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Lifestyle | Berlin - 24. Oktober 2018

Urban Gardening
das ganze Jahr

Gärtnern in der Großstadt klingt erst mal nach einem Widerspruch, aber Berlin zeigt, dass sich ein grüner Daumen bestens mit einem urbanen Umfeld verträgt.

„Wow! Schau mal, hier wächst das Gemüse drinnen!“ Die Berlin-Touristin blickt staunend in ein kleines Restaurant im Szene-Bezirk Mitte. Durch die Scheiben sieht sie hinter der Theke Mini-Gewächshäuser, in denen grüner Salat reift. Wobei Gewächshaus etwas übertrieben klingt, es sind eher kleine Gewächscontainer, die übereinandergestapelt eine ganze Wand im „Good Bank Berlin“ füllen. In jedem der gut 50 „Brutkästen“ wachsen Blattsalat und Grünkohl. „Die Pflanzen bleiben etwa vier Wochen im System und können dann geerntet werden“, erklärt der Kellner, der in diesem Fall auch ein „Vertical Farmer“ ist, denn jeden Morgen pflückt er so viele Salatblätter ab, wie die Gäste an einem Tag zwischen zwei Toastbrotscheiben oder in einer „Bowl“ verspeisen. Da das Gemüse tatsächlich nur die fünf Meter von der speziell beleuchteten Glasbehausung bis zur Küchenspüle zurücklegen muss, ist dieses Konzept in Sachen Frische nicht zu schlagen. „Cool“, quittiert die Touristin, als sie ihr Avocado-Salat-Brot bekommt und hineinbeißt, während sie von ihrem Barhocker aus auf eine grüne Wand schaut, wo der Gemüse-Nachschub reift.

Frisches Gemüse aus Urban Gardening in Berlin
Bunt, frisch und lecker – der Trend Urban Gardening wird auch von Restaurants und Firmen aufgegriffen.

Vertical Farming, wo das Gärtnern ins Haus geholt wird, ist so etwas wie die Endstufe von Urban Gardening. Letzteres bedeutet, dass auch mitten in der Großstadt Obst und Gemüse wachsen und damit ein Gegengewicht zum oft grauen Innenstadt-Beton liefern. Diese grüne Bewegung ist im Grunde schon hundert Jahre alt, aber erst Ende der 2000er-Jahre kam es in Berlin wieder in Mode, auch citynahe Flächen nicht nur zu begrünen, sondern Gurken, Erbsen und Kartoffeln anzupflanzen und der Allgemeinheit zugänglich zu machen.

Gastro-Gardening in Neukölln

Die Brücke zwischen dem futuristischen Good Bank Berlin und Urban Gardening schlägt das italienische Restaurant „Café Botanico“. Es liegt im Berliner Bezirk Neukölln in der Nähe der belebten Karl-Marx-Straße. Wer die Innenräume durchquert, landet auf einer Terrasse, die den Blick auf einen gut 1.000 Quadratmeter großen Garten freilegt. In vielen kleinen Beeten mit verwinkelten Wegen wächst alles von Mangold bis zur Kapuzinerkresse. Die meisten Gerichte auf der Speisekarte verweisen auf mindestens zwei Zutaten aus dem eigenen „Permakultur-Garten“, darunter allein 50 Wildkräuter. Der Begriff geistert schon seit den 1970er-Jahren durch die Urban-Gardening-Szene und bezieht sich auf eine nachhaltige Selbstversorger-Landwirtschaft, die so beschaffen ist, dass der Garten auch im Winter noch genug abwirft. Martin Höfft, der Betreiber des Café Botanico, bietet regelmäßig Führungen und Workshops an, während sein italienischer Schwiegervater den Kochlöffel schwingt. „Gastro-Gardening“ nennt er sein Gesamtkonzept.

Urban gardening Speisen im Café Botanico
Im Café Botanico werden viele Zutaten für die Gerichte selbst angebaut. Beispielsweise kommen alle Kräuter aus dem eigenen Garten.

Mit Prinzessinnen gärtnern in Kreuzberg

Nur einen Bezirk weiter können Berliner Gemüse selbst pflücken. Die Prinzessinnengärten in Kreuzberg sind so etwas wie ein Wahrzeichen der Urban-Gardening-Bewegung. Schließlich ist diese gut 6.000 Quadratmeter große Fläche direkt am Moritzplatz, wo schon der auffällige Aufbau-Haus-Komplex steht, millionenschweres Bauland. Erst war das Gartenprojekt nur zur Zwischennutzung genehmigt, kurz vor Ablauf der Frist demonstrierten Fans und Unterstützer für den Erhalt. Mit Erfolg: „Jetzt ist die Fläche gesichert“, erklärt Hanna Burckhardt, während sie eine Gruppe Oberstufenschüler über das Gelände lotst. „2012 haben wir einen langfristigen Mietvertrag vom Bezirk bekommen. Inzwischen wirbt die Stadt sogar offiziell mit uns.“ Während zwei Schüler eine frisch geerntete Rote-Bete-Knolle vom schwarzen Sand befreien, verweist Hanna auf die Dimension der Prinzessinnengärten: „Wir bauen hier jedes Jahr 500 Sorten Nutzpflanzen an, manchmal allein 70 verschiedene Tomatensorten – das ist eine Vielfalt, die ihr im Supermarkt nicht erleben könnt.“

Urban Gardening auf der Arbeit

Neben der Möglichkeit, frische Gartenprodukte zu bekommen, die mitten in der Stadt wachsen, oder selbst ein Beet zu bewirtschaften, haben sich die Prinzessinnengärten zu einem Treffpunkt von Gartenfreunden entwickelt. Mittendrin herrscht so etwas wie Biergarten-Atmosphäre, denn zwischen den Beeten gibt es ein Open-Air-Café, gesäumt von Bäumen.

