06. Juni 2017

Die mobile Praxis

Tierärztin Dr. Inka Kreling-Boysen ist spezialisiert auf Pferde. Das Mercedes-Benz Kundenmagazin begleitet die Expertin in ihrer mobilen Praxis. Im Interview spricht sie über Rossnaturen und gibt Tipps rund ums Pferd.

Inka Kreling-Boysen steuert die Mercedes-Benz V-Klasse vorsichtig über den holprigen Feldweg. Der Untergrund ist schwierig, doch der Allradantrieb bringt sie sicher ans Ziel: zur Eulenmühle, einer Pferdepension mit Reitstall im rheinhessischen Hügelland bei Ingelheim. Der Hof wurde schon mehrfach für seine artgerechte Haltung ausgezeichnet. Daneben ist das mehr als 300 Jahre alte Gebäude-Ensemble im idyllischen Selztal Sitz des Pferdeschutzvereins Pro Equis. Hausherrin Wiltrud Heine bietet auf ihrem Hof und den umliegenden Weiden Tieren aus Notsituationen ein neues Zuhause. Eines von ihnen ist der 18-jährige Haflinger Herkules. Weil er Reiter lieber auf dem Boden als auf seinem Rücken sah, fand sich kein Käufer. Zwei Kinder plünderten deshalb vor zwei Jahren ihr Sparschwein, kauften ihn und übergaben das Tier der Eulenmühle. Weil er lahmt, soll er heute geröntgt werden. Für die Anfahrt braucht Inka Kreling-Boysen kein Navigationssystem. Sie betreut die Tiere bereits seit mehreren Jahren und hat schon mehrfach Vorträge in der Eulenmühle gehalten. Auf der Fahrt in ihrer mobilen Praxis erläutert die Expertin, warum Pferde sie so faszinieren und was Halter bei der Zucht beachten sollten.

Pferde …

begleiten mich seit meiner Kindheit. Als ich acht Jahre alt war, sind meine Eltern von Hamburg nach Rheinland-Pfalz an den Rhein gezogen. Anfangs hatten wir nur ein paar Ponys. Doch daraus entwickelte sich nach und nach ein richtiger Reiterhof, auf dem wir in den Ferien Reiterfreizeiten angeboten haben. Meine Mutter hat sich vor allem auf das therapeutische Reiten verlegt. Später habe ich selber einen Abschluss als Reitwartin und Reitlehrerin gemacht.

Mein Berufsziel …

war ursprünglich ein ganz anderes: Ich wollte eigentlich Gymnasiallehrerin werden. Während des Studiums habe ich dann gemerkt, das ist nichts für mich, und ich habe umgesattelt. Und weil ich mit Tieren aufgewachsen bin, habe ich schließlich Veterinärmedizin in Gießen studiert. Im Anschluss habe ich verschiedene Praktika in Pferdekliniken und -praxen im In- und Ausland absolviert und später noch eine Zusatzausbildung zur Fachtierärztin für Pferde in Deutschland, England und den USA gemacht. Danach war ich zwölf Jahre Mitgesellschafterin der Tierklinik Binger Wald, ehe ich mich 2011 mit meiner Fahrpraxis selbstständig gemacht habe.

Als Tierarzt mit einer Praxis auf vier Rädern …

ist man Allrounder. Deshalb macht es Sinn, dass ich mich auf Pferde konzentriere. Ich bin quasi Frauenarzt, Kinderarzt, Zahnarzt, Orthopäde und Internist in einer Person. Das ist das Schöne an meinem Beruf, aber zugleich eine Herausforderung, da man sich immer auf dem Laufenden halten muss. Es gibt in der Tiermedizin zunehmend Spezialisten, und auch die technischen Möglichkeiten werden immer besser. So habe ich meinen Schwerpunkt im Laufe der Zeit in Richtung innere Medizin verlagert. Daher habe ich in meinem Fahrzeug auch immer ein Endoskop an Bord.

