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Lifestyle | Hannover - 20. September 2017

QMILK – Mode aus Milch

Die Menschheit kennt den Stoff schon lange, doch Anke Domaske hat ihn revolutioniert. Die Biologin stellt aus Milch ein umweltfreundliches Material her, mit dem man vieles besser machen kann: Kleidung, Kosmetik und sogar Autos.

Anke Domaske, 34, aus Hannover ist eine starke Frau. Mit zwei starken Frauen im Rücken. Erstens: ihrer Großmutter, von der sie das Schneidern gelernt hat. Zweitens: ihrer Mutter, die ihr die Überzeugung vermittelte, dass man mit einem festen Willen alles erreichen kann. Zum Beispiel ein Unternehmen aufzubauen. Davon hat Anke Domaske heute genau genommen zwei: ein Modelabel und QMILK. So heißt die Firma und auch der Stoff, mit dem die Biologin die Industrie gerade revolutioniert. Verträgliche Kleidung, sanfte Kosmetik, aber auch Reifen sind mögliche Einsatzbereiche von QMILK. Wie sie auf die Idee für ihr Unternehmen kam und was sie motiviert, erzählt die Firmengründerin im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin.

Warum haben Sie Mikrobiologie studiert?

Weil ich die Welt verändern wollte, wie damals Robert Koch. Er gilt als Begründer der Mikrobiologie und ist eines meiner großen Vorbilder.

Was hat Sie gereizt an diesem Fach?

Die Welt, die man nicht mit bloßem Auge sieht, kann sehr reizvoll sein. Ich denke aber, viele studieren Biologie in der Hoffnung, etwas in der Krebs- oder Aidsforschung bewegen zu können. Das war bei mir damals auch so. Ich habe jetzt QMILK. Mit dieser Firma hoffe ich ebenfalls etwas bewegen zu können.

Als ihr Vater schwer erkrankte, reagierte er allergisch auf fast alle Fasern. Und Sie entdeckten plötzlich die Milch?

Ja. Ich war damals ja schon mit einem Modelabel unternehmerisch tätig. In einem YouTube-Video hörten wir den Begriff „Milchfaser“ und wurden hellhörig. Die Milchfaser gibt es zwar schon seit den 30er-Jahren, sie wurde aber mit viel Chemie und Formaldehyd hergestellt. Ich fand diesen Ansatz wahnsinnig spannend, war aber sehr enttäuscht über den Einsatz von Chemikalien, den man dazu benötigte. Also dachten wir, dass man diesen Prozess doch revolutionieren können müsste.

Milcheiweiß als Ausgangsfaser für Stoffe – das klingt sehr fremd. Aber es funktioniert. Wie?

Eigentlich ist der Rohstoff so alt wie die Menschheit. Als Höhlenmenschen haben wir damit unsere Höhlen bemalt, und es war der erste Kunststoff, der je entwickelt worden ist. Es ist im Prinzip sehr simpel, ihn herzustellen: Wenn Milch sauer wird, trennt sich die Molke von den weißen Flocken – das ist das Protein der Milch. Wenn man die Molke abschöpft, bleibt ein Quark. Und trocknet dieser, wird ein Eiweißpulver daraus. Das gibt man anschließend – zusammen mit Wasser – in eine Maschine, die wie eine Nudelmaschine funktioniert und Teig daraus macht. Am Ende befindet sich eine Spinndüse, durch die die Masse gedrückt wird. So erhält man die Fasern, die anschließend aufgewickelt werden.

Anke Domaske, Geschäftsführerin von QMILK, zeigt roten Stoff. Darunter: Milch und Garn aus Milcheiweiß
Kaum zu glauben: Die Mikrobiologin Anke Domaske stellt Kleiderstoff aus Milch her.
Wie wurde daraus ein Unternehmen?

Wir haben 2011 hier in Hannover den Businessplan-Wettbewerb gewonnen. Mit diesem Geld konnten wir unsere GmbH gründen. Die Idee, daraus eine Produktion aufzubauen, bestand eigentlich schon von Anfang an.

Was ist das Besondere an dieser neuen Faser? Wo ist der Unterschied zu anderen natürlichen Fasern wie Wolle, Baumwolle oder Leinen?

QMILK gehört wie Wolle und Seide zu den Proteinfasern und, weil sie aus Makromolekülen besteht, auch zu den Biokunststoffen. Die Milchfaser ist antibakteriell, schwer entflammbar, kompostierbar, atmungsaktiv und temperaturregulierend – und man kann theoretisch auch ein Haus daraus bauen.

Das klingt sehr gut. Und wie ist die Ökobilanz des Stoffes?

