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Menschen | Köln/Leverkusen - 22. Juli 2019

Kölner Bildband:
In unseren Veedeln

4,5 Jahre, 86 Stadtteile, rund 2.000 Kilometer zu Fuß und mehr als 100.000 Fotos: Das sind die Fakten zum Bildband „Köln ­– 86 Veedel“. Der Fotograf Daniel Zakharov, selbst seit über 30 Jahren Kölner, erzählt im Interview von Motiven und Motivationen, von unangenehmen Begegnungen und von dem, was die Kölner Stadtteile zusammenhält.

Der Dom mit Hohenzollernbrücke, der Dom mit Hauptbahnhof, der Dom mit Römisch-Germanischem Museum, der Dom mit Kreuzblume. Wer in Köln fotografiert, kommt um das berühmte Wahrzeichen und Weltkulturerbe nicht herum. Auch Fotograf Daniel Zakharov bildet da keine Ausnahme. Doch der Autodidakt wollte mehr von seinem Köln zeigen: die volle Vielfalt, die versteckten Ecken, die Licht- und Schattenseiten abseits von Hohe Straße und Roncalliplatz.

Ehrenfeld, Raderthal, Nippes, Poll …

Also machte sich Zakharov im Jahr 2014 auf, um alle 86 Veedel Kölns in den Fokus seiner Kamera zu nehmen. Entstanden ist ein umfassendes Kaleidoskop der charmanten Kontraste Kölns – seien es jene zwischen Kalk und Klettenberg oder die innerhalb eines Motivs, wenn zum Beispiel die Domspitzen aus einem Haufen Dreck herausragen.

Dat is Kölle: Dem Mariechen am Willi Ostermann Brunnen hat ein Unbekannter Lippenstift aufgetragen.
Daniel, wie bist du zur Fotografie gekommen?

Ich komme aus einer künstlerischen Familie und habe schon als Kind viel gezeichnet und mich kreativ beschäftigt. Irgendwann habe ich begonnen zu fotografieren. Im Alter von etwa zwölf Jahren habe ich eine alte Analogkamera geschenkt bekommen. Damit habe ich zig Filme verschossen und meine Eltern mussten immer wieder neue kaufen.

Willi Ostermann wollte immer „zo Fooß noh Kölle jonn“. Du bist mit deiner Kamera zu Fuß „durch“ ganz Köln gelaufen …

Ja, über 2.000 Kilometer durch sämtliche Kölner Veedel. Die Routen habe ich alle per GPS aufgezeichnet. Sie sollen später als Karte auch Eingang in den Bildband finden.

Du sprichst es schon an, du hast für das Projekt „86 Veedel“ alle Stadtteile besucht und porträtiert. Wie kommt man auf so eine Idee?

Angefangen hat es ganz unbewusst. Ich habe schon immer Motive in Köln fotografiert, aber ohne ein bestimmtes Ziel. 2014 kam ich mit einem Freund auf die Idee, alle Veedel Kölns zu besuchen und zu fotografieren. Am Anfang ist er noch mitgekommen. Irgendwann wurde es ihm aber zu viel.

Nun ist Köln ja nicht gerade für seine Schönheit bekannt. War es auch ein Antrieb, die Stadt einmal ins rechte Licht zu rücken?

Nein, es war eher eine Herausforderung (lacht). Was mich an Bildern von Köln immer gestört hat, ist die Eindimensionalität. Immer nur Dom und Rhein. Ich wollte die ganze Stadt erkunden und aus anderen Perspektiven zeigen, auch den Dom. Aber glatte Schönheit interessiert mich dabei nicht. Insofern liegt mir Köln. Ich mag die Ecken und Kanten und Absurditäten.

Das Absurde sieht man in deinen Bildern häufig. Wie kreierst du deine Motive?

Zunächst mit Fleiß. Ich bin systematisch in einen Stadtteil gefahren und dort mehrere Tage durch alle Straßen gelaufen. Mit Dellbrück habe ich angefangen. Aber nach 20 Veedeln war ich ausgelaugt. Das war einfach zu viel. Also habe ich jeden Tag ein anderes Viertel besucht und bin dafür dann später noch einmal zurückgekehrt. Das 86. Veedel war Humboldt-Gremberg im Frühjahr dieses Jahres.

Fotograf Daniel Zakharov lehnt an eine Hauswand.
Daniel Zakharov arbeitet seit fast fünf Jahren an der Umsetzung seiner Idee zu einem Kölner Bildband.
Das Beste zum Schluss?