Pferdestärken: Tierärztin Dr. Inka Kreling-Boysen am Steuer der Mercedes-Benz V-Klasse, ihrer mobilen Praxis
Tierärztin Dr. Inka Kreling-Boysen am Steuer der Mercedes-Benz V-Klasse, ihrer mobilen Praxis.
Mein Auto ist für mich …

der beste Kumpel. In Ingelheim habe ich nur ein Büro mit Apotheke, wo sich eine Mitarbeiterin um den Papierkram kümmert. Mein eigentlicher Arbeitsplatz ist der Van. Die Innenausstattung ist eine Sonderanfertigung. Da ist jeder Zentimeter genutzt. Mit dabei habe ich alle wichtigen Instrumente – sogar ein Röntgengerät. Das macht mich flexibler. Ich kann die Tiere in ihrer gewohnten Umgebung behandeln; der für sie oft stressige Transport entfällt.

Mit Unterstützung von Pferdebesitzerin Wiltrud Heine röntgt Dr. Inka Kreling-Boysen das Sprunggelenk von Haflinger Herkules. Zum Schutz vor der schädlichen Strahlung trägt Heine eine Bleiweste.
Mit Unterstützung von Pferdebesitzerin Wiltrud Heine röntgt Dr. Inka Kreling-Boysen das Sprunggelenk von Haflinger Herkules.
Die V-Klasse hinter der Pferdeweide an der Eulenmühle mit grasenden Pferden im Vordergrund
Die mobile Praxis
  • Das Auto: Mercedes-Benz V-Klasse
  • Die Ausstattung: Ultraschallgerät, Röntgengerät, Endoskop-Koffer, Zahnkoffer, mobile Apotheke mit Medikamenten und Verbandsmitteln
  • Besonderheiten: Permanenter Allradantrieb, Luftfederung, zwei Schiebetüren, tiefgaragentauglich
  • Noch mehr Pferdestärken: Mercedes-Benz Reiterforum – die exklusive Abendveranstaltung für Reitsportbegeisterte
Die Fahrt zum Patienten ...

macht mir Spaß. Ich fahre gerne Auto. Muss ich auch, denn meine Patienten sind im Umkreis von 100 Kilometern verstreut. Meist bin ich den ganzen Tag unterwegs und lege pro Monat 4.000 bis 5.000 Kilometer zurück – über Wald- und Schotterwege, bei Wind und Wetter, Schnee, Matsch und Eis. Dabei brauche ich die größtmögliche Sicherheit, dass ich überall hinkomme. Bei der Auswahl meines Fahrzeugs waren mir deshalb eine hohe Zuladung, Bodenfreiheit und der Allradantrieb wichtig. Außerdem muss der Wagen wendig sein, da ich in den Orten rund um Ingelheim oft durch enge Gassen fahren muss. Und schließlich und endlich durfte er nicht zu hoch sein, damit ich auch einmal in einer Tiefgarage parken kann, wenn ich in der Stadt zu tun habe.

Zu den schönsten Momenten als Tierarzt ...

gehört sicherlich die Geburt eines Fohlens. Es ist immer wieder ein unvergessliches Erlebnis, wenn es die ersten Schritte macht. Leider kann ich aufgrund der langen Anfahrt nicht immer dabei sein. Deshalb sind in den ersten Stunden nach der Geburt oft die Besitzer gefordert, denn gerade diese Phase ist entscheidend für die weitere Entwicklung eines Tieres. Aus diesem Grund sollten sich Halter im Vorfeld gut über ihre Aufgaben in dieser Situation informieren.

„Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich Allrounder bin.“Dr. Inka Kreling-Boysen

In der V-Klasse schauen sich Dr. Inka Kreling-Boysen und Wiltrud Heine auf dem Computermonitor die Röntgenaufnahmen an.
In der Mercedes-Benz V-Klasse schauen sich Dr. Inka Kreling-Boysen und Wiltrud Heine im Anschluss die Röntgenaufnahmen an.
Ein weit verbreiteter Mythos ...

ist die Nachtwache. Dadurch kann die Geburt verzögert werden, da sich das Tier gestört fühlt. Stattdessen empfiehlt sich ein Geschirr mit Sensoren, das die Besitzer alarmiert, wenn die Temperatur der Stute ansteigt.

Alternativmedizin …

spielt auch beim Pferd eine zunehmende Rolle. Osteopathie und Akupunktur haben ihre Berechtigung, wenn die Anbieter über eine entsprechende Ausbildung verfügen. Skepsis ist angezeigt bei Angeboten wie der telefonischen Behandlung – wohlgemerkt des Pferdes, nicht des Besitzers. Solche Angebote kann man nicht ernst nehmen.