05. April 2017
Lifestyle | Reutlingen/Tübingen

Sternstunden

Der Mond scheint in seiner vollen Pracht, dutzende Sternschnuppen zischen über den Himmel und verschwinden im Nirgendwo. Zwischen den Planeten ist der „Große Hund“ zu sehen. Es ist ein Anblick, der fasziniert. Doch wie stehen unsere Sterne gerade? Welche Phänomene gibt es außerdem im Weltall? Heinz Lenhart und das Team des Reutlinger Planetariums liefern spannende Antworten aus der Himmelswelt.

„Wer in die Wüste reist und sich dort nachts in einen Liegestuhl legt, wird am Himmel einen wahrhaften Regen von Sternschnuppen erleben“, erklärt Heinz Lenhart, Leiter der Sternwarte in Reutlingen. Auch hier in Deutschland sieht man in klaren Sommernächten ab und an kleine flimmernde Pünktchen durch das Dunkel brausen – besonders an wenig belebten und nicht beleuchteten Orten, zum Beispiel auf einem abgelegenen Zeltplatz oder hoch oben in den Bergen. Selten mitten in der Stadt, da es dort einfach zu hell ist. Es sei denn, man besucht das Planetarium in Reutlingen: Und wer hier einmal einen Blick durch das Teleskop geworfen hat, entdeckt neben den leuchtenden Schnuppen noch viele weitere faszinierende Himmelskörper und ferne Galaxien.

Auf eigene Faust entdecken

Die Sternwarte in Reutlingen ist die einzige in ganz Baden-Württemberg, die zusätzlich über ein Planetarium verfügt. Ein echtes Highlight für Sternengucker: Denn hier bietet sich Besuchern die Möglichkeit, unabhängig von Wind und Wetter die Himmelskörper zu beobachten. Beide Stationen werden in einer etwa zweistündigen Führung ausführlich erklärt: Zuerst besichtigen Besucher das Planetarium, um einen allgemeinen Blick für den Nachthimmel zu bekommen. Anschließend geht es nach draußen an das Spiegelteleskop. Wer genauer hinschauen möchte, pickt sich ein bestimmtes Himmelsobjekt heraus und vergrößert es mit dem Fernrohr. Angefangen bei Saturnring und Gasnebel über Jupiterstreifen bis hin zum Mondkrater gibt es jahreszeitabhängig immer wieder neue Phänomene zu beobachten. In diesem Teil der Führung geht es vor allem darum, „individuelle Entdeckungen“ zu machen. Ein Tipp vom Experten Lenhart: „Wunderschön sind Sternbilder wie der Orion, der Stier oder der Große Hund.“

Zu sehen ist die Plattform der Sternwarte: Von hier aus wird der Himmel mit Teleskopen beobachtet.
Der Blick in den Himmel: Mit den Teleskopen der Sternwarte lassen sich Planeten, Sternbilder und viele jahreszeitabhängige Phänomene im All beobachten.

Gemeinsam Antworten finden

Zu sehen ist ein Saal, in dem ein riesiger digitaler Globus steht.
Der Omniglobe des „Karl-Heinz-Danzer-Studios“ (Ausbau und Modernisierung wurden von der Karl-Danzer-Stiftung unterstützt) der Reutlinger Sternwarte.

Abschließend treffen sich die Besucher im Karl-Heinz-Danzer-Studio der Sternwarte. An einem digitalen Globus, dem sogenannten „Omniglobe“, werden nochmal die Himmelskörper des Sonnensystems und das Weltall im Allgemeinen betrachtet. „Meist haben die Besucher noch viele Fragen. Eines der beliebtesten Themen ist die Entstehung des Lebens – das finden alle spannend“, erklärt Lenhart. Konkret geht es dabei sowohl um das irdische als auch um das außerirdische Leben: Wie ist die Erde entstanden? Sind wir die einzigen existierenden Lebewesen? Ist es möglich, dass wir schon bald anderes Leben entdecken? In einer gemeinsamen Frage- und Antwortrunde klären Lenhart und das Expertenteam häufig gestellte Fragen.

Die FAQs der Sternwarte Reutlingen

Gibt es außerirdisches Leben?

Leben existiert überall – sowohl auf der Erde als auch im Weltraum. Denn bevor die Erde entstanden ist, haben sich Ozeane mit Wasser aus dem Universum gebildet. Das bedeutet demnach, dass unsere Lebensbausteine ursprünglich aus dem All stammen. Und wenn wir die Nachfahren von galaktischen Ureinzellern sind, dann gibt es auch außerhalb der Erde welche. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis man irgendwann anderes Leben entdeckt.

Schläft man bei Vollmond schlechter?

Nein. Zu diesem Mythos gab es schon viele Studien. Das Ergebnis besagte bisher aber immer, dass der Mond keinen direkten Einfluss auf unser Schlafverhalten hat. Die Auswirkung ist einfach zu klein, um eine Untersuchung mit Bezug zum Menschen durchzuführen. Der Mond beeinflusst lediglich die Ozeane und wirkt sich auf Ebbe und Flut aus. Da es also wissenschaftlich nicht belegt wird, muss es ein rein psychologischer Gedanke sein.

Wie tief ist das Weltall?

Je nach Teleskop schaut man unterschiedlich tief in den Weltraum. Man schaut aber nicht in dem Sinne „tief“, sondern eher „zeitlich weit“. Denn das Licht hat eine lange Reise hinter sich, da es von weit entfernten Himmelskörpern wie zum Beispiel der Sonne oder anderen Sternen kommt. Das heißt: Man schaut eigentlich in die Vergangenheit, viele Milliarden Jahre zurück bis zur Entstehung des Universums. Erst so bekommt man ein Gefühl für die Bedeutung und die Größe der Erde und der Menschheit mit Blick auf das Universum.

Mehrere Personen des Teams stehen auf der Plattform des Planetariums: In der Mitten steht ein Teleskop.
Das Team des Planetariums: Heinz Lenhart (zweiter von rechts) beantwortet drei häufig gestellte Fragen zum Thema Weltall und Leben.

Sterne-Programm 2017

Rund 3.000 Besucher kommen pro Jahr zur Sternwarte nach Reutlingen. Das Ziel der Mitarbeiter ist es, Wissen rund um das Thema Universum zu vermitteln und die Mythen rund um außerirdische Phänomene aufzuklären. Dafür werden etwa 200 Führungen im Jahr angeboten. In den kommenden Wochen wird es Veranstaltungen im Planetarium zu den folgenden Themen geben: Venus, Vollmond, Gasnebel und Sternbilder wie dem Himmelsjäger Orion. Für alle Weltenbummler hat Lenhart einen besonderen Tipp: „Wer im Sommer ein echtes Highlight erleben möchte, sollte eine Reise in die USA planen. Denn dort findet am 21. August die totale Sonnenfinsternis statt – als Astronomie-Fan muss man das einmal miterlebt haben“, sagt Lenhart.

Ein Teleskop des Planetariums
Ein Blick durch das Teleskop faszinierte schon damals: Seit 1956 gibt es die Sternwarte. Seitdem ist sie regelmäßig modernisiert worden.