventuell auffällige Merkmale beachten.
2. Namen deutlich hören.
3. Namen „verbildlichen“.
4. Bild des Namens mit Bild der Person, Gesicht oder auffälligem Merkmal verknüpfen.
5. Verknüpfungsbild mit allen Sinnen erleben
6. Die Verknüpfung bleibt Ihr Geheimnis.

Namen merken: Beispiele

Herrn Wolf stellen Sie sich zum Beispiel mit einem Wolf tanzend vor.
Frau Vorderbrügge steht vor der Brücke.
Herr Strenge ist ein ganz Strenger.
Herr Kuwalsky fährt mit einer Kuh auf dem Wall Ski.
Frau Domaischel sitzt auf dem (Kölner) Dom, während sie ein Ei schält.