08. Mai 2018
Menschen | München

Weltmeisterin, Hollywood-Bäckerin
und Powerfrau

Andrea Schirmaier-Huber zaubert aus Kuchen und Torten wahre Kunstwerke. Ihr Können hat sie bereits für Hollywood unter Beweis gestellt. Uns verrät die Münchenerin eines ihrer Lieblingsrezepte, was sie umtreibt und welchen Leckereien sie nicht widerstehen kann.

Einer für alle, alle für einen! Der Hollywood-Streifen „Die drei Musketiere“ war einer der teuersten und aufwendigsten Filme, die je in Deutschland gedreht wurden. Internationale Stars, tausende Komparsen, Stuntmen, Masken- und Kostümbildner, Kameraleute und Food-Stylisten waren bei dem 3-D-Blockbuster mit von der Partie – eine von ihnen: Andrea Schirmaier-Huber. Die Ausnahmekonditorin sorgte am Set dafür, dass alle Süßigkeiten, Torten und Kuchen so aussehen, als würden sie direkt aus der Zeit von d’Artagnan und Co. stammen. Eine Mammutaufgabe. Welche Techniken haben die Bäckerinnen früher eingesetzt? Welche Zutaten wurden verwendet? Und wie wurden die Torten verziert? „Um das alles herauszufinden, habe ich mich intensiv in die Backkunst des 17. Jahrhunderts eingelesen – es war wie eine Reise in die Vergangenheit.“ Damit die Backwaren möglichst echt wirkten, setzte Schirmaier-Huber Originalformen ein, die ein Museum zur Verfügung gestellt hatte. „Die Formen waren eingerostet und ausgetrocknet, erst nach vier oder fünf Anläufen waren sie wieder einsatzbereit. Aber letztendlich hat alles geklappt.“

Neuland hat die Münchnerin nicht betreten, als sie bei der Filmproduktion mitwirkte. „Neu waren aber definitiv die Dimensionen. Es wurde im Studio gedreht, aber auch im Schloss Herrenchiemsee, dem Schloss Schleißheim, in der Würzburger und der Münchner Residenz – und die Kuchen mussten natürlich an die verschiedenen Drehorte transportiert werden.“ Schon seit Jahren stellt die Konditorin für TV-Produktionen her. In der Filmbranche ist sie bekannt. „Deshalb wurde ich auch für ‚Die drei Musketiere‘ angefragt.“

Weltmeister-Konditorin Andrea Schirmaier-Huber
Andrea Schirmaier-Huber: „Das Wichtigste beim Backen ist, dass man Freude daran hat.“

Die Liebe zum Backen liegt in der Familie

Auch selbst steht die Oberbayerin regelmäßig vor der Kamera – als Backexpertin und Jurorin. „Meine erste Sendung war ‚Backen wie die Weltmeister‘ gemeinsam mit meinem Vater. Ich war extrem nervös, das ist einfach eine andere Welt.“ Ihre Welt. Schirmaier-Huber liebt das Fernsehen. „Man erreicht so viele Menschen und kann so viel transportieren. Schade nur, dass der leckere Duft aus der Backstube nicht bei den Zuschauern ankommt.“ Ein Duft, dem die leidenschaftliche Bäckerin schon als kleines Mädchen nicht widerstehen kann. Sie wächst in einer alteingesessenen Konditorenfamilie in München auf, macht die Ausbildung zur Konditorin, übernimmt im elterlichen Betrieb die Backstubenleitung und gewinnt zahlreiche Wettbewerbe.

1999 wird sie schließlich in Montreal zur Weltmeisterin in den Kategorien „Confectioner“, „Patisserie“, „Confiseur“ und „Konditor“ gekürt. Ein Meilenstein. „Das waren drei unglaublich harte Tage, da darf nichts schiefgehen. Deshalb habe ich wochenlang dafür trainiert.“ In neun Teilbereichen – darunter „Dreistocktorte“, „Nationale Spezialität“, „Pralinen“, „Eis“ und „Marzipan modellieren“ – überzeugt Andrea Schirmaier-Huber die Jury, setzt sich gegen die Besten der Welt durch. „Dieses Gefühl, wenn man die Goldmedaille überreicht bekommt, das kann man nicht beschreiben. Es ist einfach überwältigend.“

Konditorin Andrea Schirmaier-Huber
TV-Star, Konditorin, Chefin, Mutter – Andrea Schirmaier-Huber ist eine echte Powerfrau.

