26. August 2016

Sänger, Songwriter,
Weltenbummler

Ob in einer Tropfsteinhöhle in Neuseeland, am Strand von Bali oder unter der Christusstatue in Rio – Finn Martin macht an außergewöhnlichen Orten Musik. Auf seinen Reisen findet er die Inspiration für seine Songs. Als wir ihn interviewen, ist der Sänger und Songwriter gerade in Barcelona.

Arbeiten an Orten, an denen andere Urlaub machen – nicht so schlecht, oder?

Definitiv. Ich hatte hier einen Auftritt. Dank meines Jobs bin ich sehr viel auf Achse, das liebe ich. Letztes Jahr war besonders spannend, ich bin in sechs Monaten einmal um die Welt gereist – von Rio bis Bangkok und L.A. bis nach Guatemala City, insgesamt 54 Städte in 19 Ländern. Dabei habe ich Inspiration und Kraft für mein neues Album gesammelt – und viele Ideen für Melodien und Texte. Aktuell schreibe und produziere ich die neuen Songs.

Das heißt, du bist – abgesehen von gelegentlichen Auftritten – derzeit oft im Studio anzutreffen?

Auf jeden Fall. Außerdem habe ich mit „The World Will Know Your Name“ den offiziellen DTM-Song geschrieben. Es geht darum, alles zu geben, an seine Limits und darüber hinauszugehen, aber auch mal eine Niederlage einzustecken und so am Ende Erfolg zu haben. Vollgas eben. An den Renn-Wochenenden trete ich deshalb bei den DTM-Events auf. Die Stimmung dort ist grandios, eine tolle Erfahrung für mich.

Wer hat dich auf deiner Weltreise begleitet?

Das war meine persönliche Solo-Tour – nur ich und meine kleine Reisegitarre. Ich habe in vielen Clubs gespielt, hatte aber auch ganz abgefahrene Auftritte. Auf der Christusstatue in Rio de Janeiro habe ich ein spontanes Konzert gegeben. Außerdem hat mich ein Maori-Häuptling eingeladen, für sich und seinen Stamm zu spielen. Gigantisch war auch mein Auftritt in einer Tropfsteinhöhle in Neuseeland. Diese absolut außergewöhnlichen Orte haben mich sehr inspiriert.

Macht das für dich Reisen aus?

Am Reisen liebe ich vor allem die Begegnungen mit anderen Menschen. Ich habe beispielsweise am Strand in Bali Musik gemacht. Als die Fischer von ihrem Fang zurückgekommen sind, haben sie sich zu mir gesetzt und mitgesungen. Einmal bin ich morgens um 4.30 Uhr mit einem von ihnen raus aufs Meer gefahren. Er sprach kein Wort Englisch und ich kein Wort Balinesisch. Gemeinsam saßen wir in diesem klapprigen, selbstgebauten Boot, haben den Sonnenaufgang bewundert und Fische gefangen. Meistens sind es weniger die Orte als vielmehr die Menschen, die einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen.

Meistens?

Es gibt auch Orte, die eine unglaubliche Faszination auf mich ausüben. In Guatemala bin ich unter anderem in San Marcos gelandet. Dort saß ich den ganzen Tag in der Natur, blickte auf den nahe gelegenen Vulkansee und spielte Gitarre – dabei kamen mir Tausende Ideen für neue Songs.

Was nimmst du aus solchen Erlebnissen mit?

Man lernt auf eindrucksvolle Art neue Lebensentwürfe kennen. Die Perspektive verändert sich, wenn man so etwas erlebt. Auf der anderen Seite empfinde ich eine große Dankbarkeit für das, was ich selbst habe. Mir wird auf Reisen immer bewusst, wie schön es auch zu Hause ist.

Finn Martin ist Sänger und Songwriter
Ob auf Bali, in Berlin oder kürzlich in der Mercedes-Benz Niederlassung Nürnberg bei der Markteinführung der neuen E-Klasse – wie fühlst du dich, wenn du vor Publikum auftrittst?

Das ist für mich das schönste Gefühl, das es gibt – dieses Einssein mit dem Moment und dem Publikum. Einer meiner Lieblingsmomente ist, gemeinsam mit den Besuchern einen Song zu singen. Das funktioniert auch in den entlegensten Winkeln dieser Erde: Musik ist eine Sprache, die jeder versteht.

Wie würdest du deine eigene Musik beschreiben?

Es ist melodiöse Singer-Songwriter-Musik. Sie erzählt Geschichten. Die Akustik-Gitarre ist ein wichtiges Element, weil es mir auf die Melodie ankommt. Das mische ich gern mit elektronischem Sound und kraftvollen Beats. So schaffe ich ein Fundament, das die Geschichte trägt.

Dein Soloalbum „Change“ war sehr erfolgreich ...

Ja, und ich habe mich unglaublich darüber gefreut! Wenn ich im Studio bin, versuche ich mich davon loszulösen, ob sich ein Song gut im Radio spielen lässt, ob er in eine Werbung oder einen Film passt. Es geht um den Moment und um das Gefühl. Ich glaube aber, wenn der Song bei mir etwas auslösen kann, dann kann er das auch bei anderen Menschen. Es kommt auf diesen Funken an, der überspringt. Deshalb kann man Erfolg nicht planen. Umso dankbarer bin ich für die Möglichkeiten, die er mir eröffnet hat – wie beispielsweise, dass ich für den Tatort „Der Zorn Gottes“ und für den Kinofilm „Da muss Mann durch“ den Soundtrack schreiben konnte.

Wie läuft so etwas ab?

Man bekommt die Szene zu sehen, für die der Titel gedacht ist. Ton gibt es natürlich noch keinen, außer es wird gesprochen. Diese Szene sieht man sich immer und immer wieder an und überlegt, welche Musik die Aussage noch unterstreicht. Das ist sehr spannend, denn Musik prägt einen Film enorm. Man kann durchaus die Aussage eines Filmausschnitts mit einem Song beeinflussen. Jeder, der einmal einen Horrorfilm ohne Ton angesehen hat, weiß, wovon ich spreche. Wenn überhaupt ist der Film nur noch halb so gruselig!

„Change“ ist der erfolgreichste Song von Finn Martin.
Der DTM-Song 2016 stammt von Finn Martin.
Finn Martin
  • Solokarriere: Mit 17 Jahren unterschrieb er seinen ersten Plattenvertrag. Mit dem Titel „Change“ nahm er 2013 am deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest teil. Zudem ist er als Komponist tätig. Er komponierte unter anderem die Titel „Ich bin ich“ und „Moment“ von Glasperlenspiel.
  • Alben/Singles: Change (2013), Waiting (2016), The World Will Know Your Name (2016)
  • Asher Lane: Mit seiner Band Asher Lane und dem Song „Explain“ war Finn Martin bereits vor seiner Solokarriere international in den Charts vertreten. 2006 spielte die Band vor mehr als einer Million Menschen beim WM-Halbfinale am Brandenburger Tor.
  • Website: www.finn-martin.com

Fotos: © Christian Hasselbusch, © Ira Schiwek