04. November 2016

Baden gehen

Sport ist wichtig für die körperliche, geistige und soziale Entwicklung eines Kindes. Doch viele Eltern kennen das: Es kommt die Phase, in der Handyspiele oder Konsolen beim Nachwuchs besser ankommen als das Fußballtraining. Wie motiviere ich dann mein Kind zum Sport? Im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin erläutert Katrin Riebke von der Sportjugend des Landessportbundes Rheinland-Pfalz, was Eltern tun können. Entscheidend ist vor allem eins: Vorbild sein!

Warum ist Sport so wichtig für Kinder und Jugendliche?

Aus meiner Sicht gibt es einen Dreiklang. Der heißt Bewegung, Spiel und Sport. Das sind elementare Bedürfnisse der kindlichen Entwicklung. Anschaulich wird das schon bei Säuglingen. Sie begreifen die Welt über ihre Bewegungen, indem sie sich strecken, rollen, drehen oder nach Spielzeugen greifen. Das zeigt schon: Es geht um eine ganzheitliche Förderung durch Bewegung und Sport.

In welchen Bereichen?

Sehr offensichtlich sind die körperlichen Aspekte. Kinder, die viel Sport treiben, sind kräftiger, widerstandsfähiger, gesünder, besitzen mehr Ausdauer – aber das sind nur die vordergründigen Seiten.

Wie steht’s um die anderen Fähigkeiten?

Nehmen wir die Psyche. Aus der erfolgreichen Bewältigung einer Aufgabe lerne ich, dass ich etwas bewirken kann. Das stärkt die Persönlichkeit eines Kindes ungemein. Und auch die sozialen Aspekte spielen eine wichtige Rolle. Kinder lernen auf eine spielerische Weise, zu agieren, zu reagieren und aufeinander zu achten. Hinzu kommen der Fair-Play-Gedanke und die Einhaltung von Regeln. Das alles wird beim und durch den Sport vermittelt. Darüber hinaus wird auch die geistige Entwicklung gefördert.„Gerade beim Übergang von der Kita in die Schule ist ein möglichst breites Sport-Spektrum wichtig.“Katrin Riebke

Katrin Riebke vom Landessportbund Rheinland-Pfalz weiß, wie Eltern ihre Kinder zum Sport motivieren können.
Katrin Riebke ist seit vielen Jahren für die Sportjugend des Landessportbundes Rheinland-Pfalz tätig.
Inwiefern?

Hier spielen Umwelteinflüsse und Anreize eine wichtige Rolle. Die Sprachfähigkeit ist zum Beispiel eng mit der Motorik verknüpft. Genauso wie das logische Denken. Durch Bewegung fühlen und lernen Kinder, was schwerer und leichter, kürzer und länger, näher oder ferner ist. Das verbessert unter anderem die Planung einer Handlung. Ganz nebenbei wirkt Bewegung sich auch positiv auf die Konzentrationsfähigkeit aus.

Schon seit einigen Jahren gibt es die Tendenzen, dass Kinder immer dicker werden und Sportvereine über Nachwuchsmangel klagen. Welche Rolle spielen Eltern vor diesem Hintergrund und wie können sie ihre Kinder zum Sport motivieren?

Wichtig ist, dass sie mit gutem Vorbild vorangehen. Das heißt übrigens nicht zwangsläufig, dass sie selber in einem Sportverein sein müssen. Sie sollten aber ein aktives Leben führen. Die Gemeinschaft in einem Verein erleichtert das natürlich sehr.

Was sollten Eltern konkret tun?

Hier bieten sich Fahrradtouren, Schwimmbadbesuche oder gemeinsame Spaziergänge an. Gerade die kann man durch Suchspiele wie etwa Geocaching auch spannend und abwechslungsreich gestalten. Und was spricht gegen eine Runde Ballspielen mit den Kleinen nach Feierabend? Daran haben wahrscheinlich alle Spaß. Aber auch alltägliche Aufgaben lassen sich wunderbar mit Bewegung kombinieren. So kann ich für den Einkauf oder den Besuch beim Freund das Rad nehmen. Solche Aktivitäten sollten fest integriert werden. Wichtig ist aber auch, dass Eltern ihre Kinder dazu motivieren, Neues auszuprobieren. Das gilt vor allem für die Altersspanne der 5- bis 7-Jährigen. Gerade beim Übergang von der Kita in die Schule ist ein möglichst breites Spektrum wichtig. Vereine, in denen mehrere Sportarten betrieben werden, bieten hierfür ein gutes Angebot. Eine zu frühe Spezialisierung auf eine Sportart wirkt eher kontraproduktiv. Jedes Kind muss zunächst einmal seine Disziplin finden – und das funktioniert nur übers Ausprobieren. Entscheidend ist der Spaßfaktor. Geht ein Kind mit Freude zum Training, lässt es sich nicht so schnell davon abbringen.

Sport und Entwicklung

Logo des Landessportbundes Rheinland-Pfalz
  • Ziele: Die Jugendorganisation des Landessportbundes Rheinland-Pfalz (LSB) vertritt die Interessen von rund 550.000 Mitgliedern, die in 6.300 Vereinen organisiert sind. Zu den zentralen Aufgaben gehört unter anderem die Verbesserung der Jugendarbeit.
  • Unterwegs: Für die Ferienzeit werden auch Jugendreisen angeboten. Hierbei reicht das Angebot über Ski-Fahren in Österreich bis hin zum Strandurlaub.
  • Förderung: Die Zusammenarbeit von Kitas und Vereinen wird gezielt gefördert. Übungsleiter besuchen regelmäßig Kindertagesstätten, um das Bewegungsangebot in diesen Einrichtungen zu verbessern.
  • Weitere Informationen: www.sportjugend.de