12. Oktober 2017
Lifestyle | Mannheim-Heidelberg-Landau

Rot, rebellisch und rotzfrech

Wie verwandelt man einen sauren roten Apfel in ein regionales Kultgetränk? Magdalena und Georg Schneider machen es vor.

Ein verrückter Name, ein frecher Markenauftritt – und das alles für einen Apfelsaft. Das war sehr mutig, aber es hat sich gelohnt. Die Macher von Stiefkind werden mit Marketing-Preisen überschüttet. Ihr roter Apfelsaft ist jedes Jahr schnell ausverkauft. Eine, die einen großen Anteil an diesem Erfolg hat, ist Magdalena Schneider. Sie ist die Tochter des mutigen Apfelbauers vom Obsthof in Edingen-Neckarhausen, der die roten Äpfel anbaut. Für das Mercedes-Benz Kundenmagazin hat sie die fast unglaubliche Geschichte noch einmal aufgerollt.

Erst ein Kindheitstraum, dann eine Masterarbeit

Jedes Jahr im August gab es ihn, diesen roten Apfelsaft, der so herrlich säuerlich schmeckte und Natur pur war. Frisch gepresst wurde er im Hofladen des Obstgutes Schneider nur für kurze Zeit verkauft, und Magdalena Schneider liebte ihn schon als Kind. Später, als die junge Frau in Stuttgart an der Hochschule der Medien studierte, kam ihr die Idee, den Apfelsaft professionell zu vermarkten. „Also habe ich davon etwas in eine Milchflasche gefüllt und meinem Professor für Packaging-Design vor die Nase gesetzt. Er hat mich mit großen Augen angeschaut, da er so einen roten Apfelsaft noch nie gesehen hatte“, erinnert sie sich. Doch der außergewöhnliche Geschmack überzeugte ihn, und Magdalena Schneider durfte mit einem Team aus Studenten die Strategie für das Produkt entwickeln – und später ihre Masterarbeit darüber schreiben.

Roter stiefkind-Apfelsaft im Sixpack
Stiefkind ist der Rebell unter den Apfelsäften: sauer statt süß, innovativ statt konservativ, rot statt gelb.

Stiefkind – was für ein merkwürdiger Name für einen Apfelsaft!

Nach einem Jahr stand die Produktstrategie, aber es fehlte noch ein guter Name. Den lieferte schließlich ein Blick zurück in die Apfelgeschichte: Vater Georg Schneider, der seine Äpfel ebenso liebt wie seinen Mercedes-Benz W124, arbeitete 1974 auf einem französischen Obsthof. Der Apfelbauer dort hatte eine interessante Kreuzung aus Zier- und Essapfel kreiert, hielt sie aber für unbrauchbar und wollte sie vernichten. Georg Schneider aber, Apfelbauer voller Leidenschaft, brachte die roten Äpfel nach Deutschland und nahm das Stiefkind in seine gelbe Apfelfamilie auf. In diesem Moment war der Name für den natürlichen, erfrischend säuerlich schmeckenden Apfelsaft geboren: Stiefkind.

Der Trick mit der roten Perücke

Da „Stiefmutter“ Magdalena Schneider während des Studiums oft als Promoterin gearbeitet hatte, wusste sie: Wer auffällt, bleibt in Erinnerung. Also beschloss sie, für die Stiefkinder auch optisch etwas Auffälliges zu kreieren, was so rot wie der Saft war: rote Perücken. „Die Idee entwickelten wir aus dem Stiefkind-Logo“, erklärt sie: „Schauen Sie mal genau hin: Es symbolisiert einen Apfel und gleichzeitig den Kopf eines Mädchens mit einem sauren Gesichtsausdruck durch die angedeuteten Augen. Die Apfelform bildet dabei eine Art Bobfrisur.“

Stiefkinder wandern in 46.000 Flaschen

Wie kommt der Saft nun in die Flasche? Eigentlich kein Problem, sollte man meinen. Aber: Der rote Stiefkind-Apfel hat so seine Tücken. Er ist nicht lagerfähig, muss also schnell verarbeitet werden. Es gibt von ihm frühe und späte Sorten, und nur der Kennerblick von Georg Schneider sieht, ob der rote Apfel auch reif genug für die Flasche ist. „Und dann geht alles recht schnell“, erklärt Magdalena Schneider. „Innerhalb von ungefähr vier Wochen müssen alle Äpfel gepflückt, transportiert, versaftet und abgefüllt sein.“ In einer Kelterei bei Frankfurt am Main werden sie gewaschen, zu Saft gepresst, in die 0,33-Liter-Longneck-Glasflaschen abgefüllt und mit Hitze sterilisiert. „Im Jahr 2012 hat die Ernte für 15.000 Stiefkinder in der 0,33-Liter-Flasche gereicht. Im letzten Jahr, 2016, waren es schon 46.000 Flaschen, darunter auch unsere Stiefkind-Apfelschorle.“

Stiefkinder fahren gerne Mercedes-Benz

Für ihre Stiefkinder ist Magdalena Schneider übrigens öfter mal in Vaters geliebtem Mercedes-Benz unterwegs, um Vorträge über die Erfolgsgeschichte des roten Apfelsafts zu halten. Und das Café Poffers in Stuttgart hat ein ganz besonderes Glück: Dort werden die Stiefkinder von Chefin Magdalena persönlich angeliefert – in einem smart electric drive.

Plakat mit einem frechen Mädchen, das für Stiefkind-Apfelsaft wirbt.
Die Stiefkind-Familie