17. März 2016
Lifestyle | Aachen

P3: Das Geschäft mit der
Intelligenz

Thomas Prefi ist Mitgründer der P3 Ingenieurgesellschaft. Das Aachener Unternehmen berät Mercedes-Benz in Sachen Informationssysteme. Mit uns plaudert Prefi über die Digitalisierung der Automobilbranche, selbstfahrende Autos und ethische Fragen.

Professor Prefi, kann man sagen, ohne Mercedes-Benz gäbe es die P3 Group heute nicht?

„Ja, das ist so. Wir haben damals ein neues, prozessorientiertes Qualitätsmanagement-System für Mercedes-Benz entwickelt. Es gab einen Konzeptwettbewerb, den wir am Aachener Institut gewonnen haben. Daraus ist unser Unternehmen, die P3 Ingenieursgesellschaft entstanden. Bis heute gehört der Stern zu unseren größten Kunden.“

Was ist der Markenkern, der P3 von anderen Unternehmensberatungen unterscheidet?

„Die Frage ist, haben wir überhaupt einen? Wir sind ja in vielen Bereichen von Luftfahrt und Automotive bis Energie und Telekommunikation aktiv. Vielleicht kann man sagen: Im Kern verkaufen wir Intelligenz – und versuchen, für unsere Kunden nützlich zu sein.“

Einem großen Publikum bekannt ist P3 vor allem durch die Mobilfunk-Tests in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift „connect“. Wie funktionieren diese Tests?

„Wir haben Messsysteme entwickelt, die das Nutzerverhalten der Handy-Kunden nachstellen. Damit rüsten wir Kombis von Mercedes-Benz aus, mit denen wir von Aachen aus durch ganz Europa fahren. Aus diesen Messfahrten resultiert schließlich die Bewertung der Mobilfunkanbieter.“

Werden Mobilfunk und Auto in den nächsten Jahren immer mehr zusammenwachsen?

„Ja. Connected Drive ist hier das Schlagwort. Wir beobachten zurzeit die umfassende Digitalisierung unserer Welt – und das Auto wird mittendrin sein. Es geht um Car-to-car-Kommunikation, um Sicherheit und Komfort. Das ist ein Thema, das Produkte komplexer macht, deshalb wird man auch mehr testen müssen. Da wollen wir schon bei der Entwicklung der Technik und der Definition der Standards vorn dabei sein.“

Ein Innovationsprojekt von P3 ist auch das sogenannte Induktionsladen von Elektroautos. Auf Ihrer Website schildern Sie, wie wir in Zukunft an der roten Ampel warten und dabei ganz nebenbei unser E-Mobil drahtlos aufladen können. Ist so etwas schon marktreif?

„Ich bin mir sicher, dass Sie das demnächst in Ihrer Garage machen können. Für Telefone gibt es das Induktionsladen ja schon, von der Physik her wäre es für das E-Auto auch kein Problem. Es wird Matten geben, die man unter dem Auto ausrollt, man fährt drüber – und das Auto lädt auf. Wann Sie das an der Ampel tun können, ist eine andere Frage. Das wäre ja ein Eingriff in die Infrastruktur. Dafür und auch für die Abrechnung fehlen noch Standards.“

P3 Aachen Thomas Prefi stehend an einer Theke
Alles an Bord: Ein P3-Team fährt regelmäßig durch Europa, um die Signalstärke von Mobilfunknetzen zu testen.
Wie beurteilen Sie überhaupt die Zukunft der E-Mobilität?

„In den nächsten zehn Jahren werden sich die Kapazitäten der Akkus verdoppeln. Dann werden wir von den Kosten und der Leistungsdichte her in Bereiche kommen, die die Attraktivität von Elektroautos noch deutlich steigen lassen.“

Was sagen Sie zum Trend der selbstfahrenden Autos?

„Dass man auf der Autobahn autonom fährt, werden wir bestimmt schon in den nächsten zehn Jahren erleben. In den Städten wird das allerdings noch etwas länger dauern. Daimler-Chef Dieter Zetsche hat ja erst kürzlich gesagt: ‚Die Technologie fürs autonome Fahren ist theoretisch serienreif – aber es gibt noch viele ungelöste ethische Fragen‘.“

Welche?

„Was ist bei Unfallsituationen, die von der Sensorik vorausgesagt werden? Soll das Auto dann gegen die Wand fahren oder in den anderen Wagen rein? Die Normen für solche Situationen sind heute noch gar nicht durchdacht, geschweige denn akzeptiert.“

Sie sind auch privat Mercedes-Benz Fan. Welches Modell fahren Sie?

„Ich habe eine G-Klasse und besitze noch einen traumhaften Klassiker: einen 190 SL von 1958. So gesehen bin ich der Marke schon ziemlich verbunden. ‚Das Beste oder nichts‘ – mit diesem Slogan kann ich mich ziemlich gut identifizieren.“

P3 Aachen Mitgründer Thomas Prefi vor seiner G-Klasse
Thomas Prefi am P3-Standort Aachen mit seiner G-Klasse
P3 Aachen Einsatzfahrzeuge der P3 Group
Exportschlager
  • Unternehmen:

    Die P3 Ingenieurgesellschaft ist eine Unternehmensberatung, die 1996 als Spin-off-Unternehmen aus dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie in Aachen gegründet wurde.

  • Gründer:

    Thomas Prefi, Christoph Theis und Thomas Weingarten. Die Gründung war die Folge einer erfolgreichen Projektarbeit für die damalige Daimler-Benz AG.

  • Branchen:

    Die P3 Group hat sich auf die Branchen Automotive, Mobilfunk, Luftfahrt und den Energiesektor spezialisiert. Heute hat das Unternehmen 2.500 Mitarbeiter auf vier Kontinenten.

  • Website:

    www.p3-group.com

Fotos: © Jens Pussel