03. Dezember 2018
Lifestyle | Hamburg

Elektromobilität
für zu Hause

Wer Häuser für die nächste Generation bauen will, muss sich schon heute Gedanken über das Morgen machen. Für Dirk und Lars Viebrock spielt Elektromobilität dabei eine zentrale Rolle. Ein Gespräch am Unternehmenssitz in Harsefeld über Elektroautos, Nachhaltigkeit, neue Wohnkonzepte und die Zukunft des Bauens.

„Harsefeld ist quasi unser Labor“, sagt Dirk Viebrock. „Hier haben wir jeden Haus-Prototyp einmal gebaut und mittlerweile ganze Straßenzüge mit Photovoltaik bestückt.“ Dirk und Lars Viebrock kümmern sich im Unternehmen Viebrockhaus darum, Häuser zu errichten, die schon heute bestmöglich an die kommenden Vorgaben und Herausforderungen angepasst sind – traditionell Stein auf Stein, innovativ mit Photovoltaikanlage und intelligentem Energiemanagementsystem.

So sind seit 2018 alle Viebrock­häuser als KfW-Effizienzhaus 40 Plus ausgelegt, die ihren eigenen Ökostrom erzeugen. Dies erleichtert den Bewohnern den Umstieg auf zeitgemäße Elektromobilität, zumal Viebrock ein E-Mobility-Paket mit großer Photovoltaikanlage und Wallbox anbietet. „Das ist sicherlich eine gute Symbiose“, so Lars Viebrock. Viebrockhaus als Unternehmen geht mit gutem Beispiel voran. „In den nächsten Jahren werden wir unseren Firmenfuhrpark so weit wie möglich auf E-Fahrzeuge umstellen.“

Elektromobilität im Alltag

Auch privat setzen Dirk und Lars Viebrock auf Fahrzeuge mit Elektroantrieb. Das Laden erledigen sie bequem über eine Wallbox in der Garage. Über das eigene Heim hinaus versuchen sie zudem, nachhaltige Konzepte in ihrer Heimatstadt umzusetzen. „Wir planen gerade für die Siedlung ein Carsharing-Angebot mit einem smart EQ*. Die Leute sind offen, die Gemeinde freut sich auch.“ Denn gerade im ländlichen Raum sind Haushalte oft auf ein zweites Fahrzeug angewiesen. (*smart EQ: Stomverbrauch kombiniert: 20,8–12,9 kWh/100km; CO2-Emissionen kombiniert: 0 g/km) [1]

Lars Viebrock ist ein Verfechter der Elektromobilität.
Lars Viebrock: „Viele Dinge, die wir entwickeln, sind innovativ.“

„Wenn wir nicht nachhaltig bauen, wird uns das noch lange verfolgen!“Dirk Viebrock Aber nicht nur bei der individuellen Mobilität sehen die beiden Unternehmer nachhaltige Umwälzungen, auch ihre Branche steht vor Veränderungen. „Ownership ist generell ein Konzept, das verschwindet“, so Dirk Viebrock. Und damit unter Umständen auch das traditionelle Einfamilienhaus, das Häuslebauer gleich für mehrere Generationen errichten. Wie die Menschen in Zukunft wohnen wollen oder werden, kann allerdings auch er nicht vorhersagen. „Vielleicht in Häusern, die man wieder auseinandernehmen kann. Oder welche aus dem ­3-D-Drucker, wie es das heute schon in Schanghai gibt.“ Um immer am Puls der Zeit zu sein, „leistet“ sich Viebrock eine eigene Forschungsabteilung und unterhält Kooperationen mit Universitäten.

Dirk Viebrock setzt auch privat auf Elektromobilität.
Dirk Viebrock: „Ownership ist generell ein Konzept, das verschwindet.“
Herr Viebrock, wann war klar, dass Sie als Unternehmen und privat auf Elektromobilität setzen?

Dirk Viebrock: Da wir bei unseren Häusern seit vielen Jahren nach dem höchsten Energiestandard streben, haben wir hier bereits 2007 die Heizungen mit fossilen Brennstoffen ausgesperrt. In einer Brust schlagen keine zwei Herzen und so sind wir seit über zehn Jahren bestrebt, diesem Schritt mit der Elektromobilität zu folgen. Wir hatten 2008 den ersten Elektro-Pkw, der zwar von einem serienreifen Produkt noch meilenweit entfernt war, aber schon damals andeutete, wohin die Reise geht.

Was war und ist für Sie das Hauptargument?

Lars Viebrock: Der Umweltschutz. Angesichts der Diskussion zur Nachhaltigkeit von Lithium glauben wir heute trotzdem, den Weg in die richtige Zukunft eingeschlagen zu haben. Hierfür wird man Alternativen finden.

Ganz praktisch: Erfahren Sie durch Ihre Elektro-Pkw Einschränkungen in Ihrer Mobilität?

