17. März 2016

Jazz im Blut

Mannheimer Tonkünstler – Jazz-Trompeter Thomas Siffling kombiniert seinen Jazz mit elektronischen Beats. Mit 43 Jahren steht der Vollblut-Musiker und Produzent im Zenit seiner Karriere. Was ihn antreibt, wo er hin will und warum Mannheim der perfekte Ort dafür ist.

Wenn Thomas Siffling über Musik spricht, leuchten seine Augen. Sie ist sein Leben, seine Leidenschaft. Und auch sein Beruf. Der Trompeter gehört zu den Vorreitern der jungen deutschen Jazz-Szene. Durch unzählige Gastauftritte auf der ganzen Welt ist er über Deutschland und Europa hinaus bekannt.

Tonkünstler

Das musikalische Talent hat Thomas Siffling von seinem Großvater geerbt. Der hat in den 1920er-Jahren zu Stummfilmen Musik gemacht. Als sein Vater von einer Geschäftsreise ein altes Posthorn mitbringt, ist der kleine Thomas der Einzige in der Familie, der dem Instrument einen Ton entlockt. „In dem Moment wusste ich: Ich will Trompete lernen. Und ich möchte Musiker werden.“

Den eigenen Weg gehen

Thomas Siffling darf beim Staatstheater in Karlsruhe vorspielen und gewinnt den Solotrompeter als Lehrer. „Das Tolle an der Musik ist, dass man damit Andere glücklich machen kann!“ Thomas Siffling„Das war wie ein Sechser im Lotto. Er hat mir viel beigebracht und mich gut durch die Pubertät begleitet, in der mir alles andere wichtiger war. Ich war lange Zeit ziemlich faul.“ Sein bester Freund, der heute Opernsänger ist, sorgt dafür, dass sich das ändert. „Er sagte zu mir: ,Wenn du das professionell machen willst, dann fang an zu üben. Sonst hast du in dem Geschäft keine Chance.‘“ Von diesem Tag an bläst Thomas Siffling täglich sechs bis sieben Stunden auf seiner Trompete. Er bewirbt sich an der Staatlichen Hochschule für Musik in Mannheim und studiert Jazz-Trompete. 1999 veröffentlicht er seine erste CD. „Das war ein großartiges Gefühl, das erste eigene Werk in den Händen zu halten.“

Mannheimer Jazz-Musiker Thomas Siffling auf dem Balkon seiner Wohnung.
Thomas Siffling, Jazz-Musiker, auf dem Balkon seiner Mannheimer Wohnung.

Leiden schafft!

Seine Karriere kommt ins Rollen. Er veranstaltet Konzerte, tritt in angesagten Mannheimer Jazz-Clubs auf und produziert weitere Alben. Er ist überzeugt, dass Können und Glück allein nicht ausreichen, um in der Branche Fuß zu fassen. „Bei aller Freude, Musik zu machen: Ohne Fleiß und Disziplin geht es nicht.“ Und so bleibt er dran, auch wenn es manchmal mühsam ist. Er schlägt sich viele Nächte um die Ohren und bringt dann am nächsten Morgen um acht Uhr seinen Sohn in den Kindergarten. „Besonders das Komponieren ist für mich ein Leidensprozess. Oft schiebe ich es so lange vor mir her, bis der Druck unerträglich wird.“ Wie ihm plötzlich die Melodie einfällt? „Das kann beim Joggen sein oder beim Autofahren. Wenn ich unterwegs bin, singe ich sie in mein Handy ein und schreibe sie später auf ein Notenpapier. Am Klavier setze ich die Instrumentierung auf, und zum Schluss probe ich mit meiner Band.“ Mit dem Trio verbinden ihn internationale Konzertreisen nach Rumänien, Moldawien, Dänemark, Frankreich, Italien und Russland sowie zahlreiche CD-Veröffentlichungen.

Jazz-Musiker Thomas Siffling beim Komponieren zu Hause in Mannheim
Ruhe und Zeit: Am liebsten arbeitet der Musiker zu Hause in Mannheim. Besonders das Komponieren verlangt ihm Geduld ab.
Jazz-Musiker aus Mannheim, Thomas Siffling, sitzt am Keyboard mit gefalteten Händen
Thomas Siffling
  • Ort: Geboren ist Thomas Siffling1972 in Karlsruhe. Heute lebt er in seiner Wahlheimat Mannheim.
  • Vita: Moderner Jazz ist das Markenzeichen des Trompeters, der zudem als Komponist, künstlerischer Leiter und Berater arbeitet. Er betreibt eine eigene Produktionsfirma und zwei Plattenlabels. Nicht nur als Solist, sondern auch mit seiner Band tritt der Jazz-Trompeter gerne auf.
  • Familie: Der 43-Jährige ist verheiratet und hat einen Sohn.
  • Website: www.thomassiffling.com

Offen für Neues

Fragt man den umtriebigen Mannheimer Musiker nach seinen Zukunftsplänen, sprudeln die Ideen aus ihm heraus: mehr Konzerte im Ausland, große Festivals kuratieren, mit anderen Genres experimentieren, neue Alben rausbringen. „Vielleicht fange ich auch an zu singen.“ Denkbar ist noch vieles für ihn, obwohl er schon weit gekommen ist. „Musiker zu sein war schon immer sexy in meiner Vorstellung. Ehrlich gesagt, bin ich sehr glücklich und zufrieden mit meinem Leben. Genau richtig so.“ Da ist sie wieder, seine Begeisterung – und das Leuchten in seinen Augen.

Das Publikum ist für mich ...

ganz elementar, denn es gibt mir Feedback. Ich mag es, wenn die Leute mitmachen, Spaß haben und mir das lautstark zeigen. Das ist mir deutlich lieber als passive Zuhörer.

Meine größten Fans sind ...

meine Mutter und meine Schwiegermutter. Und die Tochter einer belgischen Kollegin, die meinetwegen angefangen hat, Trompete zu spielen.

An Mannheim mag ich ...

die tolle Pop-, Jazz- und Klassikszene, das Nationaltheater und das Hafenviertel. Dort ist auch das Büro meiner Produktionsfirma. Die Infrastruktur ist ideal, und ich mag die Nähe zu Frankreich und der Pfalz.

Mit Mercedes-Benz verbindet mich ...

ein Faible für Oldtimer und die Liebe zu meinem „Strich-Acht“, einem echten Klassiker. Auch moderne Fahrzeuge wie der GLK haben es mir angetan.

Jazz-Musiker aus Mannheim, Thomas Siffling, zielt mit seiner Trompete