Süßsaurer Genuss

Anschließend besucht sie die Meisterschule und erhält den Titel Konditormeisterin, ehe sie, alter Handwerkstradition folgend, Erfahrungen im Ausland sammelt. „Die Asiaten sind auf einem sehr hohen Level im Bereich der Confiserie, deshalb habe ich eine Zeit lang in Hongkong gearbeitet und dort sehr viel gelernt. Die Zeit hat mich und meinen Stil geprägt. Ich bin eher Minimalist – zu viel Schnickschnack ist nicht meins.“ Gerade bei Verzierungen ist für Schirmaier-Huber weniger oft mehr. „Auch geschmacklich ist das so. Ich liebe Apfelkuchen mit riesigen Streuseln – gerne aus einer sauren Apfelsorte wie dem Boskop. Mehr brauche ich nicht, das macht mich glücklich.“

Wie man Kuchen und Torten zaubert, die einen dahinschmelzen lassen, zeigt die Konditorin seit Kurzem in ihrer „Bake and Cook Academy“. Eines ihrer neuesten Projekte. Neben süßen Versuchungen lernen die Teilnehmer aber auch die Zubereitung von herzhaften Köstlichkeiten. Was sonst noch ansteht? „Ich gebe auf der Aida Backkurse und wir sind dabei, das ein oder andere Fernsehformat auszutüfteln. Mehr wird da aber noch nicht verraten! Ein großer Traum von mir ist außerdem, wieder in Hongkong zu arbeiten. Ich habe dort mein Herz verloren.“

Schoko-Muffins mit Einhorn-Verzierung
Im Einhorn-Fieber: Auch kleine Naschkatzen kommen bei Schirmaier-Huber auf ihre Kosten.
Konditoren-Weltmeisterin Andrea Schirmaier-Huber
Andrea Schirmaier-Huber
  • Vita:

    Geboren und aufgewachsen ist Schirmaier-Huber in vierter Generation einer Konditorenfamilie in München-Ramersdorf. Von 1995 bis 1998 absolviert sie eine Ausbildung zur Konditorin im Café Luitpold in München. Anschließend übernimmt sie die Leitung im Betrieb ihrer Eltern. 2003 besucht sie die Meisterschule und wird Konditormeisterin.

  • Auszeichnungen:

    Kammersieg in München, Landessieg in Bayreuth als Konditorin, Deutsche Meisterin der Konditoren, Bundessiegerin, Weltmeisterin in den Kategorien „Confectioner“, „Patisserie“, „Confiseur“ und „Konditor“.

  • Academy:

    Erst kürzlich gründete Schirmaier-Huber ihre Bake and Cook Academy. Angeboten werden unter anderem Back- und Kochkurse.

  • Website:

Cranberry-Orange-Cheesecake

Ganz ohne Backen gelingt der Cranberry-Orange-Cheesecake. „Käsekuchen sind Klassiker, die großartig schmecken und immer gut ankommen. Die Kombination mit Cranberrys und Orange macht den Kuchen zu einem tollen Frühlings- und Sommergenuss“, sagt Andrea Schirmaier-Huber.

Zutaten für ca. 16 Stücke:
Boden: 120 g Butterkekse, 50 g Cantuccini, 125 g Butter, 1 Prise gemahlener Zimt
Füllung: 6 Blatt (12 g) Gelatine, 200 g Schlagrahm, Saft und Abrieb einer halben Bio-Orange, 600 g Frischkäse, 200 g saure Sahne, 200 g Zucker, 80 g Cranberrys soft, getrocknet
Topping: 100 ml frischer Orangensaft und 3 Blatt (6 g) Gelatine

Cranberry-Orange-Cheesecake
Schmeckt herrlich frisch: der Cranberry-Orange-Cheesecake.

Zubereitung:

1. Den Boden einer Springform (26 cm) mit Backpapier auslegen. Die Butterkekse mit den Cantuccini in einen Gefrierbeutel geben und mit einem Nudelholz darüberrollen, bis die Kekse fein zerkrümelt sind. Einfacher ist es, die Kekse in einen Mixer zu geben und kurz zu zerkleinern. Die Butter schmelzen und mit den Kekskrümeln und dem Zimt zu einem Teig mischen. Diesen in der Springform verteilen, gut festdrücken und kühl stellen.

2. Die Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Dann den Schlagrahm steif schlagen. Die Orange heiß abwaschen, die Schale abreiben und den Saft auspressen. Den Frischkäse und die saure Sahne mit dem Zucker und dem Orangenabrieb cremig rühren. Den Saft erhitzen (nicht kochen) und die ausgedrückte Gelatine darin auflösen. Etwas Frischkäsemasse zu der gelösten Gelatine geben und unterrühren. Den Gelatine-Mix zur restlichen Frischkäsemasse geben und glatt rühren. Zum Schluss die geschlagene Sahne unterheben. Die Cranberrys auf dem gekühlten Boden verteilen und die Frischkäsemasse daraufgießen, glatt streichen und für mindestens acht Stunden kühl stellen.

3. Für das Topping die Gelatine in kaltem Waser einweichen. Die gequollene Gelatine ausdrücken, auflösen und mit dem frischen Orangensaft verrühren. Die Saftmischung auf den erkalteten Kuchen gießen und diesen noch einmal 30 Minuten kühl stellen.

Zubereitungszeit: 30 Minuten plus Kühlzeit
Niveau: mittel

Bake and Cook Academy

by Andrea Schirmaier-Huber

Westerhamer Str. 5
83620 Feldkirchen-Westerham

www.bakeandcook.net