11. September 2018
Lifestyle | Mannheim-Heidelberg-Landau

MARCHIVUM im Wandel

Mannheim im 20. Jahrhundert: Wir fahren mit einem Mercedes-Benz von 1913 durch die Stadt, erkunden das berühmte Barockschloss und unterhalten uns mit Kurfürst Karl Philipp über seine Verdienste. Eine virtuelle Zeitreise, die dank multimedialer und interaktiver Ausstellungen zukünftig möglich wird. Das MARCHIVUM geht neue Wege.

Wir starten den Motor unseres Mercedes-Benz Tourenwagens 8/20, Baujahr 1913, und fahren los. Vom Mannheimer Wasserturm aus geht’s weiter geradeaus bis zur Kreuzung an der Bismarck-Straße. Hier biegen wir rechts ab und nähern uns dem berühmten Barockschloss. Wir halten kurz an, werfen einen Blick auf den Hofplatz und genießen die Aussicht. Dann geben wir Gas. Unsere nächste Station: das Eisstadion. Noch vorsichtig um die Kurve und wir halten direkt am Rheinufer, an dem unsere Tour endet. Ein letzter Blick auf den Fluss, dann setzen wir die VR-Brillen ab, lassen das 20. Jahrhundert hinter uns. Wir sind wieder in der Realität angekommen, im Mannheimer MARCHIVUM. Neu am Konzept des MARCHIVUMS ist, dass Inhalte multimedial erlebbar werden und nicht mehr nur wie bisher in Vitrinen ausgestellt sind.

Multimediale, interaktive Zukunft

Ermöglicht wird diese Entdeckungstour durch multimediale, interaktive Stationen mit dreidimensionalen Screens. So nehmen Besucher zum Beispiel Platz in einem Nachbau eines Mercedes-Benz Klassikers und fahren dank VR-Brille mit dem Auto virtuell über die Mannheimer Straßen des 19. und 20. Jahrhunderts. An manchen Punkten ist es möglich, links oder rechts abzubiegen. Darüber hinaus gibt es weitere interaktive Angebote, etwa ein Gemälde, das den Kurfürsten Karl Philipp (1661–1742) zeigt. Ähnlich wie bei den Spezialeffekten in den Harry-Potter-Filmen sprechen die Porträts mit ihren Betrachtern. Besucher unterhalten sich mit dem virtuellen Kurfürsten über seine Verdienste. „Unser Ziel ist es, die gesamte Stadtgeschichte anhand eines digitalen Stadtmodells im Sinne einer Zeitreise zu dokumentieren. Dabei spielen unsere digitalisierten Filmschätze eine große Rolle“, erläutert Prof. Ulrich Nieß, Leiter des Archivs. Bis es so weit ist, werden noch ein paar Monate vergehen, ab dem nächsten Jahr sollen diese interaktiven Erlebnisse möglich sein.

Konzept mit „Doppelgesicht“

Nicht nur die technischen Möglichkeiten werden verbessert, auch das gesamte Gebäude wird neu gestaltet. Man erkennt den weißen, modernen Neubau mit gläsernem Dach schon von Weitem. „Spektakulär ist, dass der Neubau ein Doppelgesicht hat. Einerseits sind die Grundzüge des alten Hochbunkers geblieben, andererseits wirkt das Gebäude jetzt moderner als zuvor“, so Nieß. Das liegt unter anderem an den zwei gläsernen Stockwerken, die einen fantastischen Ausblick über die Stadt Mannheim bieten.

MARCHIVUM: Direktor Nieß
Prof. Ulrich Nieß arbeitet als Leiter des MARCHIVUMS, plant die Ausstellungen und unterrichtet an der Uni Mannheim über die Stadtgeschichte.

Mehr als nur ein Archiv

Ein weiterer Bereich des Archivs ist der Lesesaal, in dem man in historischen Dokumenten recherchieren kann. „Wir haben Glück, dass die Ratsquellen erhalten geblieben sind. Alle Entscheidungen des Stadtrates sind dokumentiert und bei uns einsehbar.“ Dazu gehören beispielsweise Meldeunterlagen sowie Baupläne des 19. und 20. Jahrhunderts. „Das Archiv zählt aktuell zu den beliebtesten Bereichen. Viele finden es spannend, in die eigene Familiengeschichte abzutauchen.“ Diese Möglichkeit wird auch weiterhin bestehen. Doch die Neuausrichtung des MARCHIVUMS zeigt, dass die Einrichtung viel mehr als ein Archiv ist: „Es soll sich zu einem Erlebnis-, Lern- und Begegnungsort entwickeln. Und da sind wir auf einem guten Weg.“

Wissenswertes über die Stadtgeschichte Mannheims

1720 ...

bis 1760 ist das Barockschloss Mannheim für die pfälzischen Kurfürsten Karl Philipp und Karl Theodor (1724–1799) als Winterquartier erbaut worden. Heute zählt es zu den größten Residenzen Europas. Seit dem 20. Jahrhundert ist es das Zuhause der Universität Mannheim und Herzstück des Campus. Mittlerweile sind über 20.000 Studenten dort eingeschrieben.

1886 ...
… hat Karl Benz das Automobil erfunden. Mannheim gilt bis heute als Mobilitäts- und Erfinderstadt. Viele Start-ups werden dort gegründet. Gründe dafür sind die Innovationsfreude der Menschen in der Region, ein ausgeprägtes Unternehmertum und die sehr gute Förderung, zum Beispiel durch die Mannheimer Gründerzentren.
P7 ...

… ist eine Adressangabe in Mannheim. Die schachbrettartig angelegte Innenstadt unterliegt einer eigenen Systematik, die nicht auf Straßennamen basiert, sondern auf Buchstaben- und Ziffernkombinationen. Es ist ein Alleinstellungsmerkmal, das Mannheim von anderen deutschen Städten unterscheidet. Übrigens: P7 ist die Straße rund um den Wasserturm.