Dirk Viebrock: Ein Elektroauto ist in einigen Aspekten noch nicht so komfortabel wie ein herkömmlicher Pkw. Allerdings sind wir fest davon überzeugt, dass wir in naher Zukunft die Ladeinfrastruktur und Ladezeit sowie die Reichweite so gut gelöst bekommen, dass sich der Verbrennungsmotor den Argumenten hin zur E-Mobilität stellen muss. Später werden genau diese Punkte – Ladeinfrastruktur, Ladezeit und Reichweite – besser gelöst sein als bei einem Verbrennungsmotor.

Wie stehen Sie zum Verbrennungsmotor?

Lars Viebrock: Verbrennungsmotoren haben einige Vorteile. Sie funktionieren sehr gut und konnten sich über 100 Jahre etablieren. Zudem haben sie ein sehr gutes Verhältnis von Leistung zu Gewicht und Anschaffungskosten. Die herkömmlichen Pkw mit Verbrennungsmotor sind gegenwärtig natürlich für alle Bedürfnisse verfügbar.

Lars und Dirk Viebrock setzen privat und im Unternehmen auf Elektromobilität.
Lars (links) und Dirk Viebrock setzen auf E-Mobilität.
Aber als Unternehmen haben Sie ja nicht nur Pkw?

Lars Viebrock: Das ist richtig. Wir als Bauunternehmen haben auch Radlader, Kräne und Lkw. Wann auch bei diesen Fahrzeugen die Elektromobilität Einzug hält, wird sich zeigen. Für uns wird es deshalb noch einige Jahre lang eine Mischung sein, obwohl wir gern mehr auf Elektromobilität zurückgreifen würden.

Was ist Ihre Vision von zukünftiger Mobilität?

Dirk Viebrock: In Ballungsgebieten wird autonomes, elektrisches Fahren Einzug halten, im öffentlichen Personennahverkehr sicherlich ein vollautomatisches Verkehrsleitsystem. Wir halten Carsharing-Modelle für besonders zukunftsweisend und treiben deshalb in Harsefeld auch das Carsharing mit einem Pilotprojekt und Elektro-Pkws voran. Gerade mit der Kombination aus Photovoltaikanlage, Wallbox und Elektroauto haben Bauherren schon heute eine elegante Möglichkeit, sich für morgen unabhängiger zu machen – indem sie den Strom selbst produzieren, speichern und lokal emissionsfrei für ihre Mobilität nutzen. Eine runde Sache!

Nachhaltigkeit als Lebensmotto

Das Thema Nachhaltigkeit hat für die Viebrocks noch viele andere Facetten und geht runter bis ins Detail auf der Baustelle, wo Schuttsortiermaschinen zum Einsatz kommen und auf strikte Mülltrennung geachtet wird. Mit jedem gebauten Haus werden zum CO2-Ausgleich für 50 Jahre 150 Quadratmeter Regenwald in Panama unter Schutz gestellt. Viebrockhaus ist zudem Mitglied der Umweltinitiative B.A.U.M., der größten Umweltinitiative der Wirtschaft in Europa. In einem eigenen Forschungshaus tüfteln – in Kooperation mit einer Universität – Studenten an neuen Konzepten und Lösungen, an kleinen Details und am vielleicht nächsten großen Ding. „Wir müssen eben immer einen Schritt weiter in die Zukunft denken. Was geschieht zum Beispiel mit den verwendeten Materialien?“, verdeutlicht Lars Viebrock.„Wir müssen immer einen Schritt weiter in die Zukunft denken.“Lars Viebrock

Nachhaltigkeit bedeutet auch eine langfristige unternehme­rische Perspektive: „Für uns Brüder war immer klar, dass wir ins Unternehmen einsteigen würden. Wir hatten als Kinder ja einen großen Bauhof vor der Tür – den aufregendsten Spielplatz, den man sich vorstellen kann. Und zugleich die beste Vorbereitung für unsere berufliche Zukunft“, erzählt Dirk Viebrock. Familie verpflichtet eben – nachhaltig.

Dirk und Lars Viebrock treiben das Thema Elektromobilität voran.
Dirk und Lars Viebrock treiben das Thema Elektromobilität voran und wollen entsprechende Konzepte auch in ihrer Heimatstadt umsetzen.
Viebrockhaus in Zahlen
  • Gründung:

    1954

  • Leistungen:

    „schlüsselfertiges Bauen zum Festpreis“

  • Premiere:

    1962 entsteht das erste Typenhaus „V1“

  • Häuser:

    bis heute mehr als 31.000 Einheiten

  • Auszeichnungen:

    „Marke des Jahrhunderts“ (2013, 2016)

  • Engagement:

    Schutzwald in der Provinz Bocas del Toro in Panama; seit 2012 Mitglied im Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management e.V. (B.A.U.M.)