Na ja … So ein paar Stadtteile habe ich vor mir hergeschoben. Dazu gehört auch Hahnwald. Dort gibt es nur hohe Hecken und Überwachungskameras. Das ist fotografisch nicht interessant und ich respektiere die Privatsphäre. Wenn Häuser bei Google Maps verpixelt sind, habe ich sie auch nicht fotografiert. Genauso achte ich darauf, möglichst keine Menschen abzulichten.

Wonach hast du gesucht?

Ich wollte Köln als Kulisse zeigen, als leere Bühne, auf der wir uns alle bewegen. Die Kontraste zwischen akkurat geschnittenen Hecken hier und verwahrlosten Ecken dort – das fasziniert mich.

Die Bilder von Zakharov bestehen durch Klarheit und Kontraste.
Manchmal hat Daniel auch einen Mercedes-Benz vor der Linse gehabt, wie hier eine S-Klasse vor einem alten Fabrikgebäude in Mülheim.
Fotograf Daniel Zakharov ist seit über zehn Jahren selbständig.
Daniel Zakharov
  • Daniel wurde vor 35 Jahren in Moskau geboren. Im Alter von fünf Jahren kam der Sohn des Künstlers Vadim Zakharov, ein Vertreter des Moskauer Konzeptualismus, mit seiner Familie nach Köln. Nach dem Abitur studierte er zunächst Design an der FH in Düsseldorf. Als er merkte, dass dies nichts für ihn ist, versuchte er sich erfolgreich als selbstständiger Fotograf. Seit 2008 hat er sich im kommerziellen Bereich auf  People- und Porträtfotografie sowie künstlerische Dokumentation spezialisiert. Daneben verfolgt er eigene Projekte wie „Köln – 86 Veedel“.

Welches Kölner Veedel hat dich überrascht?

Weidenpesch fand ich sehr schön mit der Pferderennbahn und tollen denkmalgeschützten Siedlungen. Dann Porz-Zündorf mit der Groov und viel Grün. Und im Norden Worringen mit seinem dörflichen Charakter. Das sind alles Stadtteile, bei denen ich nicht viel erwartet hatte, die sich aber visuell oder atmosphärisch als spannend entpuppt haben.

Was hat dich erschreckt?

Wenig überraschend die Problemsiedlung Kölnberg in Meschenich. Da war mir doch etwas mulmig zumute. Ich wurde auch von einem der Hausmeister der berüchtigten Hochhäuser des Platzes verwiesen. Denen hat nicht gefallen, dass da jemand fotografiert.

Wie oft hast du den Dom fotografiert?

Sehr oft. Der Kölner Dom ist einfach das Herz dieser Stadt. In einigen Veedeln fühlt man sich nicht mehr wie in Köln, dann geht man um eine Ecke und die Spitzen des Doms tauchen auf. Er ist einfach das verbindende Element. Er hält die Stadt zusammen.

Wo gab es die meisten Motive?

In Ehrenfeld oder Nippes, im Kwartier Latäng oder in der Südstadt, eigentlich ja Altstadt-Süd und Neustadt-Süd, gibt es natürlich Tausende schöne Szenerien.

Wie viele Fotos sind insgesamt in den 4,5 Jahren entstanden?

Ich habe unzählige Festplatten voll mit Bildern, schätzungsweise über 100.000 Stück. In mein Buchprojekt „Köln – 86 Veedel“ werden es natürlich nur die besten schaffen. Dazu packen wir dann noch einige Interviews mit bekannten und spannenden Kölner Persönlichkeiten.

Also kein reiner Bildband? Wieso?

Meine Fotos sind ja menschenleer. Aber man kann Köln nicht charakterisieren, ohne auf die Menschen einzugehen, die hier leben. Deshalb habe ich zum Beispiel den Drehorgelspieler von der Hohe Straße interviewt. Oder den Gründer von Odonien. Oder einen Stadtteilhistoriker.

Daniel Zakharov sucht die ungewöhnlichen Perspektiven.
Im Blog seiner Homepage beschreibt Daniel seine Ausflüge in die Veedel noch genauer.
Letzte Frage: Wann wird dein Buch erscheinen?

Ich hoffe, Ende dieses Jahres.

Die FLandzunge am Niehler Hafen ist bei Hochwasser häufig überschwemmt.
Kontraste prägen Köln: Hier sind es der Rhein, ständig im Fluss, und der Dom, der wie ein Anker die Zeit überdauert.