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Lifestyle | Ulm/Schwäbisch Gmünd - 28. Januar 2019

Das T-Shirt, das mitdenkt

Klingt nach Science-Fiction, ist aber Realität: Das Ulmer Start-up EQUIL hat ein T-Shirt erfunden, das gegen Nackenschmerzen hilft. Im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin spricht Gründer Constantin Diesch über sein Meisterwerk, das Technik und Tragbarkeit vereint.

Smartphone, Smartwatch, alles schon gehört. Jetzt kommt Smartwear – die intelligente Kleidung der Zukunft, die auch Smart Clothes genannt wird. Sie soll vor allem eines: die Lebensqualität und Sicherheit ihrer Träger steigern, egal ob im Job, in der Freizeit oder beim Sport. Constantin Diesch (30) und Lukas Kühnbach (24) gehören zu den Pionieren auf diesem Gebiet: Sie haben eine im T-Shirt integrierte intelligente Elektronik entwickelt, die den Träger darauf aufmerksam macht, wenn er die Schultern anspannt. Auf diese Weise sollen unter anderem Fehlhaltungen und die daraus resultierenden Schmerzen schon vorab verhindert werden.

Equil - das T-Shirt gegen Nackenschmerzen
EQUIL – das T-Shirt gegen Nackenschmerzen.
Ein T-Shirt, das mitdenkt, wer braucht so was?

Immer mehr Menschen, wie mir scheint. Über 50 Prozent der Deutschen haben Schulter-Nacken-Probleme; während meiner Tätigkeit als Physiotherapeut habe ich täglich miterlebt, wie einschränkend das für die Betroffenen ist. Werden die Verspannungen erst einmal chronisch, kommt es zu Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten. Das ist natürlich – insbesondere bei typischen Schreibtischjobs am Bildschirm – auf Dauer demotivierend und hat einen Leistungsabfall zur Folge. Haltungskorrigierende Kleidung kann hier helfen.

Was genau passiert im Körper, wenn wir die Schultern anspannen?

Es ist ein Zeichen allgemeiner Überlastung, die zu Verklebungen und zu Verhärtungen der Muskulatur führen kann – und daraus resultieren in vielen Fällen chronische Schmerzen. Meist merken wir das aber zu spät, denn viele Menschen ziehen die Schultern an, wenn sie vorm Computer sitzen – vor allem, wenn sie im Stress sind. Und das oft stundenlang. Es passiert leider schnell, dass wir eine ungesunde Körperhaltung am Schreibtisch einnehmen und das belastet vor allem den Nacken und sorgt für unangenehme Verspannungen.

Vom Physiotherapeuten zum Smart-Clothes-Entwickler – wie kam es dazu?

Ich habe bereits während meiner Ausbildung zum Physiotherapeuten festgestellt, dass mich die elektronischen Trainingsgeräte extrem interessieren, und mich deshalb später dazu entschlossen, Medizintechnik an der Hochschule Ulm zu studieren. Das Thema Nacken- und Rückenschmerzen ließ mich auch dort nicht los und so kam ich auf die Idee, ein T-Shirt zu entwickeln, das diesen vorbeugt. Um es zu finalisieren, brauchte ich allerdings noch jemanden, der richtig fit auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz ist …

… den du dann wie gefunden hast?

Das war ein etwas ungewöhnlicher Weg: Ich habe bei Facebook in der Uni-Informatikergruppe einen Post geschrieben und um einen Mitgründer mit entsprechendem Know-how geworben. Und solche Leute sind gar nicht so leicht zu kriegen, da die großen Firmen sie natürlich auch haben wollen (lacht). Ein große Hilfe hierbei war das EXIST-Förderprogamm für junge Gründer. Letztlich konnte ich mit der Idee und dem Ansatz Lukas Kühnbach überzeugen und dann haben wir im vergangenen Jahr dann unser Start-up EQUIL gegründet.

Wofür steht EQUIL?

Es ist die Abkürzung für Equilibrium, einen Begriff aus der Chemie, der so viel wie „Gleichgewicht“ oder „Balance“ bedeutet. In der Chemie werden Gleichgewichtsreaktionen mit einem Doppelpfeil gekennzeichnet, diese findet man auch in unserem Logo wieder. Mich fasziniert es einfach, was chemische Prozesse alles im Körper bewirken, daher kam ich auf die Idee.

„Über 50 Prozent der Deutschen haben Schulter-Nacken-Probleme ... auch viele junge Menschen haben bereits Probleme mit dem Rücken.“Constantin Diesch

 

 

Constantin Diesch - Equil
Constantin Diesch, der Gründer des Ulmer Start-ups EQUIL. Das Unternehmen entwickelt T-Shirts gegen Nackenschmerzen.
Für Technik-Laien: Kannst du kurz erklären, wie das T-Shirt gegen Nackenschmerzen funktioniert?

Wir haben im Bereich zwischen den Schulterblättern eine Platine integriert, die über ein Textilkabel zum Sensor in der Schulterpartie führt. Sobald die Schultern des Trägers hochwandern, wird eine Vibration des Sensors am Shirt ausgelöst. Man kann das Ganze allerdings auch über eine App ans Smartphone koppeln, dann wird die App aktiv und schlägt einem vor, eine Pause zu machen. Praktischerweise liefert sie auch direkt passende Videoanleitungen für Rückenübungen mit. Das gehört zu unserem Rundum-Programm, das wir für Mitglieder entwickelt haben.

Und was passiert, wenn man sich im Büro mal zwischendurch reckt und streckt?

Keine Sorge, ein Fehlalarm wird dadurch nicht ausgelöst. Der Sensor trackt permanent den Winkel vom Kopf zur Schulter, erst wenn dieser über längere Zeit nicht stimmt, wird ein Signal ausgelöst. Genau für diese Feinheiten brauchte ich ja unter anderem das Know-how von Lukas in Sachen künstlicher Intelligenz.

Den Prototypen kann man nur mieten, warum nicht kaufen?

Das stimmt, derzeit gibt es den Doppelpack zum Preis von 150 Euro für ein halbes Jahr, danach soll es eine monatliche Gebühr geben, die steht aber noch nicht fest. Wir möchten, dass jeder erst mal testen kann, ob er mit dem Shirt zurechtkommt. Außerdem geht der Trend ja generell zum Leihen, auch die Sharing Economy für Kleidung wächst. Der wichtigste Grund ist aber, dass wir die Körperwahrnehmung des Trägers trainieren möchten – irgendwann braucht er das Shirt dann nicht mehr, weil er automatisch eine gesündere Haltung einnimmt.

Wer sind die Interessenten?

Wir konzentrieren uns auf das betriebliche Gesundheitsmanagement und haben Anfragen von Unternehmen. Aber auch Privatpersonen interessieren sich für unsere Shirts.

Klingt spannend, was kommt als Nächstes?

Gerade haben wir es geschafft, eine Kleinserie von 20 Stück in Auftrag zu geben. Für mehr reichen unsere finanziellen Möglichkeiten derzeit nicht aus. Aber wir planen, die erste marktreife Serie des Shirts Ende 2019 oder Anfang 2020 herauszubringen. Sobald das Grundsystem steht, ist eine umfangreiche Produktpalette geplant, denn wir wollen uns in Zukunft auf viele weitere Bereiche konzentrieren, um Smart Clothes endlich in den Alltag zu integrieren.

Halbes Hemd
Equil – das T-Shirt gegen Nackenschmerzen.