21. Oktober 2016
Lifestyle | Stuttgart

Club und Kulinarik

Herzog Carl Eugen von Württemberg bewies Stil, als er seine Sommerfrische Schloss Solitude errichten ließ. Diesem einzigartigen Ambiente haucht Jörg Mink gastronomisch neues Leben ein.

Herr Mink, ein Leben auf dem Schloss – darf man Sie beneiden?

Tatsächlich: Wenn ich morgens hier hierher zur Arbeit fahre, bin ich immer wieder aufs Neue fasziniert vom Ensemble aus Architektur und Natur – gekrönt vom Blick auf die Stadt. Allerdings darf man nie vergessen, dass es sehr anspruchsvoll ist, den Gastronomiebetrieb hier erfolgreich zu führen. Es hat sich ja schon eine Reihe von Pächtern daran versucht.

Sie haben die schwäbische Küche in alle Welt getragen. Wie halten Sie es hier in der Schlossgastronomie?

Natürlich bleibt die Regionalität unsere Basis. Das bin ich schon meiner Oma schuldig, die bei mir die Liebe zum Kochen geweckt hat. Wir müssen uns nur auf den Ursprung dieser Kochweisheiten, Rezepte und Zutaten zurückbesinnen. Je authentischer, umso besser. Wir kultivieren Originalität und Frische der traditionellen schwäbischen Küche, nehmen ihr gleichzeitig die Schwere der Mehlschwitze und kombinieren das mit internationalen Geschmackserlebnissen. In diesem Rahmen kann Küchenchef Stefan Kientz mit seinem Team die eigene Kreativität voll und ganz ausspielen.

Aber Sie müssen Ihre Gäste erst raus aufs Schloss locken...

Kein Problem. Schloss Solitude ist ein beliebtes Ausflugsziel und liegt zentraler, als man denkt. Man ist schnell hier und muss keine Parkplätze suchen. Mitten im Grünen und in der frischen Luft lässt sich der Besuch im Café und Restaurant am besten noch mit einem entspannenden Spaziergang verbinden.„In unserem Business-Club sind Frauen ausdrücklich erwünscht. Wir haben schon über 20 Prozent weibliche Mitglieder, Tendenz weiter steigend.“Jörg Mink

Jörg Mink vor den Schlossrestaurant auf Schloss Solitude in Stuttgart.
Jörg Mink hat den Pachtvertrag für die Gastronomie auf Schloss Solitude bis 2023 verlängert.
Sie haben den Business-Club angesprochen. Bei dem Wort denkt man schnell an das Bild der elitären englischen Clubs aus Hollywoodfilmen, wo alte Männer in hohen Ledersesseln hinter Zeitungen sitzen, Geheimnisse austauschen, einen Drink nehmen und Frauen keinen Zutritt haben ...

Schöne Vorurteile (lacht). Bei uns sind Frauen ausdrücklich erwünscht. Wir haben schon über 20 Prozent weibliche Mitglieder, Tendenz weiter steigend. Und der Altersdurchschnitt liegt bei 45 Jahren. Aber in der Tat berufen wir uns im Kern auf die Tradition der englischen Clubs. Hier finden Unternehmer, Führungskräfte, Selbstständige, Freiberufler und andere Interessierte ein gesellschaftliches, geschäftliches und kulturelles Netzwerk im positiven Sinne. Wir gehen vertrauensvoll, ehrlich und korrekt miteinander um. Hier darf man intern auch aus dem Nähkästchen plaudern, denn was im Club besprochen wird, bleibt im Club. Das ist ganz wichtig.

Welche Angebote macht der Club?

Das ist sehr vielfältig. Mitglieder finden hier immer einen Ort, um sich selbst eine kreative Auszeit zu nehmen, ernste Gespräche zu führen, sich mit Kollegen oder anderen Clubmitgliedern zu treffen. Für ein Businesslunch oder Abendessen bietet unser Restaurant einen vertraulichen Rahmen. Daneben haben wir im exklusiven Bereich eine Lounge und eine Bar sowie Räume für Tagungen und Besprechungen als Büro oder zum Relaxen. Außerdem bieten wir 120 eigene Veranstaltungen pro Jahr an.

Worum geht es in dem Programm?

Auch das ist sehr vielfältig und reicht von Reden und Präsentationen bis zur Kulinarik. Wir stellen fest, dass unsere Mitglieder vor allem Themen schätzen, die sie inspirieren, neue Gedanken vermitteln und innovative Sichtweisen bieten. Das muss nicht zwingend einen konkreten Businessbezug haben. Vor allem ethische Fragen werden bei uns ausgesprochen gern diskutiert. Wichtig ist uns bei der Planung der Veranstaltungen, starke Persönlichkeiten hier in den Club zu holen, die tatsächlich Relevantes zu sagen haben.

Und die Kulinarik?

Gutes Essen verbindet die Menschen. Miteinander kochen ist beliebt. Wir stehen gemeinsam am Herd, das schafft Beziehungen zwischen den Menschen.

Woher kommen Ihre Mitglieder?

Unser Einzugsbereich ist ganz Baden-Württemberg, aber auch aus Frankfurt oder Dubai haben wir Mitglieder. Außerdem sind wir in ein internationales Netzwerk von 250 Partnerclubs integriert. Das heißt: Unsere Mitglieder können an vielen Orten weltweit vergleichbare Einrichtungen nutzen. Ebenso wie bei uns internationale Gäste ihr „home far away from home“ finden – also einen vertrauten Ort fern der Heimat.

Jörg Mink und Küchenchef Stefan Kientz in der Küche der Schlossgastronomie Schloss Solitude.
Jörg Mink und Küchenchef Stefan Kientz interpretieren die schwäbische Küche modern mit internationalen Einflüssen.