Sehr gut! Wir haben die Faser mit der geringsten CO2-Bilanz weltweit, weil wir einen Rohstoff upcyceln und ein umweltschonendes Verfahren für die Herstellung haben.

Welche Milch genau wird für QMILK verwendet?

Wir nennen sie Non-Food-Milch. Allein in Deutschland werden über zwei Millionen Tonnen Milch jedes Jahr entsorgt, weil diese nicht den Lebensmittelkriterien entsprechen. Das ist aber ein weltweites Problem. Wir könnten es lösen, indem wir diesen Rohstoff upcyceln.

Können Sie Einfluss nehmen auf die Haltung der Tiere, die den Rohstoff liefern?

Wir kennen die Höfe, aus denen die Milch stammt. Uns ist eine nachhaltige Tierhaltung sehr wichtig.

Was ist der entscheidende Vorteil gegenüber anderen, herkömmlichen Kunststoffen?

Den größten Vorteil sehe ich beim Thermobonding. Das ist ein Prozess, bei dem Vliesstoffe durch Hitze verfestigt werden. Er war bisher nur mit synthetischen Fasern möglich. Diese Stoffe waren in der Kombination mit Naturfasern nicht kompostierbar. Mit QMILK kann dieses Problem gelöst werden. Zudem ist unser Material extrem temperaturstabil: Denn es verformt sich nur unter Druck, aber nicht allein durch die erhöhte Temperatur.

Wo sehen Sie weitere Einsatzpotenziale für QMILK?

Da gibt es sehr viele, durch die ganze textile Kette. Wir bieten mit QMILK aber nicht nur eine Bekleidungsfaser. QMILK hat so viele Fähigkeiten, dass sie auch in technischen Bereichen einsetzbar ist – über Papier bis hin zu Sandwichmaterialien. So ist sie zum Beispiel schwer entflammbar und chemisch beständig.

„Ich sehe QMILK als Geschenk und als Lebenswerk. Es ist wie ein Lottogewinn.“Anke Domaske, Mikrobiologin und Unternehmerin

Ein Model trägt ein schwarzes Kleid, das aus der Milchfaser QMILK hergestellt wurde.
Schicke, hautfreundliche Mode: Die Milchfaser macht es möglich.
Hat Sie Ihre Erfolgsgeschichte persönlich verändert?

Wenn Arbeit und Spaß ein und dasselbe sind, dann ist das für mich der größte Erfolg. Man wächst natürlich mit seinen Aufgaben. Man lernt, aus seiner Komfortzone herauszukommen und sich persönlich weiterzuentwickeln. Das steckte, denke ich, schon immer in mir. Mit der Zeit kommt die Reife, Dinge gelassener zu sehen und auch Rückschläge abzustreifen. Und am nächsten Tag kämpft man weiter, um sein Lebenswerk aufzubauen.

Was bedeutet Ihnen Hannover als Standort?

Es ist ein idealer Produktionsstandort. Und wenn man viel reisen muss, ist Hannover ideal gelegen. Zudem ist es  ein Privileg, eine Produktion in einer Großstadt zu haben – Hannover bietet hier den Mitarbeitern viele Möglichkeiten. Außerdem ist es die grünste Stadt Deutschlands.

Was motiviert Sie für den Tag und für Ihr Leben?

Ich sehe QMILK als Geschenk und als Lebenswerk. Es ist ein unglaubliche Motivation, ein neues Material zu entdecken und zu entwickeln. Es ist wie ein Lottogewinn.

Aus welchen verschiedenen Bereichen der Industrie bekommen Sie mittlerweile Anfragen?

Aus sehr unterschiedlichen. Das geht über Bekleidung, Heimtex, Automobil bis hin zum medizintechnischen Bereich. QMILK hat eben sehr vielfältige Eigenschaften. Deshalb gibt es hier große Zukunftspotenziale.

Wo liegen aus Ihrer Sicht die Potenziale für die Automobilindustrie?

Anfragen gibt es vor allem aus dem Interiorbereich, aber auch Filter, Reifen oder der Einsatz bei der Innenverkleidung als Sandwichmaterial wären denkbar.

QMILK Labor
QMILK Deutschland GmbH
  • Anke Domaske:

    Die Mikrobiologin ist Geschäftsführerin von QMILK und hat das Unternehmen 2011 gegründet. Sie betreibt gleichzeitig ein Modelabel mit dem Namen MCC.

  • Die Adresse:

    Göttinger Chaussee 12–14,
    30453 Hannover

  • Mode von Anke Domaske:

     

    www.mcc-style.com
    www.facebook.com/MCC-Style