17. März 2016
Lifestyle | Wuppertal

Utopiastadt
in Wuppertal

Als kultureller Veranstaltungsort ist der Mirker Bahnhof längst etabliert. Doch die Initiatoren haben noch viel mehr vor. Ihre ambitionierte „Utopiastadt“ wächst – nachhaltig, nicht hastig.

Das alte Jahr endete gut für Christian Hampe und das Projekt Utopiastadt: Pünktlich zu Weihnachten kam die Nachricht, dass das Land Nordrhein-Westfalen Fördergelder in Höhe von drei Millionen Euro bewilligt. „Das war ein schönes Weihnachtsgeschenk“, sagt der 34-Jährige. Der Zuschuss muss bis Ende 2019 zweckgebunden investiert werden und soll vor allem in die Sanierung des 1882 errichteten, denkmalgeschützten Bahnhofs Mirke fließen. Dort, an der alten Nordbahntrasse, bauen Hampe, seine Projektpartnerin Beate Blaschczok und weitere Freiberufler und Ehrenamtler seit fünf Jahren an einem Kultur- und Kreativquartier. „Seitdem halten wir das wunderschöne Gebäude notdürftig instand“, so Blaschczok.

Fortschritt braucht Utopien

In was für Städten wollen wir leben? Was hinterlassen wir der nächsten Generation? Der Ursprung von „Utopiastadt“ liegt in den komplexen gesellschaftlichen und städtebaulichen Fragen unseres Zeitalters. Die beiden Kommunikationsdesigner Blaschczok und Hampe haben sich ihnen gestellt. Doch wie findet man Antworten auf große Fragen? Zunächst nicht alleine, sondern mit den richtigen Partnern. „Wir konnten früh gute Leute ins Boot holen“, erzählt Hampe. Wichtige Unterstützer halfen, behördliche Hürden zu überwinden. So etwa Vertreter der Sparkasse Wuppertal als Eigentümerin des Bahnhofs oder Oberbürgermeister Andreas Mucke, der seit Langem Mitglied im Förderverein ist. Hilfe kam zudem von der Wirtschaftsförderung Wuppertal sowie Architekten und Handwerkern sowie dem Verein /dev/tal e. V., der heute noch Mieter in Utopiastadt ist. Seitdem wächst das Projekt Schritt für Schritt – nicht zuletzt auch dank der tatkräftigen Unterstützung der Nachbarschaft im Quartier Mirke. Realisiert sind bislang ein Arbeitsraum für Start-ups und Studenten – der sogenannte Coworking-Space, offene Werkstätten für Holz, Fahrräder oder moderne Laser- und 3-D-Druck-Techniken, Urban-Gardening-Initiativen und das Café „Hutmacher“, ein bei vielen Wuppertalern beliebtes Konzert-, Kultur- und Ausflugsziel. „Wir bieten auch Qualifizierungsmaßnahmen an. Zum Beispiel für Kinder und Jugendliche“, sagt Tobias Freitag, Teil der „Mirker Schrauba“, die sich ehrenamtlich um das Fahrrad-Reparatur-Café kümmern.

In Utopiastadt in Wuppertal steht jedem ein Coworking Space samt Besprechungsraum offen
In Utopiastadt steht jedem ein Coworking Space samt Besprechungsraum offen.
In Utopiastadt in Wuppertal kümmert sich Tobias Freitag mit anderen um die Fahrradwerkstatt Mirker Schrauba
„Mirker Schrauba“ – Tobias Freitag schraubt ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen.
Utopiastadt in Wuppertal wurde 2015 als Ort des Fortschritts vom Land Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet
Utopiastadt
  • Auszeichnung:

    Ort des Fortschritts 2015

  • Ort:

    Wuppertal, Bahnhof Mirke

  • Subventionierung:

    3 Mio. €

  • Geschichte:

    Der historische Bahnhof Wuppertal-Mirke wurde 1882 errichtet und ist seit 1987 eingetragenes Baudenkmal. Seit 2011 beherbergt er die Initiative „Utopiastadt“.

  • Konzept:

    Kreativkluster: Agenturen und Ateliers, Coworking Space, Gastronomie, OpenKnowledgeLab, Utopiastadtgarten, Utopiastadtrad, Utopiawerkstadt

  • Website:

    www.clownfisch.eu/utopia-stadt

Ankunft der Schwebebahn: 2017

Und Utopiastadt soll weiter wachsen. Einerseits im Mirker Bahnhof, wo im Zuge der Sanierung ein Veranstaltungsraum, ein Hostel und weitere Werkstätten entstehen werden. Andererseits soll um das Gebäude herum mithilfe des Crowdfunding-Projekts „1m² Utopiastadt“ (siehe Kasten) auf einer Fläche von 50.000 Quadratmetern ein ganzer Campus nach Bürgerwillen entstehen. Dort wird 2017 dann auch der ausrangierte Schwebebahnwaggon aufgestellt, den die Utopiastadt gGmbH vor Kurzem von den Wuppertaler Stadtwerken zugesprochen bekam. Es ist einer von drei Waggons, die die WSW an gemeinnützige Einrichtungen vergeben haben. „Wir möchten ihn als Besucher- und Informationszentrum nutzen, aber auch Waren aus der Region präsentieren“, sagt Hampe.

Viele Vorhaben von Utopiastadt werden mit dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gespiegelt. „Das Institut stellt sich auf wissenschaftlicher Ebene ähnlichen Fragen, die wir hier in der Praxis angehen. Konkret geht es um Transformationsprozesse in unserer Gesellschaft“, erklärt Hampe. „Wir sind heute zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte in der Lage, globale Probleme in ihrer Komplexität und Gesamtheit zu erkennen. Also sollten wir unser Handeln so nachhaltig gestalten, dass es uns in eine qualitative Zukunft führt.“

Utopiastadt will wachsen

1m² Utopiastadt

Unter dem Motto „Wir kaufen uns die Stadt zurück!“ sammelt Utopiastadt Spenden für den Ausbau ihres Campus entlang der Nordbahntrasse. Für 100 Euro kann ein Quadratmeter erworben werden:


Zur Spendenaktion

Ein Jahr voller Jubiläen

5 Jahre Utopiastadt, 5 Jahre /dev/tal e. V., 10 Jahre Magazin Clownfisch, aus dem das Projekt „Utopiastadt“ entstanden ist, 25 Jahre Wuppertal Institut und 500 Jahre „Utopia“, der Roman von Thomas Morus – 2016 bietet viele Anlässe zu feiern. Hier gibt es das Programm:

www.utopia500.de

Fotos: © Jens Pussel

Willkommen im Kreativkluster, willkommen in Utopiastadt in Wuppertal

Utopiastadt

Utopiastadt ist ein Kunst- und Kreativkluster. Es ist die Initialzündung eines andauernden Kunst-, Kultur- und Gesellschaftskongresses mit Ambitionen und Wirkung.

Mirker Straße 48
42105 Wuppertal

www.clownfisch.eu/utopia-stadt