Inzwischen arbeitet die gemeinnützige Betreibergesellschaft auch als grüner Dienstleister für Berliner Firmen und Institutionen. Ein Kunde ist der Münchener IT-Dienstleister MaibornWolff, der seine Berliner Niederlassung mit einem Firmengarten aufgewertet hat. Auf der 100-Quadratmeter-Dachterrasse unweit vom Potsdamer Platz stehen seit dem Frühjahr zwei Dutzend Hochbeete, also Holzkisten, die sich als mobile Gartenelemente der Umgebung anpassen. Der positive Effekt ließ nicht lange auf sich warten: „Die Freude an unserem Naturparadies wächst genauso stetig wie unsere schönen Tomaten und Bohnen“, freut sich Uta Rademacher, Office Managerin am Berliner Standort von MaibornWolff. „Neben Flieder, Ringelblume, Dahlie und Lilie haben wir überwiegend einen essbaren Pflanzenmix angebaut.“ Die Produkte finden sich seitdem immer wieder in den Lunchgerichten der Mitarbeiter wieder, aber neben der gesunden Ernährung hat Rademacher noch eine weitere Entwicklung beobachtet: „Ob Videokonferenz oder Bewerbungsgespräch, Mittagspause oder Teamsitzung – unser Terrassengarten bietet mit Stecktischen, einem modularen Sitzpodest, Bierbänken und Sitzbeeten flexible Optionen an, im Grünen zu arbeiten, zu feiern oder auch ganz einfach mal abzuschalten.“

Urban gardening - Firmengarten
Ein perfekter Ort, um zu entspannen und Pause von der Arbeit zu machen: die grüne Dachterrasse, auf der in erster Linie Nutzpflanzen angebaut werden.
Urban gardening Firmengarten
Sorgt auch für ein besseres Arbeitsklima: der Firmengarten.

Nach Feierabend auf den Acker

Wer als Stadtmensch lieber komplett im Grünen gärtnern will, kann das sehr einfach mit den „Ackerhelden“ tun. Birger Brock und Tobias Paulert aus Essen haben ihr Start-up 2012 mit dem Ziel gegründet, gerade auch Städtern den Einstieg ins Biogärtnern leicht zu machen. Sie bieten vorbepflanzte Ackerstücke an, die Privatleute mieten können, um eine Saison lang ihr eigenes Biogemüse anzubauen. Dabei stellen die Ackerhelden nicht nur die Flächen zur Verfügung: „Ich habe selbst so wertvolle Erfahrungen damit gemacht, die wollte ich einer größeren Zielgruppe zugänglich machen“, erklärt Birger Brock. „Somit besteht unser Service auch in der Beratung, wir nehmen die Leute an die Hand und qualifizieren sie in kurzer Zeit zu Hobby-Biobauern.“ Davon gibt es inzwischen gut 3.000, die etwa 1.400 Gartenparzellen bewirtschaften. Für Berliner haben die Ackerhelden eine Fläche im brandenburgischen Teltow gepachtet. Zu den „Usern“ zählen Ehepaare, junge Familien, Wohngemeinschaften, Bürogemeinschaften und Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern eine Parzelle zur Pflege geben. Wie bei anderen Sharing-Anbietern auch läuft die Buchung der Flächen über ein Web-Portal. „Die Leute werden vom Konsumenten zum Produzenten“, verdeutlicht Brock. „Das verändert ihr Ernährungs- und Konsumverhalten und sie haben Geschmackserlebnisse, die sie vorher nicht kannten.“

Die meisten Hobbygärtner kommen von Mai bis Ende November zwei Mal pro Woche für ein bis zwei Stunden zu ihrem Garten. Mehr Aufwand ist nicht nötig, um die Beete in Schuss zu halten. Die Triebfeder liegt in dem Naturerlebnis und dem Wunsch, das bestmögliche Gemüse zu bekommen. Aber Brock sieht noch einen weiteren Aspekt: „Das Erlebnis, aus einem winzig kleinen Samenkorn, das man selbst in die Erde gebracht hat, eine große Pflanze entstehen zu lassen, deren Früchte dann die Familie ernähren, macht einfach glücklich.“

Urban Gardening in Berlin

GOOD BANK BERLIN

Rosa-Luxemburg-Str. 5
10178 Berlin

good-bank.de

PRINZESSINNENGÄRTEN

Prinzenstr. 35–38
10969 Berlin

prinzessinnengarten.net

CAFÉ BOTANICO

Richardstr. 100
12043 Berlin
www.cafe-botanico.de

ACKERHELDEN

Hollandweg 3
14513 Teltow

www.ackerhelden.de